Drei Bergleute vor fünf Jahren gestorben

Neue Ermittlungen zum Grubenunglück in Unterbreizbach: Staatsanwälte graben nach

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Unterbreizbach. Am thüringischen Standort des Kasseler Kalikonzerns K+S waren vor fünf Jahren nach einem Gasausbruch drei Bergleute in 700 Metern Tiefe erstickt. Eine anonyme Anzeige stellt Fragen nach möglichen Verantwortlichen.

Eine anonyme Anzeige, die über Thüringens Landeskriminalamt eingegangen sein soll, hat Staatsanwälte in Meiningen die Akte Unterbreizbach wieder öffnen lassen. Am thüringischen Standort des Kasseler Kalikonzerns K+S waren am 1. Oktober 2013 nach einem riesigen Gasausbruch drei Bergleute in 700 Metern Tiefe gestorben – erstickt im Gas. Gibt es nun neue Hinweise, dass es doch strafrechtlich Verantwortliche für das Unglück gibt? Zumindest „spannende Fragen“ die man kläre, so die Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Nach einer Routinesprengung zur Kali-Gewinnung in der Grube war explosionsartig eine gewaltige Menge Kohlendioxid (CO2) aus dem Salz freigesetzt worden. Vier andere Bergleute eines Voraustrupps, der die Lage Untertage nach Sprengungen erkundete, konnten sich in Sicherheit bringen. „Es gibt keine Anhaltspunkte auf ein Verschulden Dritter“, sagte Oberstaatsanwalt Jochen Grundler, Sprecher der Meininger Anklagebehörde, drei Wochen später.

Und, als Ende 2014 die Ermittlungen eingestellt wurden: „Insbesondere war es für keinen der Verantwortlichen vorhersehbar, dass es zu einer Gasfreisetzung dieses Ausmaßes und dieser Intensität kommen würde.“ Damit rechnen muss der Kalibergbau: Ein CO2-Ausbruch im Schacht Merkers forderte 1938 elf Menschenleben. In Unterbreizbach tobten laut Unternehmen 40 Mio. Kubikmeter CO2 durch Strecken und Schächte, sieben Kilometer weit, mit Schallgeschwindigkeit.

Ein neues Gutachten kommt von der TU Bergakademie Freiberg, zu Details halten sich Beteiligte zurück. Hätten massive Stahltore aus Zeiten des DDR-Kalibetriebs, die einst einzelne Abschnitte der großflächigen Grube gegeneinander absperren konnten, unter K+S-Regie aber abgebaut wurden, das Unglück verhindert? Das könnte eine spannende Frage sein, ist laut K+S aber abgehakt. Diese Tore hätten in der Nähe der Schächte gegen Gasausbrüche eine Rolle gespielt. Die Explosion 2013 sei aber von einem weit entfernten Abbau gekommen, mit einer Wucht, die Technik Untertage, etwa Förderbänder, weggefegt habe. Der Ausbau der Tore sei im Übrigen von der Bergbehörde genehmigt, so K+S.

Die Anklagebehörde hofft, bis Juli klarer zu sehen. Hinter möglichen neuen Erkenntnissen stehe aber immer die Frage, ob sie strafrechtliche Bedeutung hätten, heißt es dort.

Mit Details halten sich alle Beteiligten extrem zurück. Neu ins Spiel kam nach Informationen unserer Zeitung mit der anonymen Anzeige aber die Frage, ob Verantwortliche im Berg im Vorfeld des Unglücks mit einem Bläser richtig umgegangen seien. Bläser heißen ungewollt angebohrte Gaseinschlüsse im Salz, die ausströmen, ohne dass gleich alles in die Luft fliegt. Es gibt laut Insidern die Hypothese, dieser Bläser wäre besser nicht zuzementiert, sondern beobachtet worden, und hätte so eventuell Warnsignale für den großen Knall vom 1. Oktober 2013 bringen können.

Dass Unterbreizbacher Voraustrupps die Sprengungen bei Schichtwechsel schon im Berg abwarteten, das wurde damals schnell abgestellt. Sie warten wie der Rest der Mannschaft seither Übertage.

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