HNA-Kommentar

GroKo-Verlierer Sigmar Gabriel: Ein tragischer Fall

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Sigmar Gabriel geht leer aus.

Nach der Entscheidung von SPD-Chef Martin Schulz für den Außenministerposten hat Amtsinhaber Sigmar Gabriel mehrere anstehende Termine abgesagt. Ein Kommentar von Jörg S. Carl.

In diesen tollen Tagen fragt man einander gern: Als was gehst Du? Es ist Karneval, aber längst nicht allen ist zum Lachen zumute. Sigmar Gabriel ist so ein Fall, er geht als ein Garnichtsmehr. Im neuen Kabinett wird er keine Rolle mehr spielen, nicht mehr als Außenminister, nicht als Chef eines anderen Ressorts. Es heißt, er sei nun einfacher Abgeordneter oder werde in die Wirtschaft wechseln.

Man muss kein Gabriel-Freund sein, um seinen Fall tragisch zu nennen. Der ehemalige Parteivorsitzende hat den Sozialdemokraten auf deutsch gesagt einst den Allerwertesten gerettet, als die Partei nach der am Ende gescheiterten Schröder-Steinmeier-Müntefering-Ära programmatisch zerbröselt und personell ausgezehrt war. Er hat ihr - ja, oft auf rüde und polarisierende Art - allmählich neues Leben nach der verheerenden Niederlage bei der Bundestagswahl 2009 eingehaucht.

Nun wird er nicht mehr gebraucht. In der Politik ist Dankbarkeit ein sehr begrenztes Gut. In der SPD erst recht: Gabriel hat in der Partei sicher mehr Feinde als Freunde.

Hinzu kommt die bittere Ironie der Selbstentmachtung: Die Niederlage 2017 ist noch niederschmetternder ausgefallen als 2009, und derjenige, der dafür verantwortlich ist, beerbt Gabriel nun als Außenminister. Martin Schulz, jener Ritter von der traurigen Gestalt, der erst von Gabriel als Nachfolger inthronisiert wurde, belohnt sich zuguterletzt doch noch selbst. Er kann nun sein Verliererimage mit diplomatischen Weltreisen aufpolieren.

Gabriel hat bereits alle noch anstehenden Termine als amtierender Minister abgesagt - ein Hinweis darauf, dass das Zerwürfnis weit größer ist als ohnehin vermutet. Oder ist er bloß ein schlechter, schmollender Verlierer? Man kann das so sehen. Andererseits ist diese Haltung nachvollziehbar und konsequent: Wenn ihn die neue SPD-Spitze als überflüssigen Störfaktor empfindet, tritt er eben ab. Ohne Tusch, nur schnell weg.

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