Antisemitismus-Vorwürfe

Gil Ofarim: Neue Zeugen-Anschuldigungen - Sänger reagiert

Gil Ofarim wirft einem Hotel-Mitarbeiter Antisemitismus vor. Videoaufnahmen lassen an seinen Aussagen zweifeln. Ein Gutachten nennt neue Details.

Update vom Donnerstag, 28.10.2021, 12.00 Uhr: Nachdem die interne Untersuchung des „Westin“-Hotels Leipzig veröffentlicht wurde, die den mutmaßlichen Antisemitismus-Skandal um Gil Ofarim behandelt, hat der Sänger auf die Ausführungen reagiert. Den Ausführungen entsprechend habe keiner der von einer Rechtsanwaltskanzlei befragten Zeugen des besagten Abends eine antisemitische Beleidigung gegenüber Ofarim vernommen.

Wie das Nachrichtenportal T-Online.de nun berichtet, habe Ofarims Anwalt Markus Hennig mitgeteilt, dass der Sänger auf die staatlichen Ermittlungen vertraue und auch nur diese unterstütze. Einem Schreiben, das dem Nachrichtenportal vorliegt, ist demnach zu entnehmen, dass „die Ermittlungen auch weiterhin der verantwortlichen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei vorbehalten bleiben“ sollten. Auch würde „ein vom Hotel bezahlter Untersuchungsbericht“ eben sowenig der Wahrheitsfindung dienen, wie „unvollständige Viedosequenzen“, zitiert T-Online.de weiter. Auch habe Ofarim keinen Beitrag zur Untersuchung des Hotels geleistet.

Update von Mittwoch, 27.10.2021, 12.30 Uhr: Das Leipziger Hotel, wo sich der mutmaßliche Antisemitismus-Skandal um Sänger Gil Ofarim ereignet haben soll, erklärte bereits vergangene Woche, dass man keinerlei arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den verdächtigten Mitarbeiter einleiten werde. Eine interne Untersuchung bringt nun offenbar neue Details ans Licht. Die Wochenzeitung Die Zeit berichtet, dass keiner der von einer Rechtsanwaltskanzlei befragten Zeugen des besagten Abends eine antisemitische Beleidigung gegenüber Ofarim vernommen habe.

Der Bericht bezieht sich auf das Abschlussdokument der verantwortlichen Rechtsanwaltskanzlei Pauka & Link, welche vom Hotel damit beauftragt wurde. Im Kontrast zu den Aussagen über nicht stattgefundene antisemitische Beleidigungen erklärten die Zeugen laut Bericht, dass der Sänger stattdessen in einen Konflikt mit einem Hotelmitarbeiter geraten sei, da er diese aus Ofarims Perspektive bevorzugt behandelt habe. Von Ofarims Davidstern sei keine Rede gewesen, heißt es demnach im Abschlussbericht.

Gil Ofarim: Zeugen verneinen antisemitische Beleidigung

Ein Gutachten des Sachverständigen George A. Rauscher, das die Kanzlei beauftragt hat und worüber die Wochenzeitung ebenfalls berichtet, kommt zudem zum Schluss, dass die Videoaufnahmen des Leipziger Hotels wohl nicht manipuliert wurden. Ofarim selbst äußerte sich laut Bericht weder zu den neuen Vorwürfen noch zu den Videoaufnahmen.

Gil Ofarim im Januar 2020. (Archivfoto)

Update vom Samstag, 23.10.2021, 8.08 Uhr: Nach den Antisemitismus-Vorwürfen von Sänger Gil Ofarim gegenüber einem Leipziger Hotel hat sich nun unter anderem Komiker Oliver Pocher zu Wort gemeldet. Pocher offenbarte in einem Parodie-Video auf Instagram seine Meinung zur Causa Ofarim.

