Grenze ist nach oben offen

Hohes Unfallrisiko: Junge Fahrer zahlen mehr für Kfz-Police - Spartipps

Kassel. Das Alter wirkt sich nicht nur bei Senioren auf die Höhe der Kfz-Police aus. Auch für Fahrer bis Mitte 20 spielt das Alter eine entscheidende Rolle bei der Berechnung der Beitragshöhe. So begründen Versicherungen den „Juniorenzuschlag“ und Spartipps für Fahranfänger.

Der Oktober ist noch keine drei Wochen alt, da zählt die Polizei in Stadt und Landkreis Kassel schon neun Unfälle, an denen Fahrer zwischen 19 und 28 Jahren beteiligt waren: In mehreren Fällen waren sie zu schnell unterwegs. Dass viele junge Fahrer in Unfälle verwickelt sind, belegen auch die Statistiken der Polizei für Stadt und Landkreis und des Statistischen Bundesamtes für ganz Deutschland.

Die meisten Unfälle durch „nicht angepasste Geschwindigkeit“ wurden 2013 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vor allem von Fahrern zwischen 18 und 24 Jahren verursacht. Gut jeder vierte Unfall mit Verletzten oder Toten, gehe auf ihr Konto.

Hohe Risikobereitschaft

Die Versicherungen lassen sich dieses Risiko bezahlen. Fahranfänger zahlen so für die Kfz-Versicherung oft mehr als für den ersten Gebrauchtwagen. Allein die Haftpflichtversicherung kann die jungen Fahrer dadurch mehrere Tausend Euro im Jahr kosten. Einige Versicherungen berechnen Risikozuschläge von bis zu 230 Prozent des normalen Beitragssatzes.

Aus Sicht der Versicherer sind die jungen Fahrer unberechenbar: „Bei den Fahranfängern kommen zwei Probleme zusammen: Das Unerfahrenheitsrisiko und die extrem hohe Risikobereitschaft“, sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UDV). „Das zweite Problem gilt allerdings nur für junge Männer, aber auch bei Frauen besteht durch die Unerfahrenheit ein erheblich höheres Risiko.“

Doch sowohl Signal Iduna als auch die Huk Coburg sagen, dass sie keinen Risikoaufschlag für junge Fahrer erheben. „Das Alter ist in unserem Scoringtarif nur als eines von mehreren Tarifmerkmalen“, sagt Claus Rehse, Sprecher der Signal Iduna Versicherung. Ähnlich antwortet die Huk Coburg.

Und wie teuer darf die Kfz-Versicherung für Fahranfänger maximal sein? „Diese Frage ist nicht zu beantworten“, sagt Bianca Boss, Sprecherin vom Bund der Versicherten (BDV).

So kann man sparen:

Heike Lohrmann fühlte sich von ihrer Versicherung abgezockt. Die spricht von Missverständnis und gesteht Fehler ein. Foto: Nickoll

Möglichkeiten, bei der Versicherung für das erste Auto zu sparen, gibt es jedoch einige. So lohnt es etwa, ein Auto mit einer niedrigen Typenklasse zu kaufen. Fahranfänger können außerdem sparen, indem Eltern das Auto als Zweitwagen anmelden. Doch nicht immer lässt sich damit sparen. So erlebte es Heike Lohrmann (46) aus dem Landkreis Kassel. Ihre 26-jährige Tochter fährt nach Angaben der Mutter seit sieben Jahren unfallfrei – trotzdem zahlte sie mehrere Jahre lang einen Zuschlag von 260 zusätzlich zu den 436 Euro für die Vollkaskoversicherung, zusammen 696 Euro im Jahr. „Die Begrenzung bis zum 25. Lebensjahr gebe es nicht mehr“, habe man ihr beim Kundenservice gesagt.

Doch Lohrmann gab sich damit nicht zufrieden und harkte bei ihrer Versicherung, dem Metro Group Versicherungs-Service (MVS), die zum Direktversicherer Asstel gehört, nach. So fand sie heraus, dass sie zuviel zahlt. Würde sie für die Kfz-Versicherung jährlich zahlen, kostete sie die Versicherung nur 513 Euro – 183 Euro oder 23 Prozent weniger. Aber konnte das sein?

Nach mehreren Gesprächen mit ihrer Versicherung stellte sich heraus, dass das ein Missverständnis war und ein Fehler gemacht wurde. Sie solle den zuviel gezahlten Beitrag zurückbekommen. Und müsse künftig 596 Euro Jahresbeitrag zahlen, berichtet Heike Lohrmann.

Von Nina Nickoll

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.