Verträge gelten, kein Grund für Stornierungen

Griechenlandkrise: Antworten auf die Leserfragen

Die Griechenland-Krise an sich ist kein Storno-Grund. Aber Reisende sollten die Entwicklung im Auge behalten. Unser Foto zeigt eine alte Windmühle auf Kreta. Foto: dpa

Alles schon gesagt oder gelesen zur Griechenkrise? Bei weitem nicht, das ergab der Aufruf an unsere Leser auf Facebook und www.hna.de: Was wollen Sie über die Griechenkrise wissen? Was soll die Redaktion für Sie recherchieren? HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa hat Ihre Fragen beantwortet.

Katha K.: Wir wollten im September Urlaub in Griechenland machen. Sollten wir auf ein anderes Land ausweichen? 

Hier sammelten wir Ihre Fragen:

Griechenland und die Folgen - wir recherchieren Ihre Fragen

Die Reisebranche - so etwa der Deutsche Reiseverband, die Reisebürokette DER und das größte europäische Touristikunternehmen TUI - zeigte sich gestern entspannt. Das liegt aber auch im Interesse der Anbieter. Deren Angaben zufolge können Griechenland-Touristen ihre Rechnungen mit Kreditkarten bezahlen, sollten aber wegen eventuell leerer Bankautomaten deutlich mehr Bargeld als sonst mitnehmen - was Kriminelle vor Ort erfreuen dürfte. Die Lage in Griechenland ist derzeit so unübersichtlich, dass auch Benzinmangel an Tankstellen und Folge-Probleme nicht ausgeschlossen werden können. All dies hängt von der Entwicklung der nächsten Tage ab. Sollte Griechenland zur Einführung einer eigenen Währung gezwungen sein, ist laut dem Ökonom Hans-Werner Sinn in den nächsten ein, zwei Jahren mit einem erheblichen Lohn- und Preisverfall in in dem Land zu rechnen. Der Urlaub dort würde deutlich billiger werden.

Dieter R.: Was ist, wenn ich „All inclusive“ gebucht habe, das Hotel dann aber nicht mehr an Ware kommt? 

Dann kann wegen Schlechtleistung der Vertrag mit dem Veranstalter gekündigt oder eine Minderung des Preises verlangt werden. Generell ist die Krise allein aber kein ausreichender Grund, geschlossene Verträge zu kündigen.

Sabine H.: Wie sollen die knapp 90 Milliarden Euro ausgeglichen werden, mit denen Deutschland für Griechenland haftet? 

Laut dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger wird es - Stand jetzt - erst einmal keine zusätzlichen Belastungen für den deutschen Steuerzahler geben. Die deutschen Kredite für Athen wurden zur weiteren Entlastung Griechenlands schon längst bis weit in die 2020er Jahre hinein gestreckt. Was dann ist, wird man sehen. Finanzielle Hilfen wird es allerdings weiter geben müssen. Schon aus humanitärer Sicht kann man ja nicht zulassen, dass etwa die medizinische Versorgung in Griechenland zusammenbricht, weil sich nur noch Reiche die Einfuhr von Medikamenten leisten können.

Roland E.: Wer zahlt unsere Steuergelder zurück?

Laut Ökonom Sinn flossen jene etwa 330 Milliarden Euro, die Griechenland seit Ausbruch der Krise 2010 als Hilfen, Kredite und Bürgschaften erhalten hat, etwa zu einem Drittel zurück an Banken und andere Geldgeber. Das zweite Drittel finanzierte den Lebensstandard der Griechen. Das dritte Drittel wurde auf ausländischen Konten oder sonstwo privatisiert. Der Löwenanteil dürfte für die Geldgeber weg sein, am spürbarsten für die Steuerzahler wohl durch die Verluste der Europäischen Zentralbank. Diese Verluste führen zu geringeren Zuweisungen der Bundesbank an den Bundeshaushalt.

Simone M.: Welche Auswirkungen hat das Griechenlanddrama auf die Altersvorsorge von Arbeitnehmern? 

Erhebliche Auswirkungen. Denn um den Krisenländern die Schuldenlast erträglicher und die Neuverschuldung billiger zu machen, hat die Europäische Zentralbank durch starke Markteingriffe die Zinsen fast auf Null gesenkt. Das zerstört nebenbei zahllose Sparpläne, etwa für die Altersversorgung. Doch die Nullzins-Politik gefährdet auch das Geschäft großer Versicherungsgesellschaften. Sie können ihre Ertragsversprechen nicht mehr erwirtschaften. Der Weg über riskantere Geldanlagen ist ihnen aber auch gesetzlich verboten.

Haben auch Sie Fragen? Schreiben Sie uns:  nachrichten@hna.de

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