Christina sorgt für Frühling

14 Grad im Januar: Meteorologe erklärt, warum unser Winter so mild ist

Kassel. Es ist Frühling in Deutschland. Und das mitten im Winter. Selbst viele Vögel verzichten auf ihren Zug gen Süden und genießen die milden Temperaturen in den heimischen Parks und Gärten. Eine Folge des Klimawandels? „Nein“, sagt Udo Baum, Meteorologe und Diplom-Geologe vom Onlineportal wetter.net.

Während sich hierzulande die Hoffnung mehrt, dass der Winter womöglich komplett ausfällt, kämpfen die US-Amerikaner bei Temperaturen von bis zu 40 Grad minus gegen die schlimmste Frostwelle seit Jahren.

Udo Baum

Eine Folge des Klimawandels ist das aber nicht, sagt Meterologe Udo Baum. „Ein Blick auf die vergangenen 2000 Jahre zeigt eindeutig, dass es schon sehr viele Wetterschwankungen dieser Art gab. Einzelne Winter waren so kalt, dass Meere und Flüsse zufroren, andere wiederum waren so mild, dass die Blumen blühten.“

Baum hat eine andere Erklärung für das verrücktspielende Wetter. „Das Sturmtief Christina zapft momentan warme Luft von den Kanaren an und lenkt sie durch kräftigen Wind zu uns. Dadurch kommen Temperaturen zustande, wie man sie sich sonst im März wünscht.“

Reiseziele für Wintersportler

Wintersportler haben es bei den milden Temperaturen momentan nicht leicht. Weniger Skigebiete als sonst haben ihre Abfahrten und Rodelbahnen geöffnet. Wo lässt es sich dennoch gut über die Pisten sausen? Ein Überblick:

Garmisch/Zugspitze

Schneehöhe: 140 cm; Schneequalität: griffig. Letzter Schneefall: 5. Januar 2014; Offene Lifte und Bahnen: 8/10.

Scheidegg (Allgäuer Alpen)

Schneehöhe: 90 cm; Schneequalität: griffig. Letzter Schneefall: 5. Januar 2014; Offene Lifte und Bahnen: 18/19.

Oberstdorf-Fellhorn

Schneehöhe: 60 cm; Schneequalität: griffig. Letzter Schneefall: 5. Januar 2014; Offene Lifte und Bahnen: 13/14.

Oberstdorf-Nebelhorn

Schneehöhe: 80 cm; Schneequalität: griffig. Letzter Schneefall: 5. Januar 2014; Offene Lifte und Bahnen: 6/6.

Garmisch/ Classic Gebiet

Schneehöhe: 60 cm; Schneequalität: griffig. Letzter Schneefall: 5. Januar 2014; Offene Lifte und Bahnen: 16/18.

Quelle: wetter.net

Stand: 9. Januar 2014.

Dass die Temperaturen in den nächsten Wochen weiter mild bleiben und der Winter womöglich tatsächlich ausfällt, bleibt abzuwarten.

Diese Frage ist auch für den Experten schwer zu beantworten. „Das kann sich sehr schnell ändern. Der großräumige Kaltluftausbruch in den USA wird die gesamte Luftdruckverteilung auf der Nordhalbkugel beeinflussen. Der Kältepol über dem hohen Norden hat dadurch die Möglichkeit, Europa und Asien näher zu rücken“, sagt der Wetterexperte. Damit könnte der gewaltige Kälteeinbruch in den USA indirekt auch für den Winter hierzulande den Weg ebnen, vermutlich aber weit weniger dramatisch.

„Die Trends deuten eher daraufhin, dass es vorerst mild bleibt. Allerdings sinken die Temperaturen mit Beginn der kommenden Woche leicht ab. Mit Temperaturen von acht Grad lässt es sich aber trotzdem gut aushalten“, sagt Baum.

Solch einen milden Januar gab es in der Region Kassel zuletzt 1999. Mit 13,3 Grad wurde am 5. Januar 1999 der wärmste Wert für Kassel seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen, erinnert sich Baum. Die Durchschnittstemperaturen für den Raum Kassel liegen in diesem Januar mit sechs Grad deutlich über dem Erwartungswert von null Grad. „Es ist gut möglich, dass der Rekordwert übertroffen wird“, vermutet Baum.

Stimmt also die Bauernweisheit „Ist bis Dreikönig kein Winter, so folgt auch keiner dahinter“? „Sie trifft mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent zu“, bestätigt Baum. Erfahrungswerte zeigten, dass der Januar meist mild blieb, wenn es bis zum Stichtag „Dreikönige“ keinen Hochwinter gab.

Von Daniel Göbel

Das sagen Experten

Matthias Eckel, Hessischer Bauernverband: „Wir sind nicht besorgt. Wenn es so warm bleibt, wäre das nicht schlimm für die Ernte. Problematisch wird es, wenn es jetzt richtig kalt wird ohne Schnee. Die Pflanzen sind nicht abgehärtet und würden erfrieren.“

Peter Hellmuth, Obermeister Zimmerer-Innung Kassel: „Hoffentlich bleibt es so mild. Jetzt können wir Restaufträge des vergangenen Jahres abarbeiten. Derzeit habe ich doppelt so viele Leute im Einsatz wie sonst im Januar. Das ist ungewöhnlich.“

Jörg Spitz, Professor für Nuklearmedizin, Uni Mainz: „Normalerweise sind wir während der dunklen und kalten Wintermonate träge und schlafen auch mehr. Viel Tages- und Sonnenlicht im Winter kann sich hingegen positiv auf unser Gehirn auswirken und uns aktiver werden lassen. Deshalb meine Empfehlung: rausgehen und die Sonne genießen.“

Sonja Lämmel, Deutscher Allergie- und Asthmabund: „Manche Pollenallergiker werden schon jetzt von Heuschnupfen geplagt. Sie sollten ihre antiallergischen Medikamente zu Hause haben und darauf achten, dass diese noch nicht abgelaufen sind.“ Durch den Frühling im Winter fliegen bereits in Teilen Deutschlands die ersten Haselpollen. (dag/nit/kle)

Mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Ausgabe.

Rubriklistenbild: © dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.