In dem Video filmt sich Pocher - wie auch Ofarim - selbst und streicht sich durch die Haare: „Leute, mir ist gerade etwas passiert, das möchte ich mit euch teilen“, spricht Pocher in die Kamera. „Ich sitze hier bei mir zuhause vor der Tür und komme nicht rein, Tür ist zu.“ Schild daran sei sein T-Shirt, auf dem „Marvel“ steht. „Ich bin einfach nur geschockt, weil ich diskriminiert, ausgeschlossen und nur auf meine Religion und meinen Status als Superheld reduziert werde!“

Es sei ihm wichtig, über das Erlebte zu sprechen. Schließlich habe er, Pocher, mit der Situation schon sein ganzes Leben lang zu kämpfen: „Ich bin Zeuge Jehovas. Ich weiß, was es als Kind bedeutet, vor Türen zu stehen und nicht reinzukommen.“ Ofarim selbst hatte vergangene Woche zwei Strafanzeigen gegen einen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels erstattet, wie die Leipziger Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte.

Nach Antisemitismus-Vorwurf: Gil Ofarim mit erneuter Anzeige

Update vom Freitag, 22.10.2021, 14.30 Uhr: In der RTL-Sendung Stern TV am Mittwoch (20.10.2021) sprach Gil Ofarim über die letzten Entwicklungen zu dem vermeintlichen Antisemitismus-Vorfall in einem Leipziger Hotel. Der Musiker beteuerte, zu allen Zeitpunkten stets die Wahrheit gesagt zu haben - auch wenn es mittlerweile Zweifel an den geschilderten Vorkommnissen gebe. Diese könne er durchaus verstehen, doch an der Richtigkeit seiner Aussage würde dies nichts ändern. Darüber berichtet fr.de.

Er habe seine Kette mit dem Davidstern laut eigener Aussage immer getragen und vor dem Hotelbesuch nicht abgelegt. Ofarim zufolge zeigen die Videoaufnahmen auch nicht die gesamte Situation, sondern nur einen Ausschnitt. Ein weiterer Gast der Show, Philipp Peyman Engel von der Jüdischen Allgemeinen, glaube dem Sänger. Falls sich die Vorgänge jedoch tatsächlich anders abgespielt haben sollten, sei das „eine Katastrophe für den Kampf gegen Antisemitismus“. Auch seien Mitarbeiter des Westin-Hotels in die Sendung von Moderator Steffen Hallaschka eingeladen worden, sollen sich aber schließlich gegen eine Teilnahme entschieden haben.

In der vergangenen Woche erstattete Ofarim bei seiner Vernehmung in München gleich zwei Strafanzeigen gegen einen Mitarbeiter des Hotels. Wie die Leipziger Staatsanwaltschaft am Freitag (22.10.2021) mitteilte, habe er nun eine weitere Anzeige wegen des Tatvorwurfs der falschen Verdächtigung gestellt. Der beschuldigte Hotelmitarbeiter hatte den Sänger zuvor wegen Verleumdung angezeigt.

Gil Ofarim: Hotel-Mitarbeiter kehrt nach Antisemitismus-Vorwurf zurück

Update vom Mittwoch, 20.10.2021, 17.04 Uhr: Gil Ofarim soll von einem Mitarbeiter des Westin-Hotels in Leipzig antisemitisch beleidigt worden sein. Dieser habe ihn aufgefordert, „seinen Stern“ einzupacken, wenn er einchecken wolle. Gemeint gewesen sei die Kette mit einem Davidstern, die der Sänger zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Vorfalls um den Hals getragen haben soll.

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zufolge liegen nun die neuesten Ermittlungsergebnisse zum Zwischenfall vor. Demnach sehe das Management des Hotels keine Notwendigkeit, arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter einzuleiten. Es gebe keine objektivierbaren Anhaltspunkte für den beschriebenen Vorfall. Der Untersuchungsbericht umfasst 118 Seiten. Ein Anwaltsteam habe unter anderem Aussagen von Zeugen und Material von Sicherheitskameras ausgewertet. Der beurlaubte Mitarbeiter soll nun zum Westin Hotel zurückkehren. Aufgrund massiver Anfeindungen, die er in den letzten Wochen erlebt habe, werde er seine Aufgaben zunächst nicht in vollem Umfang aufnehmen.

