Militär erobert Aleppo-Stadtteil zurück

Giftgastest in Syrien?

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Ein zerstörtes Haus in Aleppo (Archivfoto aus dem August 2012)

Damaskus - Syrische Regierungstruppen haben einen Stadtteil der strategisch wichtigen Wirtschaftsmetropole Aleppo zurückerobert. Einem Bericht zufolge bereitet das Militär einen Giftgas-Einsatz vor.

Der internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi hat Syrien am Sonntag wieder verlassen, die Kämpfe im Land toben unvermindert weiter. Mehr als 100 Menschen kamen nach Angaben von Aktivisten am Wochenende ums Leben. Bei einem Bombenanschlag wurde zudem eine wichtige Straße von Damaskus in die südsyrische Stadt Daraa unterbrochen, mindestens sieben Menschen wurden dabei getötet. Die syrische Regierung, die immer wieder ausländische Kräfte für den Aufstand verantwortlich gemacht hat, warf der Türkei vor, Extremisten die Einreise nach Syrien erlaubt zu haben.

In Briefen an den UN-Sicherheitsrat sowie an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon beschuldigte der syrische Außenminister am Sonntag die Türkei, „Tausende Terroristen der Al-Kaida, Takfiri und der Wahabiten“ Zugang zu seinem Land gewährt zu haben, „um unschuldige Syrer zu töten, ihr Eigentum in die Luft zu sprengen und Chaos und Zerstörung zu verbreiten“.

Ein solcher Angriff ereignete sich nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur SANA am Sonntag, als Aufständische unter einer Autobahn nahe der südsyrischen Stadt Chirbet Ghasale eine 600 Kilogramm schwere Bombe zur Detonation brachten. Dabei seien acht Menschen getötet und 25 weitere verletzt worden. Nach Angaben der Aktivisten der Örtlichen Koordinationskomitees kamen bei der Explosion sieben Menschen ums Leben.

Vorstoß der Regierungstruppen in Aleppo

Im erbitterten Kampf um die strategisch wichtige Wirtschaftsmetropole Aleppo eroberten Regierungstruppen laut SANA indessen einen Stadtteil der Aleppo zurück. Die Soldaten von Präsident Baschar Assad hätten das Viertel Midan geräumt, hieß es. Dutzende Rebellen seien zudem in anderen Vierteln getötet worden.

Der UN-Sondergesandte Brahimi räumte nach seinem ersten Treffen mit Assad am Samstag ein, dass er noch keinen Plan zur Lösung des Konflikts habe. Brahimi kündigte an, einen Arbeitsplan zu entwickeln, sobald er mit allen beteiligten Gruppen gesprochen habe. Er warnte vor einer Verschärfung des Konflikts. Die Kluft zwischen den politischen Parteien werde immer größer, sagte er. Der Konflikt sei nicht nur eine Gefahr für das syrische Volk, sondern für die „gesamte Welt“. Nach seinem Besuch in Damaskus wollte er nach eigenen Angaben nach New York reisen und anschließend alle Länder besuchen, die über die Lage in Syrien besorgt sind.

Präsident Assad bekräftigte nach dem Treffen mit Brahimi seinen Willen, alle Lösungsversuche für die Krise zu unterstützen, sofern diese „neutral und unabhängig seien“, wie SANA berichtete. Das Augenmerk müsse sich auf Länder richten, die „Terroristen trainieren und finanzieren und Waffen nach Syrien schmuggeln“, sagte Assad.

Brahimi reiste am Wochenende zum ersten Mal nach Syrien, seit er das Amt des Sondergesandten der UN und Arabischen Liga für Syrien Ende August von seinem Vorgänger Kofi Annan übernommen hat. Brahimi bezeichnete seinen Vermittlungsauftrag kürzlich selbst als „nahezu unmöglich“.

Auch am Sonntag meldeten Aktivisten heftigen Beschuss vieler von den Rebellen gehaltenen Gegenden im ganzen Land. Laut Berichten von Aktivisten kam es am Wochenende nicht nur in Aleppo, sondern auch am Rande von Damaskus wieder zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Rebellen. Landesweit seien sowohl am Samstag als auch am Sonntag mehr als 50 Menschen getötet worden, meldeten Aktivisten.

Regierungstruppen proben möglicherweise für Giftgasangriff

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ bereitet sich das Regime in Syrien offenbar auf einen Giftgaseinsatz vor. Ende August sollen die Streitkräfte in der Nähe eines Forschungszentrums für Chemiewaffen östlich von Aleppo Trägersysteme für Giftgasgranaten getestet haben. Insgesamt seien fünf oder sechs der Granaten, die für chemische Kampfstoffe vorgesehen sind, unbefüllt von Panzern und Flugzeugen abgeschossen worden, berichtete das Magazin unter Berufung auf Zeugenaussagen. Iranische Offiziere sollen eigens zu diesem Anlass per Hubschrauber eingeflogen worden sein.

Die Türkei plant indessen, einen Teil der rund 80.000 aus dem Nachbarland stammenden Flüchtlinge anders zu verteilen. Viele Syrer, die vor der Gewalt in ihrem Land geflohen sind, leben nahe der Grenze, jedoch außerhalb der errichteten Unterkünfte. Sie sollen nun in die Lager oder in andere Provinzen ziehen. Schätzungen zufolge soll es sich dabei um bis zu 40.000 Syrer handeln, die UN gehen gar von bis zu 60.000 aus. Sie sind zumeist bei Verwandten untergekommen, andere haben Wohnungen gemietet. Viele von ihnen leben in Antakya, der größten Stadt in der Provinz Hatay.

Es gebe religiöse Spannungen an der syrisch-türkischen Grenze, sagte der Bürgermeister von Antakya, Lutfu Savas. Sicherheitsbedenken und möglicher Unfrieden seien daher die Hauptgründe für die Umsiedlung jener Flüchtlinge, die außerhalb der Lager lebten. So gehören viele Türken in der Provinz Hatay einer religiösen Minderheit an, die in Verbindung zu den Alawiten steht. Jener schiitischen Gemeinschaft also, die das Regime in Damaskus dominiert und den Aufstand der mehrheitlich sunnitischen Muslime versucht niederzuschlagen.

dapd

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