Gerüst für globales Abkommen als Ziel

Gipfel in Polen: Uhr für Klimavertrag tickt

Warschau. Am Montag startete in der polnischen Hauptstadt Warschau der Weltklimagipfel. Bis zum 22. November wollen Delegierte aus 190 Nationen ein Klimaabkommen vorbereiten, das bis 2015 endgültig verhandelt werden soll. Klimaexperten mahnen zur Eile, ein Erfolg ist ungewiss.

Es bleiben nur noch zwei Jahre. In Paris soll 2015 endlich ein weltweiter Klimavertrag vereinbart werden. So hat es die Staatengemeinschaft schon 2011 im südafrikanischen Durban beschlossen. Das Gerüst für das Abkommen wird seit Montag bei der 19. UN-Klimakonferenz in Warschau besprochen. Klimaschützer hoffen, dass dieser zweite Anlauf für das komplexe Vertragswerk nicht zu einem ähnlichen Reinfall wird wie der erste Versuch 2009 im dänischen Kopenhagen. Damals endete das Ringen um ein globales Klimaabkommen in einem Desaster.

Eine wichtige Vermittlerrolle kommt dabei Deutschland zu: Angela Merkel (CDU) könnte in ihrer dritten Amtszeit versuchen, wieder mehr die Klimakanzlerin zu geben, ist in Regierungskreisen zu hören. Eines ist klar: Ohne Vorkämpfer sind Blockaden nicht aufzulösen, ohne Gegensteuern droht künftigen Generationen ein anderer Planet.

Das Paris-Protokoll soll Ziele für alle 194 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention beinhalten und von 2020 an in Kraft treten. Beim bisher einzigen verbindlichen Instrument, dem Kyoto-Protokoll, machen außer den EU-Ländern nur wenige Staaten mit. Doch werden sich auch China, Russland und die USA in die Pflicht nehmen lassen? Wie sollen Klimaschutzziele verbindlich festgelegt werden? Im Kohleland Polen sollen bis 22. November Antworten gefunden werden.

Wegen der weiterhin enormen Öl- und Kohle-Vorkommen ist eine Trendwende bisher kaum zu erkennen, um die Erderwärmung auf noch beherrschbare zwei Grad zu begrenzen. Klimaforscher warnen vor vier Grad und mehr. Im Grunde hatte der Weltklimarat mit seinem vierten Report 2007 schon alles gesagt, was er Ende September im ersten Teil seines fünften Reports zum Großteil bestätigt und in Teilen sogar verschärft hat. Dass der Mensch Hauptursache für den Klimawandel ist, steht nun zu 95 bis 100 Prozent fest.

Die Realität ist trübe: Selbst in Deutschland hat sich trotz eines Ökostromanteils von inzwischen 25 Prozent der CO2-Ausstoß 2012 wieder erhöht, auch weil es bei viel Wind und Sonne billiger ist, alte Kohlemeiler durchlaufen statt sie abkühlen zu lassen. Gerade die schmutzige Braunkohleverstromung ist billig, da der Preis für CO2-Verschmutzungsrechte massiv gefallen ist. Daher sollen 900 Millionen Zertifikate im EU-Emissionshandel vom Markt zurückgehalten werden, um den Preis je ausgestoßener Tonne CO2 wieder zu steigern.

Inzwischen sind die EU-Staaten bereit, den CO2-Handel zu reformieren. Aber: Deutschland stemmt sich gegen schärfere CO2-Werte für Autos. Das stellt das Selbstverständnis als Vorreiter infrage. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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