Antisemitismus-Vowürfe von Gil Ofarim: Kette mit Davidstern nicht auf Videos zu sehen

Update vom Dienstag, 19.10.2021, 11.09 Uhr: Vor knapp zwei Wochen berichtete der Musiker Gil Ofarim, dass er in einem Hotel in Leipzig Opfer antisemitischer Anfeindungen geworden sei. Ein Mitarbeiter des Westin-Hotels hätte ihn demnach aufgefordert, seine Halskette mit Davidstern wegzupacken, wenn er einchecken wolle. Mit einem Video, das er vor dem Hotel aufnahm, sorgte Ofarim für großes Aufsehen. Der beschuldigte Hotelmitarbeiter warf Ofarim Verleumdung vor und erstattete Anzeige. Gegenüber der Polizei schilderte er die Vorkommnisse deutlich anders. Am 12. Oktober zeigte schließlich der Musiker den Mitarbeiter an.

Nun sollen Videos der Überwachungskamera, die der Bild-Zeitung vorliegen, zeigen, dass Gil Ofarim gar keine Kette mit Davidstern trug, zumindest nicht sichtbar. Die Leipziger Volkszeitung berichtet unter Berufung auf Ermittlerkreise Ähnliches. Demnach sei auf dem Material ein aufgeregt wirkender Gil Ofarim am Check-in-Schalter zu sehen, jedoch keine Kette um seinen Hals. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wird der Ton mit Überwachungskameras nicht aufgezeichnet.

Sänger Gil Ofarim: „Geht nicht darum“, ob die Kette zu sehen war

„Der Satz, der fiel, kam von hinten“, sagte der Sänger auf Anfrage der Bild am Sonntag. „Das heißt, jemand hat mich erkannt. Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um was viel Größeres. Da ich oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt.“

Zwei Tage vor dem Vorfall war Ofarim bei einer Show zu Ehren des jüdischen Musikers Giora Feidmann im ZDF zu sehen. „Bei der Gala trug ich die Kette und ich ziehe sie eigentlich so gut wie nie aus. Aber es geht nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen war oder nicht. Sondern es geht darum, dass ich antisemitisch beleidigt worden bin.“

Gil Ofarim: Polizei hat „ernst zu nehmende Zweifel“

Die Polizei in Leipzig soll laut Bild mittlerweile „ernst zu nehmende Zweifel“ am Ablauf der Ereignisse haben, wie Ofarim sie geschildert hatte. „Pack deinen Stern ein“, rief eine Person dem Sänger zufolge aus der Ecke. „Packen Sie Ihren Stern ein“, habe es dann vom Mitarbeiter am Check-in in Bezug auf die Halskette geheißen. „Dann sagte er, wenn ich ihn jetzt einpacke, darf ich einchecken“, hatte Gil Ofarim im Video berichtet.

Den Vorwurf, den Vorfall inszeniert zu haben, verbittet sich der Sänger. „Ich arbeite in der Branche und ich mache sowas sicherlich nicht aus PR-Gründen. Ich habe Familie, ich habe Kinder, ich hatte aber auch eine Großmutter, die waren zu acht und nicht alle kamen durch den Zweiten Weltkrieg. Über diese Themen macht man weder irgendwelche Videos oder Witze, aber das ist das Alltägliche womit wir Juden in Deutschland zu kämpfen haben“, wird Ofarim von watson.de zitiert.

Der Musiker Gil Ofarim soll in einem Leipziger Hotel antisemitisch beleidigt worden sein. (Archivbild)

Gil Ofarim: Hotelkette Marriott „schockiert und betrübt“

Update vom Samstag, 09.10.2021, 9.30 Uhr: Die Hotelkette Marriott hat sich eigenen Angaben zufolge bei Sänger Gil Ofarim gemeldet. Man sei „schockiert und betrübt“ über die Antisemitismus-Vorwürfe, heißt es in einer am Freitagabend (08.10.2021) veröffentlichten Mitteilung. Das „The Westin Leipzig“, in dem sich der Vorfall ereignet haben soll, gehört zu der Hotelgruppe.

„Wir haben Kontakt zu Herrn Ofarim aufgenommen, um ihm unser tiefes Bedauern über seine Erfahrungen auszudrücken“, teilte Marriott International mit. Man nehme die Angelegenheit „sehr ernst“ und unterstütze die Ermittlungen. Darüber hinaus sei der betroffene Mitarbeiter „bis zum Abschluss der Ermittlungen beurlaubt“ worden.

