Prävention soll Kinder schützen

In Gießen finden Pädophile Hilfe, damit sie nicht zu Tätern werden

Leitet das Gießener Projekt: Prof. Johannes Kruse.

Gießen. „Niemand ist Schuld an seiner sexuellen Neigung, aber jeder ist verantwortlich für sein Verhalten.“ Prof. Johannes Kruse hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Menschen zu helfen, die pädophile Neigungen spüren und Angst haben, eines Tages zum Täter zu werden.

Seit Dezember vergangenen Jahres gibt es an der Gießener Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum Gießen-Marburg ein Präventionsprojekt, das Teil des bundesweiten Netzwerks „Kein Täter werden“ ist. 80 Menschen – 79 Männer und eine Frau – haben sich nach einer Kampagne mit Anzeigen, Plakaten und Kinospots bereits in Gießen gemeldet; dass das Projekt Anonymität zusichert, versteht sich von selbst.

Kruse, Direktor der Klinik in Gießen, geht es vor allem um den Schutz der Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch oder durch Nutzung ihrer Körper für pornografische Darstellungen sexuell ausgebeutet werden. Auch als Erwachsene litten Opfer häufig unter Depressionen und Ängsten bis hin zu somatischen Beschwerden wie Diabetes oder Herzinfarkten.

Hauptzielgruppe des Gießener Projektes sind die Menschen, die noch nicht Täter sind, aber von Ängsten geplagt werden. In der Gesellschaft würden diese Ängste tabuisiert, die Betroffenen litten darunter, als pervers oder krank stigmatisiert zu werden, so Kruse. Sie kämen aus allen sozialen Schichten und verschiedenen Altersgruppen.

Mit 20 der 80 Personen gebe es konkrete Vorgespräche für eine Therapie, die auf Freiwilligkeit beruhen müsse. Täter, für die die Therapie eine Auflage des Gerichtes ist, werden in Gießen nicht betreut.

Das Land Hessen hat 310 000 Euro aus Bußgeldmitteln für das Projekt bereitgestellt. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sagte gestern, man fördere das Projekt, da die Therapie keine Kassenleistung sei. Darüber müssten die Krankenkassen allerdings nachdenken angesichts der hohen Folgekosten, die sexueller Missbrauch durch die Leiden der Opfer produziere.

Wichtig an der Netzwerkbildung sei die Anbindung an Universitätsklinika. So könne die Arbeit durch klinische Studien untermauert werden.

Kühne-Hörmann sprach sich auch dafür aus, die Gesetze zu überarbeiten, da der Tatort Internet eine immer größere Rolle spiele. Kruse sagte, die Internet-Suchtforschung habe erwiesen, dass die Problematik der Pädophilie sich verstärke durch immer häufigere Betrachtung von entsprechenden Bildern im Netz. „Wir brauchen deshalb ein Klima, das es Menschen ermöglicht, sich Hilfe zu suchen.“ Unter Strafe gestellt werden müsse „alles, was Kinder schädigt“. Grauzonen dürfe es nicht geben. Kruse wies aber auch darauf hin, dass sexueller Missbrauch von Kindern nicht nur bei Pädophilen vorkomme, auch Machtausübung könne ein Motiv sein.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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