Katharina Nocun (26) neue Parteimanagerin

Sie soll die Piraten retten 

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Die 26-jährige Katharina Nocun ist neue Parteimanagerin der Piraten

Neumarkt - Die 26-jährige Katharina Nocun ist neue Parteimanagerin der Piraten und Nachfolgerin von Johannes Ponader. Der gab sein Amt auf und entschuldigte sich bei seiner Partei.

Der scheidende Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader hat sich bei seiner Partei entschuldigt. „Wo ich etwas falsch gemacht habe, da möchte ich euch um Entschuldigung bitten“, sagte Ponader auf dem Parteitag in Neumarkt. Der 36-Jährige stand intern wegen Alleingängen und Führungsschwäche in der Kritik. Noch am Freitag sollte ein Nachfolger gewählt werden. Ponader warnte davor, die Partei hierarchisch zu führen. „Die Piratenpartei ist kein Unternehmen, sondern eine starke, selbstbewusste Bewegung.“ Auch könnten die Piraten nicht aus der Krise kommen, wenn „wir statt Debatten Shitstorms auslösen“. Ponader will nun wieder als einfaches Mitglied Basisarbeit machen.

Katharina Nocun neue Piraten-Managerin

Die 26-jährige Katharina Nocun aus Osnabrück (Niedersachsen), die Politik und Wirtschaftsinformatik studiert, wurde mit dem Traumergebnis von 81,7 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin Ponaders gewählt - dabei war die Abgabe mehrerer Stimmen erlaubt. Die mehr als 1000 Piraten in Neumarkt feierten ihre „kattascha“ (so lautet ihr Twitter-Name), die bis zur Bundestagswahl die Partei wieder in die Offensive bringen will. Sie sagt dazu: „Arsch aufreißen“.

Zum zweiten Mal nach der populären Marina Weisband haben die Piraten nun eine weibliche Geschäftsführerin. „Ich will keine Identifikationsfigur sein“, versuchte Nocun aber gleich Erwartungen zu dämpfen. Ihr Schwerpunkt ist der Datenschutz, wo sie gerade als eine Hauptbeschwerdeführerin eine Verfassungsbeschwerde gegen das Bestandsdatengesetz vorantreibt.

Den etablierten Parteien wirft die selbstbewusste Frau, die in Niedersachsen auf Platz 2 der Landesliste für den Bundestag kandidiert, „Etikettenschwindel“ vor. Die Piraten hätten die jüngste Mitgliederstruktur und wüssten, wie eine ganze Generation ticke.

Nocun will nun innere Strukturen und die Außendarstellung verbessern. Als Kritik an ihrem Vorgänger Johannes Ponader will sie das aber nicht verstanden wissen: „Ich habe großen Respekt davor, was er geleistet hat.“ Vor Kritik und den berüchtigten „Shitstorms“ im Netz fürchtet sie sich nicht. So etwas habe sie persönlich nie erlebt. Gegenseitiger Respekt sei wichtig, sagt die 26-Jährige.

Nocun will für den Einzug in den Bundestag kämpfen: „Wir müssen als Team verdammt noch mal zusammenarbeiten, die anderen vor uns hertreiben, denn sie haben es verdient.“

Für die Masterarbeit wird Katharina Nocun die nächsten Monate keine Zeit mehr haben: „Ich werde wohl ein Urlaubssemester einreichen.“

Eklat: Parteimitglied wechselt zur AfD

Zu einem kleinen Eklat kam es, als Christian Jacken, ein Kandidat für den Geschäftsführer-Posten, auf offener Bühne seinen Wechsel zur neuen Anti-Euro-Partei AfD bekanntgab. Er müsse dies tun, damit das „Euro-Betrugssystem“ beendet werde.

Parteichef Bernd Schlömer sieht in der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) keine direkte Konkurrenz. „Die Piraten schauen nach vorne, die AfD nach hinten“, sagte Schlömer im Deutschlandfunk. Der Berliner Abgeordnete Christopher Lauer kritisierte die Attacken gegen den eigenen Vorstand. „Wir müssen ein Klima hinbekommen, damit das Gremium mehr Unterstützung bekommt“, sagte er.

Beratung über Wahlprogramm

Ihr Wahlprogramm wollen die Netzaktivisten am Wochenende beraten. In Neumarkt in der Oberpfalz wollen viele Piraten auch die Weichen für mehr „Online-Demokratie“ stellen. So soll eine „ständige Mitgliederversammlung“ (SMV) im Netz aufgebaut werden, wo die Mitglieder permanent den Kurs der Partei bestimmen sollen. Dazu meinte der bayerische Spitzenmann Kramm: „Wer, wenn nicht wir, kann und muss die Werkzeuge zur politischen Online-Beteiligung ausprobieren?“

Die Piraten kämpfen seit Monaten mit sinkenden Umfragewerten. Anfang des Jahres scheiterten sie bei der Landtagswahl in Niedersachsen deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Das droht der jungen Partei, die sich für freies Internet, mehr Bürgerrechte und soziale Teilhabe einsetzt, auch am 22. September auf Bundesebene.

dpa

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