Sänger Gil Ofarim erstattet Anzeige nach Antisemitismus-Vorfall in Leipzig

Update vom Freitag, 08.10.2021, 10.00 Uhr: Gil Ofarim hat nun, wie bereits angekündigt, Strafanzeige gegen den Hotelmitarbeiter des Westin-Hotels in Leipzig gestellt, der ihn aufgrund seiner jüdischen Religion diskriminiert haben soll. Das berichtete seine Managerin gegenüber RTL. Damit reagiert der Sänger auf die Anzeige des Mitarbeiters, der ihm Verleumdung vorwirft. Ofarim erklärte bei Stern TV, dass ihn sein Anwalt zu der Anzeige geraten habe.

„Er wird am Dienstag in München nicht nur als Zeuge bei der Polizei aussagen, sondern auch persönlich Anzeige erstatten, wegen aller in Betracht kommender Delikte“, so seine Managerin.

Am Montag (04.10.2021) schilderte Sänger Gil Ofarim einen antisemitischen Vorfall in einem Leipziger Hotel. (Archivfoto)

Nach Antisemitismus-Vorwürfen: Hotel-Gast widerspricht Gil Ofarims Aussagen

+++ 10.00 Uhr: Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Mitarbeiter eines Leipziger Hotels will der Betrieb eigenständige Nachforschungen anstellen. Das Hotel habe begonnen, alle Gäste, die Zeugen des Vorfalls um den Sänger Gil Ofarim gewesen sein könnten, zu befragen, sagte Hotelmanager Andreas Hachmeister der Leipziger Volkszeitung (Donnerstag). „Wir haben aber inzwischen auch alle Gäste kontaktiert, die in der Schlange hinter Herrn Ofarim standen und etwas von dem Vorfall mitbekommen haben müssten.“

In den nächsten Tagen wolle Hachmeister die Ergebnisse öffentlich machen. Ein Gast habe sich von sich aus an die Hotelleitung gewandt. „Er hat uns gesagt, es stimme alles nicht, was in dem Video zu hören ist“, sagte der Geschäftsführer.

Update vom Donnerstag, 07.10.2021, 8.15 Uhr: Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ein Leipziger Hotel hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) eine schärfere Ahndung judenfeindlicher Beleidigungen gefordert. „Antisemitismus darf nicht kleingeredet werden und sollte generell unter Strafe gestellt werden“, sagte DIG-Präsident Uwe Becker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). „Der Strafbestand der Volksverhetzung greift oft nicht weit genug, um beispielsweise Beleidigungen strafrechtlich zu verfolgen.“

Gil Ofarims Antisemitismus-Vorwürfe: „Westin“-Hotel engagierte offenbar Security aus rechter Szene

+++ 20.39 Uhr: Nachdem Gil Ofarim den Antisemitismus gegen ihn öffentlich gemacht hatte, haben sich am Dienstagabend (05.10.2021) hunderte Menschen vor dem Leipziger Westin-Hotel versammelt, um gegen Antisemitismus zu demonstrieren. Wie t-online berichtet, hat das um ein gutes Image bemühte Hotel eine Leipziger Sicherheitsfirma mit Verbindungen in die rechte Szene engagiert. Diese sollte das Gebäude vor der Demo absichern. Das „Pro-GSL“ genannte Unternehmen wird von Personen geleitet, die tief in der rechten Szene verankert sind.

Einer ihrer Geschäftsführer, Tobias B., soll im Januar 2016 beim sogenannten „Sturm auf Connewitz“ dabeigewesen sein. 250 Neonazis fielen damals in den als linksalternativ bekannten Leipziger Stadtteil ein, zertrümmerten mit Äxten und Eisenstangen Scheiben, zündeten einen Sprengsatz in einem Dönerimbiss und zerstörten 19 Autos. Auch bedrohten und verletzen sie Menschen und hinterließen verwüstete Geschäfte.

Mitarbeiter:innen des Hotels „Westin“ wollten mit einem Banner ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen.

