Gießen soll Landesgartenschau 2014 ausrichten – doch der Widerstand wächst

Ein Schmetterling sitzt am 14. April 2010 auf dem Gelände der Landesgartenschau in Bad Nauheim auf einer Blüte. Blühende Landschaften soll es 2014 auch bei Hessens fünfter Landesgartenschau in Gießen geben.

Gießen. Es grünt so grün - oder doch lieber nicht? Gießen soll 2014 die Landesgartenschau ausrichten. Doch in der Stadt wächst der Widerstand gegen die Veranstaltung.

„Ich habe für die Landesgartenschau gestimmt, weil es hieß, sie sei wichtig für eine nachhaltige Stadtentwicklung“, sagt die Stadtverordnete Elke Koch-Michel (Bürgerliste). Doch von Nachhaltigkeit sehe sie jetzt nicht mehr viel.

Koch-Michel gehört zu denen, die eine Bürgerinitiative gegen die Gartenbauausstellung planen. Sie will nicht, dass sich die hoch verschuldete mittelhessische Stadt mit den Millionenkosten übernimmt. Am liebsten wäre ihr ein Bürgerbegehren: „Ich sehe keine andere Chance, die Schau noch zu verhindern.“

Für die zuständige Dezernentin, Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne), ist das Ereignis eine Chance: „Gießen braucht die Schau, weil wir eine wachsende Stadt sind, und als solche müssen wir etwas für die Infrastruktur tun.“ Ohne die Schau und damit verbundenen Fördermittel könne Gießen in seiner angespannten finanziellen Lage nicht in die Stadtentwicklung investieren.

Im März 2008 bekam die Kommune an der Lahn den Zuschlag für die Gartenbauausstellung. Sie soll sich auf die Wieseckaue in der Nähe der Innenstadt konzentrieren, bereits heute eine 35 Hektar große Grünanlage mit Teichen. Als Investitionskosten wurden 19 Millionen Euro veranschlagt. Die begleitenden Bauvorhaben wie die Sanierung des Bahnhofsvorplatzes sollen insgesamt etwas über 30 Millionen kosten, die Durchführung der Ausstellung neun Millionen Euro. Den größten Teil muss die Stadt tragen, sie kann aber mit Fördermitteln des Landes rechnen.

Das ist dennoch viel Geld für eine Stadt, die mit rund 234 Millionen Euro in der Kreide steht. Gießen wurde vom Regierungspräsidium verdonnert, bis 2015 höchstens 17,4 Millionen neue Schulden zu machen. Gestrichen werden soll jetzt vor allem beim Bahnhofsvorplatz.

Angesichts der leeren Kassen müssten Prioritäten gesetzt werden, sagt Koch-Michel. „Man könnte auf die Landesgartenschau verzichten. Dafür könnten wir den Bahnhofsvorplatz vernünftig machen, nicht nur als Minimallösung.“ Und: „Nachhaltig wäre gewesen, eine Brache in eine Grünanlage umzuwandeln. Mit der Wieseckaue haben wir aber schon jetzt einen schönen Park.“

Anfang November stellte die Stadtverordnete einen Antrag, wonach der Magistrat prüfen soll, ob die Rückgabe der Schau rechtlich und finanziell möglich wäre.

Auszusteigen sei nicht sinnvoll, sagt Bürgermeisterin Weigel-Greilich. Wirklich gespart werden könne nicht, fast acht Millionen Euro Planungskosten seien dann verloren. Und: Nur weil Gießen die Landesgartenschau ausrichte, erlaube das Regierungspräsidium überhaupt noch neue Schulden. Falle sie weg, müsste an anderen Stellen der Rotstift angesetzt werden. Auch am Bahnhofs-Projekt. (dpa)

Von Carolin Eckenfels

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