Große Ziele, kleine Schritte

Kampf um Gleichberechtigung: Vor 96 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt

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Alte Forderung: Das Frauenwahlrecht wird auf diesem Plakat aus dem Jahr 1914 verlangt.

Kassel. Es hatte lange gedauert: Am 12. November 1918 verkündete der Rat der Volksbeauftragten im Zuge der Novemberrevolution, dass in Deutschland künftig auch Frauen wählen dürften. Der Kampf um Gleichberechtigung war damit aber noch nicht zu Ende.

Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit hatte die französische Revolution 1789 versprochen. Allerdings nicht für Frauen, wie diese schnell erkennen mussten. Auch wenn heute bei uns kein Ehemann seiner Frau mehr verbieten darf, arbeiten zu gehen - immer noch werden Frauen und Männer nicht gleich bezahlt, gibt es in den Führungsetagen viel weniger Frauen, ist die Gleichberechtigung der Geschlechter offenbar noch nicht erreicht.

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Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galten für Frauen europaweit Tugend, Sittsamkeit und Fleiß als Lebensaufgabe. Abgeleitet wurde das von dem damals oft behaupteten „natürlichen Geschlechtscharakter“ der Frau. Demnach hatte sie keinen Subjekt-Status, galt nicht als mündiger Mensch und benötigte für vieles eine Vormundschaft des Vaters, Bruders oder Ehemanns.

Erst nach jahrzehntelangem Kampf um staatsbürgerliche Gleichstellung sollte sich dieser Zustand ändern. Nach einer ersten Welle der modernen Frauenbewegung kämpfen die Frauen Mitte des 20. Jahrhunderts für die grundsätzlichen Rechte der Frauen. Mit Erfolg:

• 1949 setzt die sozialdemokratische Abgeordnete Elisabeth Selbert durch, dass die Gleichberechtigung in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen wird. Artikel 3 lautet seither: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. In der Realität jedoch waren Frauen auch in den 1950er und 60er Jahren in vielem von Männern abhängig.

Vor 96 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt

• Erst 1958 wird das Recht des Ehemannes, ein Dienstverhältnis seiner Frau fristlos zu kündigen, aufgehoben. Das Letztentscheidungsrecht des Ehemannes wird ersatzlos gestrichen. Ab jetzt dürfen Frauen ohne Erlaubnis ihres Ehemannes den Führerschein machen.

Erst Anfang der 1970er Jahre startet dann die neue Frauenbewegung:

• 1970 hebt der DFB das Fußballverbot für Frauen auf.

• 1971 wird § 218 reformiert (Schwangerschaftsabbruch).

• Ab 1972 wird die Rentenversicherung auch für Hausfrauen geöffnet.

• 1977 wird das neue Eherecht eingeführt, die Verpflichtung der Frau zur Haushaltsführung abgeschafft.

• 1980 folgt die Verabschiedung des Gesetzes zur „Gleichbehandlung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz“.

Von Melanie Triesch 

Hintergrund

Vor 50 Jahren nahm in Deutschland die Frauenbewegung so richtig Fahrt auf. Aber noch immer fehlt viel. 

Noch immer verdienen Frauen in Deutschland deutlich schlechter als Männer. Im Westen ist die Lohnlücke größer als in den ostdeutschen Bundesländern. Die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen ist auch 2013 nicht kleiner geworden. So erhalten Frauen für ihre Arbeit insgesamt 22 Prozent weniger Geld, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der durchschnittliche Bruttolohn pro Stunde von Frauen lag bei 15,56 Euro, während Männer auf 19,84 Euro kamen. Im Westen ist die Lücke dreimal so hoch wie im Osten: Hier bekommen Frauen 23 Prozent weniger, in den östlichen Bundesländern ist die Differenz mit acht Prozent deutlich geringer.

Auch bei der Umsetzung einer verbindlichen Frauenquote für die deutsche Wirtschaft hakt es. Die oberen Etagen der Wirtschaft erweisen sich noch immer als fast frauenfreie Zone. Obwohl Mädchen statistisch bessere Schüler sind und die besseren Uni-Abschlüsse machen, gibt es in den Vorständen der größten Unternehmen nur 3,2 Prozent Frauen. Abschließende Beratungen des Gesetzesentwurfs von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) im Kabinett sind bislang stets vertagt worden. Führende Unionspolitiker hatten Zweifel an dem im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Vorhaben geäußert. (mel)

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