Kommentar zur Griechenland-Wahl: Hier, Tsipras, spring!

Hic Rhodus, hic salta! Auf eine Fabel des altgriechischen Dichters Äsop geht dieses geflügelte Wort zurück, übersetzt: „Hier ist Rhodos, hier spring!" In eben dieser Situation ist jetzt Linken-Chef Alexis Tsipras, meint HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Mit solchen Worten aufgefordert von seinen genervten Zuhörern wird in der Äsopschen Fabel ein Fünfkämpfer. Der hatte zu oft damit angegeben, wie weit er springen könne. Allerdings nicht jetzt. Nicht hier. Ein andermal. Anderswo. Unter anderen Bedingungen.

Alexis Tsipras, der stolze Wahlsieger des gestrigen Abends, täte gut daran, sich seinen Äsop mal wieder vorzuholen. Denn er ist der prahlerische Fünfkämpfer.

Was hat Tsipras seinen Wählern nicht alles versprochen: 190 Milliarden Euro Schulden will er nicht zurückzahlen. Käme es so, müssten die Steuerzahler Europas herhalten. Vier Milliarden Euro will er in Projekte investieren. Zwei Milliarden sofort an Arme verteilen. Fünf Milliarden für einen „Beschäftigungsplan“. Und klar: Alles innerhalb der Eurozone, auch wenn Griechenland dort nur noch gegen scharfe Reformzusagen Geld geliehen bekam. Das Geld ist geflossen und verbraucht. Die Umsetzung der Zusagen schleppt sich hin.

Bei Äsop fällt der prahlerische Fünfkämpfer der Lächerlichkeit anheim und verliert jede Glaubwürdigkeit. In der europäischen Wirklichkeit von heute droht dieses Schicksal nicht dem Prahler, sondern seinem Publikum.

Schon wieder Kredite gegen neue Zusagen? Alles zurück auf Start? Unmöglich. Nein, jetzt muss sich zeigen, was der Wundermann wirklich kann. Hier spring, Tsipras!

Kontakt zum Autor: tpa@hna.de

Rubriklistenbild: © Schäfer

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