Fragen und Antworten zum Thema

Grenzwerte bleiben tabu: Deutschland gegen strengere Regeln bei Bio-Ware

Bananen aus biologischem Anbau: Die Nachfrage nach Obstprodukten ist hoch.

Deutschland hat sich mit seiner Linie durchgesetzt, keine Grenzwerte für Schadstoffe bei Bio-Lebensmitteln einzuführen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Worum geht es bei der Reform der Öko-Regeln?

Wer Bio kauft, kann mehr erwarten. Entsprechend streng sollten die Regeln für diese Waren sein – mit diesem Grundgedanken hat die EU-Kommission im Frühjahr 2013 eine Reform der Gesetzgebung für den Ökolandbau vorgeschlagen. Stolperstein aus deutscher Sicht ist vor allem die Diskussion um spezielle Schadstoff-Grenzwerte für Ökoprodukte. Beim Treffen der EU-Landwirtschaftsminister gestern in Brüssel setzte sich die deutsche Linie durch, nach der es weiterhin keine solchen Grenzwerte geben soll. In Belgien und Italien ist das anders. Die dortigen Grenzwerte gelten noch bis 2020, dann müssen sie auslaufen.

Warum will Deutschland keine strengeren Grenzwerte? 

Die Bundesregierung befürchtet, dass extrastrenge Grenzwerte das Wachstum der Bio-Branche abwürgen könnten. Denn die Kosten für die Analysen würden die Produktion unverhältnismäßig verteuern, heißt es. Für Spuren von Pflanzenschutzmitteln gelten die gleichen Grenzwerte wie bei allen anderen Lebensmitteln auch. Speziell überprüft wird bei Bio-Produkten, ob ein Landwirt nach ökologischen Standards arbeitet.

Sind Bio-Lebensmittel dennoch weniger mit Schadstoffen belastet? 

Ja. Das soll nach dem gestrigen Kompromiss weiterhin durch sogenannte Prozesskontrollen sichergestellt werden. Dabei werden Betriebe unter die Lupe genommen, die ökologische Lebensmittel herstellen oder verarbeiten. Sie sollen mindestens einmal im Jahr stattfinden, so die Minister.

Was sagen die Erzeuger und Händler zum Thema Grenzwerte? 

Der deutsche Spitzenverband der Branche, der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), teilt die Sorge der Bundesregierung und nennt die Pläne ein „Bio-Schrumpfungsprogramm“. Es könne außerdem nicht sein, dass Ökolandwirte den Pestizid-Einsatz auf angrenzenden Feldern ausbaden müssten, meint Geschäftsführer Peter Röhrig. „Dann würde ein Bio-Bauer sein Produkt nicht mehr als Bio vermarkten können, weil sein Nachbar gespritzt hat.“

Wie geht es der Bio-Branche? 

Der Ökolandbau ist auf dem Vormarsch. Ende 2014 waren nach Daten des BÖLW 8,4 Prozent aller deutschen Agrarbetriebe Bio. Gemeinsam bewirtschafteten sie 6,5 Prozent der Anbaufläche und erlösten 2013 insgesamt 1,58 Milliarden Euro, 3,5 Prozent der Gesamteinnahmen der deutschen Landwirtschaft. Europaweit ist Deutschland in absoluten Zahlen einer der wichtigsten Erzeuger. Vom erklärten Ziel der Bundesregierung, Ökolandbau auf jedem fünften Hektar Land, ist die Branche weit entfernt.

Wie kommt Bio bei den Verbrauchern an? 

Zunehmend gut. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov greift jeder Zweite zumindest gelegentlich zu Bio-Produkten. Vor allem Obst, Gemüse und Eier werden laut Ökobarometer 2013 gekauft. „Der Markt wächst, aber die Landwirte stellen nicht genug her“, sagt der Grüne Martin Häusling (Bad Zwesten/Schwalm-Eder-Kreis).

Das sagen Biosiegel

Jeder zweite Deutsche greift zumindest gelegentlich zu Bio-Produkten. Eine Auswahl der verschiedenen Siegel.

EU-Bio-Logo: Das grüne Logo mit zwölf weißen Sternen, die ein Blatt formen, soll dem Verbraucher zeigen: Hier steckt ein zertifiziertes Bioprodukt drin. Alle verpackten Bio-Lebensmittel aus der Europäischen Union (EU) müssen mit dem Logo gekennzeichnet sein. Das zweite politische Gütesiegel ist das deutsche Bio-Siegel - ein grün umrandetes Sechseck. Dessen Abdruck ist freiwillig.

Demeter: Anders als von der EU Öko Verordnung vorgeschrieben, darf der Betrieb nicht nur teilweise auf bio umstellen - er muss es komplett machen. Auf Demeter-Höfen muss es auch Tiere geben. Für deren Haltung gelten verschiedene Regeln, beispielsweise dürfen Rinder nicht enthornt werden.

Biokreis: Biokreis-Produkte müssen von Betrieben stammen, die komplett ökologisch wirtschaften. Der Zukauf von Dünger und Futter ist begrenzt, die Tiere auf Biokreis-Höfen müssen zu mindestens 50 Prozent Grünfutter bekommen.

Naturland: Auch bei Naturland ist es nicht erlaubt, einen Betrieb nur teilweise auf Bio umzustellen. Außerdem muss beispielsweise 50 Prozent des Futters vom eigenen Hof stammen.

Bioland: Produkte, die das dunkelgrüne Bioland-Logo tragen, müssen aus einem komplett biologisch bewirtschafteten Betrieb stammen. Beispielsweise die Zahl der Tiere pro Hektar oder die Menge des eingesetzten Stickstoffdüngers sind begrenzt. Bioland-Produkte dürfen nur 23 Zusatzstoffe enthalten - bei EU-Bio-Lebensmitteln sind es 47. (dpa/afp)

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