Tobias B. wurde im März 2021 zu elf Monaten auf Bewährung und 2500 Euro Geldstrafe verurteilt. Dazu sage er vor Gericht, er habe den Linken zeigen wollen, „dass Connewitz nicht nur ihnen gehört“. Auch behauptete er, bloß dabei gewesen zu sein und selbst nicht zugeschlagen zu haben. Der andere „Pro GSL“-Geschäftsführer, Oliver R., soll unter anderem Ordner bei Veranstaltungen des Leipziger Pegida-Ablegers Legida gewesen sein.

Gil Ofarim: Anzeige von Hotel-Mitarbeiter – Fehlende Entschuldigung sorgt für Frust

+++ 14.30 Uhr: Nach einem mutmaßlich antisemitischen Vorfall im Leipziger Westin-Hotel hat sich der Zentralrat der Juden in Deutschland enttäuscht über eine fehlende offizielle Entschuldigung des Hotels gezeigt. Dem Musiker Gil Ofarim soll nach eigenen Angaben am Montagabend (04.10.2021) das Einchecken in das Hotel verwehrt worden sein, weil er eine Kette mit Davidstern trug. In sozialen Netzwerken berichtete der 39-Jährige, dass Mitarbeiter gerufen hätten: „Pack deinen Stern ein!“, und „Packen Sie Ihren Stern ein.“

„Wir sind mehr als irritiert, dass eine deutliche Entschuldigung des Hotels gegenüber Gil Ofarim bisher ausgeblieben ist“, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Mittwoch (06.10.2021) in Berlin. Zugleich kritisierte er ein Banner, das vor dem Hotel bei einer Demonstration am Dienstagabend gezeigt wurde. „Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken“, erklärte Schuster. Und dass, obwohl die Leipziger Synagoge fußläufig vom Hotel entfernt liege. „Offenbar gibt es im Westin Grand in Leipzig wenig Bewusstsein dafür, dass Juden Teil der deutschen Gesellschaft sind“, kritisierte Schuster.

Antisemitismus-Vorwürfe als Verleumdung: Hotel-Mitarbeiter zeigt Gil Ofarim an

+++ 11.30 Uhr: Im Zusammenhang mit den Antisemitismus-Vorwürfen in einem Leipziger Hotel hat der beschuldigte Mitarbeiter nun Anzeige wegen Verleumdung gestellt. Der Mann schildere den Vorfall mit dem Künstler Gil Ofarim „deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers“, sagte Polizeisprecher Olaf Hoppe am Mittwoch.

Der Hotelangestellte habe zudem noch eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert hätten. Außerdem sei bei der Polizei eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig und die Kriminalpolizei hätten sämtliche Ermittlungen aufgenommen, sagte Hoppe. „Nun gilt es abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben und was tatsächlich an dem Tag geschehen ist.“ Gil Ofarim habe bislang keine Anzeige erstattet.

„Nicht die Klappe halten“: Gil Ofarim erhebt Antisemitismus-Vorwürfe - und erhält keine Entschuldigung

+++ 10.15 Uhr: Der Musiker Gil Ofarim hätte sich bei dem von ihm geschilderten antisemitischen Vorfall in einem Leipziger Hotel Unterstützung von anderen Gästen gewünscht. Niemand um ihn herum habe etwas gesagt, als ein Hotelmitarbeiter ihn aufgefordert habe, seinen Davidstern an einer Kette abzunehmen, sagte Ofarim am Mittwoch Bild TV. Der 39-Jährige hatte nach dem Vorfall am Montagabend ein Video vor dem Eingang des „Westin-Hotels“ aufgenommen und es am Dienstag auf Instagram gepostet. 

