Zahlungskarten-Kriminalität - Skimming wandert ins Ausland

BKA-Lagebericht 2011: Getrickst oder gesprengt

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Die halbe Sparkassen-Filiale auf der Straße: Aufräumarbeiten am Morgen des 24. September in Nottuln-Darup/NRW. Gangster hatten in der Nacht zuvor einen Geldautomaten gesprengt.

Kassel. Ohne Geldautomaten kommt kaum ein Bankkunde mehr aus. Auch Gangster bleiben interessiert. Laut Bundeskriminalamt (BKA) stellen Banden ihre Attacken allerdings um. Angriffe auf Geldautomaten, die ahnungslosen Kunden Kartendaten und PIN abluchsen sollen, kamen 2011 stark aus der Mode:

1296 Fälle von Skimming registrierte das BKA, weniger als halb so viel wie im Jahr zuvor (3183). Auch die Zahl der nach Datenklau gesperrten Kartendaten halbierte sich auf 150 000. Für 2012 sieht das BKA diese Zahlungskartenkriminalität rund um Automaten im Inland weiter abflauen.

Minikameras oder falsche Tastaturen, die Kundendaten ausspähen, sind zwar weiter im Einsatz: Das Geldgewerbe aber hat technisch aufgerüstet und erschwert die alten Tricks. Skimming-Schwerpunkt war NRW (408/Hessen: 96 / Niedersachsen: 68) Skimmingfrei blieb das Saarland.

Erstmals wurden 2011 auch Fahrkartenautomaten der Bahn manipuliert, um dort an Kartendaten und PIN zu kommen (25 Fälle). Kein gutes Geschäft: An Fahrkartenautomaten wird laut BKA eher noch bar bezahlt. An Tankautomaten machten sich Betrüger im Vorjahr sechsmal zu schaffen - in einem Fall über Wochen unentdeckt. Tausende Kartendaten und PIN verschwanden.

Der neue Trend: Betrügerische Datenabsauger warten im Ausland auf deutsche Urlauber und ihre Karten. 977 Attacken an Geldautomaten und Zahlungsterminals von Geschäften im Ausland wurden dem BKA 2011 bekannt - 83 Prozent mehr als 2010.

Zu Geld gemacht wird der Datenklau mit White Cards. Das sind Kartenrohlinge, die mit den ausgespähten Informationen zum Abheben vom Konto der Bestohlenen scharfgemacht werden. Auch da mussten Kriminelle sich aber auf dem Globus neu orientieren: Seit Anfang 2011 werden Karten im sogenannten Sepa-Raum (EU, Schweiz, Monaco, Island, Liechtenstein und Norwegen), nicht mehr über die alten Magnetstreifen autorisiert, sondern durch Chips. Gefälschte Magnetstreifen-Karten funktionieren so nur noch außerhalb der Sepa-Grenzen: Vorrangig wurden sie laut BKA in den USA, Russland und Südamerika eingesetzt.

Was sich bei der Geldkartenkriminalität nicht geändert hat: Die Akteure kommen aus Südosteuropa, vorrangig aus Rumänien und Bulgarien. „Deutsche Staatsangehörige spielen nahezu keine Rolle“, heißt es beim BKA.

Gegen den Trend kehrten 2011 erstmals nach 2008 Attacken auf Zahlungsterminals in deutsche Geschäften zurück: Durch Funk oder den heimlichen Gerätetausch kommen Kriminelle auch dort an Kartendaten. 14 Fälle notierte das BKA 2011 - vier Jahre zuvor waren so auch an den Kassen zweier Gartenmärkte in Kassel und Göttingen mehreren hundert Kunden ihre Kartendaten entwendet und Konten leergeräumt worden.

Von Wolfgang Riek

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