US-Autogewerkschaft UAW kritisiert Einmischung von Politikern – VW-Betriebsrat setzt auf Arbeitsrechtler

Gewerkschaft verlangt Neuwahl

Chattanooga ist eines der wenigen VW-Werke weltweit, das über keine Form von Arbeitnehmervertretung verfügt. Selbst in den chinesischen VW-Werken gibt es so etwas wie Gewerkschaften. Seit vergangenem Jahr will der deutsche Autohersteller im Werk Chattanooga im US-Staat Tennessee einen Betriebsrat nach deutschem Vorbild installieren. VW-Personalvorstand Horst Neumann hatte die Pläne 2013 öffentlich gemacht.

Eine gute Idee. Was aber in der vergangenen Woche in Tennessee passierte, gleicht einem Aufeinanderprallen von Kulturen: Mit 712 zu 626 Stimmen votierten die Beschäftigten bei VW in Chattanooga gegen eine Vertretung ihrer Interessen durch die US-Autogewerkschaft UAW. Aber ohne Gewerkschaft, kein Betriebsrat im VW-Werk. Die UAW fechtet das Ergebnis nun an und begründete diesen Schritt mit der „Einmischung von Politikern und Lobbygruppen“. Ziel sind Neuwahlen.

Seit drei Jahren ist Chattanooga das einzige Werk, das VW in den USA betreibt. Die Wolfsburger bauen dort den US-Passat, eines ihrer meistverkauften Modelle im Land. Rund 5000 Jobs bei VW, Zulieferern und sonstigen Firmen hängen von dem Werk ab. Das ist viel für den strukturschwachen Süden der USA – eine Region, in der auch BMW und Daimler ihre Werke haben.

Gründe gegen die UAW zu stimmen, hatten die Beschäftigten einige, berichten US-Medien: Die einen sagten, es gehe ihnen doch gut, denn VW zahle höhere Löhne. Der Einstiegslohn liege bei 20 Dollar brutto (14,56 Euro). Andere wollten sich die Gewerkschaftsbeiträge sparen. Wieder andere misstrauen der UAW, die 2009 bei der Auto-Krise in Detroit bei GM und Chrysler eine unrühmliche Rolle spielte. Politiker vor Ort sorgten sich darum, dass durch den Einfluss der Gewerkschaft das „Wirtschaftswunder“ in der Region leiden würde, sich der Lebensstandard der Arbeiter verschlechtern würde und Unternehmen sich nicht mehr ansiedeln wollten. Sie sollen VW gedroht haben, dass der Konzern bei Investitionshilfen nicht zum Zuge kommen würde.

„Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ein weiterer VW-Standort in den USA, sofern dort noch einer aufgebaut werden soll, nicht unbedingt wieder in den Süden gehen muss. Wenn das Thema betriebliche Mitbestimmung nicht von vorneherein geregelt ist, werden wir als Arbeitnehmer dem kaum zustimmen können“, konterte VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh. Und: „Standortentscheidungen erfolgen nach wirtschaftlichen Kriterien, zu denen auch staatliche Unterstützung zählt. Die ist in anderen, an Ansiedlungen von Volkswagen interessierten Staaten sicherlich nicht geringer als in Tennessee.“

Aufgeben will Osterloh nicht: „Wir werden alle Varianten prüfen, wie wir einen US-Betriebsrat umsetzen können.“ Um sein Ziel zu erreichen, will der Betriebsrat in den kommenden zwei Wochen Beratungen mit US-Arbeitsrechtlern aufnehmen.

Von Martina Wewetzer

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