„Es ist nicht der erste Vorfall in meinem Leben, in dem ich konfrontiert worden bin mit Fremdenhass, mit Antisemitismus. Aber ich glaube: Es war einmal zu viel“, sagte Ofarim. „Ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Ich finde, man soll einfach nicht mehr die Klappe halten und das über sich ergehen lassen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass ich nicht alleine gewesen wäre in dem Moment, und hätte mir gewünscht, dass andere Gäste das vielleicht mitgehört hätten.“

Eine Entschuldigung von dem Hotel habe er bislang nicht erhalten. „Mein Management hat nur eine E-Mmail bekommen, dass man sich mal austauschen wollen würde, mal reden. Aber ich habe weder eine Stellungnahme bekommen zu diesem Fall, ich habe keine Entschuldigung bekommen, gar nichts!“

Gil Ofarim: Antisemitismus-Vorwürfe gegen Leipziger Hotel - Westin reagiert

+++ 7.30 Uhr: Die Stellungnahme des Hotels Westin Leipzig zur antisemitischen Beleidigung von Gil Ofarim sorgt weiterhin für Ärger. „Unser Ziel ist es, alle unsere Gäste und Mitarbeiter zu integrieren, zu respektieren und zu unterstützen, unabhängig welcher Religion sie angehören“, heißt es in der Stellungnahme. „Wie du es mit einer Stellungnahme zu einem antisemitischen Vorfall einfach noch schlimmer machst. Ihr tut alles, Jüd*innen zu „integrieren“? Weil Jüd*innen integriert werden müssen? Really?“, reagiert darauf ein Nutzer auf Twitter.

Nutzer:innen irritiert auch, dass Mitarbeiter:innen des Hotels auf Instagram ein Foto gepostet hatten, das sie mit Israel-Flagge und Halbmondsymbol zeigen. „Was soll dieser Banner, @westin ? Eine angemessene Reaktion sieht anders aus! #Antisemitismus“, fragt etwa der Zentralrat der Juden in Deutschland.

Gil Ofarim: Antisemitismus-Vorwurf gegen Angestellte eines Leipziger Hotels

Update vom Mittwoch, 06.10.2021, 4.30 Uhr: Nach dem Vorfall um den Musiker Gil Ofarim in einem Leipziger Hotel haben am Dienstagabend (06.10.2021) Hunderte Menschen an einer Kundgebung vor dem Gebäude teilgenommen. Die Veranstaltung mit etwa 400 Menschen sei friedlich und ohne Störungen verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Die Polizei habe das Video, in dem der Musiker von antisemitischen Vorkommnissen im Hotel berichtet, gesichert und der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Ob Ofarim Strafanzeige gestellt hat, war zunächst nicht bekannt.

Mehrere Leipziger Medien berichteten unterdessen, dass das Hotelmanagement „die betreffenden Mitarbeiter“ beurlaubt haben soll. Dabei wurde eine Hotelmanagerin mit den Worten, dass Antisemitismus nicht entschuldbar sei und in dem Hotel nicht geduldet werde, zitiert. Eine direkte Bestätigung war von dem Hotel am Dienstagabend zunächst nicht zu bekommen.

Gil Ofarim: „Unfassbarer“ Antisemitismus in Leipziger Hotel

+++ 17.00 Uhr: Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, bezeichnete die mutmaßliche antisemitische Anfeindung gegenüber Musiker Gil Ofarim im Leipziger Hotel Westin als erschreckend. Er hoffe, dass das Hotel personelle Konsequenzen ziehe, heißt es in der Stellungnahme auf Twitter. Schuster hoffe außerdem, dass Juden künftig auf Solidarität treffen, wenn sie angegriffen werden.

Nach antisemitischem Vorfall in Leipzig: Entrüstung und Solidarität mit Gil Ofarim

Der Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes sprach von einem „unfassbaren Fall von Antisemitismus“ und einem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). „Eine rasche Antwort des Hotels ist überfällig. Aus unserer Sicht kann das nicht folgenlos bleiben“, schrieb die Bundesstelle auf Twitter.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD*) schrieb bei Twitter, es mache ihn wütend, was Ofarim widerfahren sei. Er spreche für die übergroße Mehrheit der Menschen in Sachsen, wenn er sich stellvertretend für die antisemitische Demütigung entschuldige. „Wir haben noch viel zu tun in Sachsen!“ Auch Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) zeigte sich bei Twitter bestürzt. „Antisemitismus darf keinen Platz haben. Nicht offen, nicht verdeckt. Nicht in Sachsen, nicht in Deutschland, nirgendwo.“ Innenminister Roland Wöller (CDU*) hofft darauf, dass der Musiker Anzeige erstattet, damit der Vorgang polizeilich untersucht werden könne. „Sachsen ist ein weltoffenes Land“, betonte Wöller.

