Grenzen von Grenzwerten: Die politische Debatte um Fahrverbote

Alles halb so schlimm mit dem Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft: In diese Richtung argumentieren unter anderem die AfD, laut ARD Bayerns kommender Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und jüngst auch die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

„Solange die Werte an so manchem Arbeitsplatz zwanzigmal so hoch sind, wie auf der Straße, kann etwas nicht stimmen“, meint Jochen Knake, Vorsitzender des VhU-Verkehrsausschusses.

Der NO2-Grenzwert für die Außenluft liegt in der EU seit 2010 bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt (mit 18 erlaubten Stundengrenzwerten von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft). Basis dafür sind Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) erlauben bei manchen Arbeitsplätzen in Industrie oder Handwerk – etwa beim Stahlkochen und Schweißen, in Autowerkstätten oder beim Tunnelbau 950 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Diese Marke zielt auf gesunde Erwachsene, fünf Tage pro Woche maximal acht Stunden pro Tag. Beim Umgang mit Gefahrstoffen sind außerdem Schutzmaßnahmen zu treffen.

Dass derartige Grenzwerte für spezielle Arbeitsbereiche deutlich höher liegen als für die Allgemeinbevölkerung, gilt etwa auch für strahlenexponierte Personen: Piloten, Akw-Personal, Radiologen. Sie erhalten laut Umweltbundesamt (UBA) „zusätzlich eine arbeitsmedizinische Betreuung, befinden sich somit unter einer strengeren Beobachtung als die Allgemeinbevölkerung“. Um Jobs im Büro, wie es verschiedentlich hieß, geht es bei TRGS-Werten nicht.

Weiterer entscheidender Unterschied: Dem Stickstoffdioxid in der Außenluft sind bei schwankenden Konzentrationen hingegen alle Menschen rund um die Uhr ausgesetzt – also auch Kinder, Schwangere, alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma, „die zum Teil wesentlich sensibler auf Umwelteinflüsse reagieren als Gesunde“, stellt das UBA klar.

Grundlage von Grenzwerten für Schadstoffe in der Außenluft seien deren langfristige, über Jahrzehnte hinweg in Studien beobachteten gesundheitlichen Auswirkungen „auch für empfindliche Personengruppen und empfindliche Zeiträume des Lebens“. Studien zu Arbeitsplatzgrenzwerten sind laut UBA „nicht immer langfristig angelegt“.

Rubriklistenbild: © dpa

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