Kommentar zu Griechenland: Der Schuldenschnitt kommt - so oder so

Ein Schuldenschnitt ist ausgeschlossen. Die konstruktive Bearbeitung der griechischen Schulden allerdings nicht. Genau dazu wird es kommen. Ein Kommentar von unserem Brüsseler Korrespondenten Detlef Drewes.

Der Internationale Währungsfonds ist da nur vorgeprescht. Die Äußerungen anderer Euro-Staats- und Regierungschefs gehen in die dieselbe Richtung. Sie alle wollten schon während der Verhandlungen um ein drittes Hilfspaket keine Lösung, die nur ein paar Monate hält, sondern einen dauerhaften Ausweg aus den hellenischen Problemen. Der ist ohne Eingriff in den Schuldenberg nicht denkbar. Dass man sich dabei des Tricks längerer Laufzeiten und niedrigerer Zinsen bedienen wird, ist absehbar. Je mehr Zeit Athen bekommt, um seine Darlehen zurückzuzahlen, umso geringer wird der Wert künftiger Zahlungen. Vereinfacht gesagt: Mit 50 Euro kann man sich heute mehr kaufen als in 50 Jahren. Dieses Prinzip dürfte man nutzen. Alle Beteiligten werden ihr Gesicht wahren können. Jeder kann betonen, man habe nicht nachgegeben. Und trotzdem sinkt die Schuldenlast erheblich. Das zählt. Die Frage bleibt allerdings, ob die Euro-Regierungen diese Tricksereien auch Zuhause verkaufen können, ohne dass ihnen jener Wortbruch vorgeworfen wird, den sie begehen.

Nicht nur für die Bundesregierung war das dritte Hilfspaket bereits ein großes politisches Risiko, weil die öffentliche Zustimmung zur Sanierung Griechenlands schwindet. Auch andere Euro-Regierungen müssen sich längst schwere Vorhaltungen von Wählern und Opposition anhören. Wenn jetzt noch Schummeleien an den aufgelaufenen Schulden dazu kommen, wird die Hilfe für Athen endgültig zum politischen Überlebensrisiko. Das ist auch der Bundesregierung bewusst, die sich in dieser Frage nur allzu gerne hinter der harten Linie des Bundesfinanzministers versteckt hat. Tsipras weiß, dass die Zeit für ihn günstig ist. Nach dem offenen Eintreten des IWF für Schuldenerleichterungen will er die Europa-Abgeordneten in den Kreis der Geldgeber holen - auch in der Volksvertretung der EU gibt es viele Stimmen, die für einen Schuldennachlass eintreten. Die Neuwahlen in Athen kommen deshalb für die Pläne des griechischen Premiers zum richtigen Zeitpunkt. Mehr noch: Sie sind eine kalkulierte Aktion auf dem Weg zu dem Ziel, das Tsipras immer verfolgt hat.

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