Kommentar von HNA-Nachrichtenredakteur Peter Klebe

Geplante Grenz-Kontrollen am Brenner: Verheerende Wirkung

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Österreich fürchtet Flüchtlingsströme aus Italien und will deshalb am Brennerpass Kontrollen und einen Zaun zur Grenzsicherung. Ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Peter Klebe

Es ist paradox: Gar nicht so wenige Deutsche befürworten Grenzkontrollen zum Schutz vor Flüchtlingsströmen. Wenn dadurch aber die gewohnte Rückreise aus dem sonnigen Italien unterbrochen wird, ist die Aufregung plötzlich riesengroß. Dabei sind die Auswirkungen für Touristen überschaubar. Es wird ein paar mehr Staus auf der Route geben, man muss mehr Zeit einplanen, aber es gibt Schlimmeres.

Viel schwerer wiegt das eigenwillige Verhalten Wiens für den Zusammenhalt in Europa und das ohnehin schwierige Verhältnis zu Italien. Rom fühlt sich einmal mehr allein gelassen, zu Recht. Seit Jahren sind hier schon Flüchtlinge gestrandet, und das nördliche Europa hat sich lange bequem zurückgelehnt. Rom kennt seine Pflichten, die Migranten zu registrieren und in Asylverfahren zu führen. Niemand darf, wie Wien es nun tut, unterstellen, dass der Wille und die Mittel dazu fehlen, wenn mehr Migranten kommen.

Im Übrigen ist der Brenner nicht irgendein Pass. Er ist seit Jahrhunderten eine der wichtigsten Routen zwischen Nord und Süd, zwischen Bergen und Meer, ein Bindeglied für Kulturen und Völker. Dass ausgerechnet hier ein Zaun errichtet werden soll, wirkt verheerend. Der italienische Volksmund sagt: Wenn der Brenner schließt, dann stirbt Europa. Vielleicht etwas übertrieben, aber im Kern wahr.

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