Leichen der Soldaten sollen am Samstag überführt werden

Gestorben für die Mali-Mission: Fragen und Antworten zum Bundeswehreinsatz in Afrika

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Das Bundeswehr-Lager in Mali: Das Archivbild zeigt die Ankunft der ersten zwei Kampfhubschrauber des Typs Tiger am 25. März dieses Jahres im Stützpunkt Gao. 

Fritzlar. Nach dem Tod zweier Bundeswehrsoldaten aus dem Schwalm-Eder-Kreis gibt es Diskussionen über den Einsatz der Bundeswehr in Mali. 

Aktualisiert: 12.20 Uhr: Nach HNA-Informationen handelt es sich bei einem der beiden Soldaten um Jan F. aus Neuental. Wie die Freie Presse berichtet, stammt der 33-Jährige ursprünglich aus Chemnitz. Der andere Soldat kommt nach Informationen unserer Zeitung aus Gudensberg (ebenfalls Schwalm-Eder-Kreis). Beide waren beim Absturz des Tiger-Hubschraubers am Mittwoch ums Leben gekommen. Die Ursache für das Unglück ist nach wie vor unklar. 

Soldaten werden wohl am Samstag nach Deutschland gebracht

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag hatte der Kommandeur des Fritzlarer Kampfhubschrauberregimentes 36, Oberst Volker Bauersachs, bekannt gegeben, dass die Angehörigen der beiden Soldaten betreut werden.

Die Leichen der ums Leben gekommenen Soldaten werden am morgigen Samstag nach Deutschland gebracht. Sie sollen abends auf dem Militärflughafen Köln eintreffen, heißt es vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Die Öffentlichkeit sei dabei nicht zugelassen. In Fritzlar soll es zudem eine Trauerfeier geben, sobald die Särge nach Deutschland überführt wurden. 

Archivbild eines Kampfhubschrauberregimentes aus Fritzlar. Das Bild stammt von 2014.

Mit Trauer und Bestürzung hat die Bundesregierung auf den Tod der zwei nordhessischen Bundeswehrsoldaten reagiert. 

Es bestehe „die traurige Gewissheit“, dass die beiden Mitglieder der UN-Mission für Mali gestorben seien, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). 

Wir blicken auf den Einsatz und die Lage in Mali.

Was ist der Sinn dieses Bundeswehr-Einsatzes?

Die Bundeswehr beteiligt sich mit 875 Soldaten an der UN-Mission Minusma in Mali (Gesamttruppenstärke laut Bundeswehr 11.240 Soldaten). Die UN-Truppen sollen die Lage im Land – auch durch Kampfeinsätze – stabilisieren helfen. Mit der Bekämpfung von islamistischen Terrorgruppen soll auch eine Fluchtursache beseitigt werden. Man verspricht sich weniger Flüchtlinge, die sich auf den Weg nach Europa machen.

Die Bundeswehr ist in der ehemaligen Islamistenhochburg Gao (siehe Grafik unten) stationiert, deutsche Soldaten waren bisher unversehrt geblieben. Gleichwohl gilt der Einsatz in Mali als der derzeit gefährlichste der Bundeswehr. Der Norden des westafrikanischen Landes war 2012 vorübergehend in die Hände islamistischer Extremisten und anderer Rebellengruppen gefallen. Gruppierungen wie Al-Qaida terrorisieren den Norden Malis schon lange.

Wird der Mali-Einsatz nun kritisiert?

Am deutschen Einsatz in Mali gibt es Kritik von der Linken. Die Partei lehnt jeden Auslandseinsatz der Bundeswehr ab. SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold steht weiterhin zu dem Einsatz und weist auf zwei zentrale Aspekte hin. Erstens: In Mali gehe es um humanitäre Verpflichtungen wie Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und Medikamenten. Zweitens: Es gebe „handfeste Sicherheitsinteressen“. Ein zerfallender Staat Mali wäre „Rückzugsraum für internationalen Terror und für kriminelle Energien, die am Ende auch uns bedrohen“.

Kritik kommt zudem auch von der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr (IGTH). Die deutschen Kampfhubschrauber seien nicht ausreichend für den Einsatz in dem Gebiet getestet und den Piloten fehle die vorgeschriebene Routine, sagte der IGTH-Vorsitzende.

Welche politischen Folgen in Berlin könnte der Absturz haben?

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Wenn ermittelt wird, dass der Tiger aufgrund technischer Mängel abstürzte, dürfte von der Leyen stark unter Druck kommen. Denn sie versprach den Soldaten nach Jahren der Sparzwänge eine gute Ausrüstung. Die Bundeswehr sollte unter ihrer Führung mehr Verantwortung in der Welt übernehmen und dafür gut ausgestattet werden. Seit Jahren wird diskutiert, ob die vielen Auslandseinsätze der Bundeswehr die Kapazitäten der Truppe übersteigen. Auch mit dem Kampfhubschrauber Tiger gab es immer wieder Probleme. Bedenken gab es auch wegen der Einsatzbereitschaft der Maschinen in der westafrikanischen Hitze. Gestern hieß es, bei dem Einsatz vor dem Absturz sei es mit 36 Grad für malische Verhältnisse relativ kühl gewesen.

Welche Rolle spielte Frankreich in Mali?

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hatte im Januar 2013 militärisch eingegriffen, um das Vorrücken von Islamisten und Tuareg-Rebellen aus dem Norden Malis zu stoppen und die Regierungstruppen zu unterstützen. Die militärische Intervention führt in der Folge zu einem Friedensabkommen. Im Mai 2015 wurde in der Hauptstadt Bamako durch die Regierung und einen Teil der bewaffneten Gruppen ein Abkommen unterzeichnet. Weitere nach Unabhängigkeit strebende Gruppen unterzeichneten das Abkommen im Juni 2015. Dennoch kommt es immer wieder zu Anschlägen.

