Gröhe: Keine Zahlengrenze bei Mindestlohn

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CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe

Leipzig - Mit einem Kompromiss in letzter Minute will die CDU offenen Streit über den anvisierten Mindestlohn auf ihrem Parteitag in Leipzig vermeiden. Doch es gibt unterschiedliche Interpretationen.

Die CDU-Spitze will auch bei einem flächendeckenden Mindestlohn regionale Ausnahmen unter dieser Marke zulassen. “Wir legen keine Zahlengrenze fest“, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe der Nachrichtenagentur dpa vor der für heute Abend geplanten Debatte über Lohnuntergrenzen auf dem CDU-Bundesparteitag in Leipzig.

Jene etwa zehn Mindestlöhne, auf die sich die Tarifpartner bereits geeinigt hätten, seien eine Orientierung für die künftig durch eine Kommission aus Gewerkschaften und Arbeitgebern festzulegenden Untergrenze. “Die kann in begründeten Ausnahmefällen vielleicht unterschritten werden müssen. Vielleicht wird sie deutlich drüber liegen“, sagte Gröhe. “Aber das soll nicht die Politik entscheiden. Da vertrauen wir wirklich der Klugheit von Gewerkschaften und Arbeitgebern.“

Offene Auseinandersetzung abgewendet

Die CDU hatte am Sonntagnachmittag überraschend ihren Streit um die Einführung von Mindestlöhnen beigelegt und so wohl eine offene Auseinandersetzung auf dem Parteitag abgewendet. Demnach soll es eine allgemeinverbindliche Lohnuntergrenze geben, die sich an einem Korridor der bisher etwa zehn ausgehandelten Mindestlöhne orientiert. Ausdrücklich wird festgehalten, dass die Kommission der Tarifpartner Einzelheiten und weitere Differenzierungen aushandeln kann.

Gröhe sagte der dpa: “Ich glaube nicht, dass es zu einem Flickenteppich kommt von ganz, ganz vielen Untergrenzen.“ Die Tarifparteien sollten eine Linie oder Ausnahmen festlegen. “Oder die sagen, wir machen drei Linien. Das finde ich, kann man wirklich denen überlassen.“ In der zurückliegenden Wirtschaftskrise hätten beide Sozialpartner bewiesen, “dass man das zusammenhalten kann, wirtschaftliche Vernunft und soziale Verantwortung“.

Mit Blick auf mögliche Einigungschancen mit dem kleinen Koalitionspartner FDP sagte Gröhe, es gebe dort durchaus ermutigende Stimmen. “Wir wollen jetzt erstmal unsere Meinung bilden, dann mit andern reden. Und salopp gesagt, dann kommt's entweder ins Gesetzesblatt oder ins Wahlprogramm.“

Fächendeckend auf regionaler Ebene

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) betonte, bei dem Kompromiss gehe es keineswegs um bundesweit flächendeckende Lohnuntergrenzen. Der Begriff flächendeckend sei auf regionale Ebenen bezogen. Auch Tarifabschlüsse würden größtenteils nicht bundesweit ausgehandelt, sondern in Regionen. Mit der Einigung seien “Regionalisierung und Differenzierung möglich“.

Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann, sagte der dpa, er sei mit dem Kompromiss einverstanden, weil es eine allgemeine und verbindliche Lohnuntergrenze geben solle. Er glaube nicht, dass es “jetzt eine Masse branchenspezifischer und regionaler Mindestlöhne“ geben werde. “Da steht Grenze drin und nicht Grenzen“, sagte er mit Blick auf die Kompromissformulierung. Auf alle Fälle werde es mit dieser Regelung nicht so viele Schlupflöcher in den Untergrenzen geben, “wie es sich einige wünschen“, sagte Laumann.

dpa

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