Gibt es Beweise?

Assad wirft Rebellen Einsatz von Giftgas vor

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Giftgas-Krise in Syrien

Damaskus - In der Giftgas-Krise geht das syrische Regime in die Offensive. Es will beweisen können, dass angeblich die Rebellen am Stadtrand von Damaskus Giftgas eingesetzt haben.

Die Staatsmedien verbreiteten am Sonntag entsprechende Fotos und Erklärungen der Armee. Dies sei auch durch russische Satelliten-Aufnahmen belegt, zitierte die Nachrichtenagentur Sana Informationsminister Omran al-Soabi.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif vertrat nach Angaben des Senders Press TV in einem Telefongespräch mit seiner italienischen Amtskollegin Emma Bonino ebenfalls die Meinung, Rebellen hätten in Syrien Giftgas eingesetzt. Er sagte, die syrische Regierung „hat uns versichert, dass sie nie solche unmenschlichen Waffen eingesetzt hat“. Die Führung in Damaskus sei bereit, den UN-Experten Zugang zu den betroffenen Gebieten zu gewähren. Dies hatte Al-Soabi allerdings kurz zuvor noch kategorisch ausgeschlossen.

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Unterdessen gingen die Kämpfe in den Gebieten weiter, die nach Angaben von Regimegegnern am vergangenen Mittwoch von Assads Armee mit Giftgas bombardiert worden waren. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, am Ortseingang von Duma seien Boden-Boden-Raketen eingeschlagen.

Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hatte zuvor erklärt, dass diese Woche in von der Organisation betreuten Krankenhäusern in Syrien 3600 Menschen mit Symptomen von Nervengift behandelt wurden. Von ihnen seien 355 gestorben.

Westen zunehmend überzeugt von Chemiewaffeneinsatz in Syrien

Der Westen zeigt sich zunehmend überzeugt von Berichten über den Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Regierung. Es werde nun über "mögliche Antworten der internationalen Gemeinschaft" nachgedacht, teilte das Weiße Haus am Wochenende nach einem Telefonat von US-Präsident Barack Obama mit dem britischen Premier David Cameron mit. Frankreichs Präsident François Hollande sagte, vieles deute darauf hin, dass die syrische Regierung einen Chemiewaffenangriff verübt habe.

Obama und Cameron bekräftigten laut Angaben des Weißen Hauses vom Samstag ihre "ernste Sorge" angesichts von "zunehmenden Anzeichen", dass ein "bedeutender Chemiewaffenangriff" von der syrischen Regierung verübt worden sei. Hollande erklärte am Sonntag nach einem Gespräch mit Australiens Premier Kevin Rudd, es gebe "ein Bündel an Hinweisen" darauf, dass es einen Angriff mit Chemiewaffen gegeben habe und die syrische Regierung dafür verantwortlich sei. Hollande sprach neben Rudd auch mit Cameron über die Lage in Syrien.

Obama traf sich am Samstag mit seinen führenden Sicherheitsberatern. Er habe die Geheimdienste beauftragt, "Fakten und Beweise" zusammenzutragen, hieß es aus dem Weißen Haus. Die Regierung habe eine Reihe von Optionen und werde den "nationalen Interessen" entsprechend handeln. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel erklärte am Sonntag in Kuala Lumpur, die US-Streitkräfte seien bereit zum Eingreifen in Syrien, sollte Obama dies anordnen.

Die islamistische Rebellengruppe Al-Nusra-Front drohte im Internet, sich an der alawitischen Minderheitin Syrien für die mutmaßlichen Angriffe mit Chemiewaffen zu rächen. Am Samstag traf die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane in Damaskus ein, um auf einen freien Zugang der UN-Experten zu dringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte im Magazin "Focus" Russland und China dafür, im UN-Sicherheitsrat eine Resolution zu Syrien verhindert zu haben.

Der iranische Vize-Generalstabschef Massud Dschasajeri warnte die USA vor einer Militärintervention. "Wenn die Vereinigten Staaten diese rote Linie überschreiten, wird das ernste Konsequenzen für das Weiße Haus haben", sagte Dschasajeri. Israels Staatspräsident Schimon Peres forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, "sämtliche Chemiewaffen in Syrien zu beseitigen". Ob dies durch eine militärische Intervention geschehen solle, ließ Peres offen.

dpa/afp

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