Welche Anstrengungen unternimmt die malische Regierung?

Laut Auswärtigem Amt in Berlin bemüht sich ein in Mali geschaffenes „Ministerium für Versöhnung und Entwicklung des Nordens“ um eine Aussöhnung aller Bevölkerungsgruppen. Zentrales Element des Friedensvertrags sei eine Verfassungsreform. Darin soll die Bildung von Übergangsverwaltungen in den Krisengebieten festgeschrieben werden. Sie sollen die Rückkehr zur staatlichen Ordnung ermöglichen. Bei der Umsetzung helfe Deutschland. (mit dpa)

Bundeswehr: Tiger im Kriegsgebiet einsatzfähig

"Der Tiger ist ein Kampfhubschrauber und als solcher für den Einsatz in Krisengebieten konzipiert“, sagte Gregor von Kursell, Sprecher von Airbus Helicopters gestern unserer Zeitung. Den Auftrag für den Bau des Kampfhubschraubers erteile die Bundeswehr. Sie sei damit auch verantwortlich für die Funktionsweise des Tiger.

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Dass der Tiger als Kampfhubschrauber zuverlässig und für Einsätze in Krisengebieten geeignet sei, in denen extreme klimatische Bedingungenherrschen, sei bereits mehrfach bewiesen worden, so ein Sprecher der Bundeswehr. „Das französische Militär hat mit dem Tiger bereits Einsätze in Mali geflogen, die Bundeswehr in Afghanistan“, so der Sprecher weiter gegenüber unserer Zeitung. „Der Tiger ist erprobt für den Kampf unter Extrembedingungen.“ Aktuell sind drei Kampfhubschrauber in Mali im Einsatz. Sie können bei maximal 45 Grad Celsius ohne Ausnahmegenehmigung fliegen.

Nicht der erste Absturz

Der Kampfhubschrauber der Bundeswehr, der in Mali verunglückt ist, ist nicht der erste Tiger, der im Einsatz für das Heer abgestürzt ist. Bereits in der Vergangenheit hat es Unfälle gegeben - auch mit anderen Maschinen. 

Am 25. März 1997 stürzte bei Gudensberg ein Hubschrauber BO 105 der Heeresflieger mit zwei Soldaten an Bord ab. Beide Soldaten galten als erfahrene Flugzeugführer, berichtete damals die HNA. Die Maschine befand sich auf einem Weiterbildungsflug. In der Nähe von Gudensberg raste der Helikopter bei einer Geschwindigkeit von 170 km/h aus einer Höhe von 100 bis 150 Metern in eine Wiese.

Die Absturzursache war zunächst nicht bekannt. Mitfliegende Soldaten in anderen Hubschraubern des Typs BO 105 hatten vor dem Absturz weder einen Funkspruch erhalten noch einen Defekt bemerkt. Beim Aufprall explodierte die Maschine. Ein Gedenkstein erinnert an das Unglück. Schon Mitte der 1980er Jahre stürzt bei Schwalmstadt ebenfalls ein Panzerabwehrhubschrauber vom Typ BO 105 ab. Es gibt zwei Tote. Glimpflicher geht ein Unfall bei Borken-Kerstenhausen Mitte/Ende der 1980er Jahre aus. Die Hubschrauberbesatzung überlebt den Absturz.

2013 waren zwei Soldaten aus Fritzlar beim Absturz eines Kampfhubschraubers in den Alpen verletzt worden. Sie waren für eine Übung nahe Ettal unterwegs gewesen.

Technische Probleme und menschliche Fehler hätten 2013 zum Absturz des Tigers geführt, heißt es in einem bundeswehrinternen Bericht, der unserer Zeitung damals vorlag. Laut dem Bericht sind während des Nachtflugs am Abend des 4. März Sichteinrichtungen bei beiden hintereinandersitzenden Insassen ausgefallen. Flugdaten, die in das Sichtfeld der Insassen eingeblendet werden, wurden nicht mehr angezeigt.

Anders als der Pilot konnte der Schütze das System nicht wieder in Gang bringen. So war er abgelenkt und konnte den Piloten nicht wie gedacht bei der Landung unterstützen. Der Pilot indes verlor eine Anzeige aus dem Auge, erkannte nicht, dass die Blick- von der tatsächlichen Flugrichtung abwich, dachte, er könne ohne Hindernisse landen.

Stattdessen krachte er auf einen bewaldeten Hang. Der Tiger blieb liegen und fing Feuer. Gerade rechtzeitig konnte der Schütze aus der Maschine befreit werden.

Kampfhubschrauber aus Fritzlar starten in Mali-Einsatz

Die technische Ursache für den Ausfall der Sichtgeräte war laut Bericht nicht mehr festzustellen. Zudem bemängelte der Bericht die Schwierigkeiten bei der Einführung des Kampfhubschraubers und die Ausbildung der Insassen, die sich während des Flugs geringfügig ausgetauscht hätten. Die Aufgabenverteilung und die Betriebssprache seien noch nicht geregelt gewesen.

Ob die Bundeswehr aus dem Absturz über den Alpen Konsequenzen gezogen hat, konnte der Sprecher der Truppe gestern nicht beantworten.

Zwar nicht in einem Tiger, aber auch in einem Kampfhubschrauber sind 2015 über Mali zwei niederländische UN-Blauhelm-Soldaten abgestürzt. Auch sie waren in dem Krisengebiet im Einsatz und starben nach dem Unfall des Apache-Helikopters.

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