Antisemitische Diskriminierung von Gil Ofarim: Polizei und Hotel äußern sich

Olaf Hoppe, Sprecher der Leipziger Polizei, schätzte die mutmaßliche Aussage als „klar antisemitisch“ ein. Die Polizei werde die Inhalte des Videos an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, die eine strafrechtliche Relevanz prüfe. Je nach Ergebnis werde dann ermittelt. Die Polizei sei bei dem Vorfall nicht vor Ort gewesen, außerdem habe man bisher noch nicht mit Gil Ofarim gesprochen, teilte Hoppe mit.

Das Westin Hotel in Leipzig sei besorgt über den Bericht und nehme die Angelegenheit extrem ernst, teilte ein Sprecher mit. Das Unternehmen versuche, Ofarim zu kontaktieren, um herauszufinden, was passiert sei. Ziel sei es, alle Gäste und Mitarbeiter unabhängig von ihrer Religion einzubeziehen, zu respektieren und zu unterstützen.

„Pack deinen Stern ein“: Gil Ofarim berichtet von Antisemitismus in Leipziger Hotel

Erstmeldung von Dienstag, 05.10.2021, 13.00 Uhr: Leipzig – „Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt“, fragt Musiker Gil Ofarim in einem Instagram-Post. In dem dazugehörigen Video erhebt der 39-Jährige schwere Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter des Lepiziger Hotels Westin. Ofarim soll antisemitisch beleidigt worden sein.

In einem etwa zweiminütigen Instagram-Video schildert der aufgelöst wirkende Ofarim, wie er am Montag (4.10.2021) versuchte in das Hotel in Leipzig einzuchecken. Wegen Computerproblemen sei die Schlange lang gewesen. Immer wieder wurden jedoch Personen vorgezogen, während er warten müsste, berichtet der Musiker. Nach 15 Minuten sei er schließlich an der Reihe gewesen und habe den Mitarbeiter am Check-in gefragt, was denn das Problem sei. Der Mitarbeiter, den Ofarim im Video „Herr W.“ nennt, behauptete, er wollte die Schlange entzerren. Dabei ignorierte der Hotelmitarbeiter anscheinend, dass auch Gil Ofarim wartete.

Dann kam es laut Ofarim zum Antisemitismus-Vorfall* in dem Hotel: „Pack deinen Stern ein“, habe jemand aus einer Ecke gerufen. Dann habe auch der Hotelmitarbeiter gesagt: „Packen Sie Ihren Stern ein.“ Damit meinte der Mitarbeiter den Davidstern, den Ofarim an einer Halskette trug. „Dann sagte er, wenn ich ihn jetzt einpacke, darf ich einchecken“, erklärte Gil Ofarim im Instagram-Video und ringt sichtlich um Fassung. Der Musiker schließt das Video mit den Worten „Deutschland 2021“ ab.

Gil Ofarim berichtet von antisemitischer Beleidigung

Nach dem Bericht zum mutmaßlichen Antisemitismus-Vorfall in dem Leipziger Hotel erwäge der Musiker eine Strafanzeige gegen das Hotel, berichtet die Leipziger Volkszeitung. Ofarims Managerin schildert, der Musiker sei aufgelöst und sei in einem anderen Hotel untergekommen, so T-Online. Die Geschäftsführung des Hotels äußerte sich auf Anfragen mehrerer Medien nicht dazu.

Gil Ofarim ist Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim. Er wuchs in München auf. Ofarim berichtete bereits 2018 von seinen Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland. Er habe quasi sein Leben lang damit zu kämpfen gehabt. „Wir kultivieren in Deutschland eine Tradition des Wegsehens“, erklärte Gil Ofarim in der ARD-Sendung hart aber fair.

Anlässlich der Gewalt im Nahen Osten kam es kürzlich zu antisemitischen Angriffen* auf Synagogen in Deutschland. (lrg/as/ms/nak/tu mit AFP/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Tobias Hase

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