Grüne: CSU weckt mit Obergrenze-Forderung falsche Erwartungen

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Grünen-Fraktionschef Hofreiter über Flüchtlings-Obergrenzen: "Zahlen-Spekulationen bringen keinen weiter. Sie sind sogar kontraproduktiv." Foto: Michael Kappeler/Archiv

Seehofer lässt die Katze aus dem Sack: Seine Partei will die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge auf 200 000 begrenzen. Die SPD kontert spöttisch: Will der CSU-Chef das mit Waffengewalt durchsetzen?

Berlin (dpa) - Die Forderung des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer nach einer konkreten Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen pro Jahr sorgt für Kritik beim Koalitionspartner SPD wie auch der Opposition.

"Zahlen-Spekulationen bringen keinen weiter. Sie sind sogar kontraproduktiv. Damit weckt Seehofer bewusst falsche Erwartungen, von denen er selbst weiß, dass sie nicht einzuhalten sind", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter den "Ruhr Nachrichten".

Seehofer hatte vor der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten, die an diesem Mittwoch in Wildbad Kreuth beginnt, seine Forderungen nach einer Obergrenze erstmals konkretisiert. Die Schwesterpartei CDU und der Koalitionspartner SPD setzen sich ebenfalls dafür ein, dass die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge 2016 deutlich reduziert wird, ohne dabei auf Obergrenzen zu dringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat wiederholt deutlich gemacht, dass sie eine Obergrenze für unvereinbar mit dem Grundgesetz hält.

Die nun vom CSU-Parteichef ins Spiel gebrachte konkrete Höchstzahl an neu ankommenden Flüchtlingen stößt auch bei der SPD auf deutlichen Widerstand. "Horst Seehofer kündigt den ohnehin brüchigen Burgfrieden der Union in der Flüchtlingspolitik auf", sagte SPD-Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel der "Passauer Neuen Presse" (Montag). "Der Streit in der Union belastet die Arbeit der Regierung."

Es macht nach Meinung Schäfer-Gümbels keinen Sinn, sich über Zahlen auszulassen: "Herr Seehofer kann nicht einmal sagen, wie eine solche Obergrenze praktisch funktionieren soll. Soll das mit Waffengewalt durchgesetzt werden?"

Die Linkspartei forderte von der großen Koalition stattdessen eine Kursänderung in der Flüchtlingspolitik. "Wichtiger als immer wieder über Obergrenzen zu schwadronieren, wäre es, dafür zu sorgen, dass die Menschen in den Flüchtlingslagern im Nahen Osten nicht hungern und frieren müssen", sagte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht den "Ruhr Nachrichten" (Montag).

Unterstützung erhielt Seehofer dagegen von seiner Parteifreundin Gerda Hasselfeldt. "Die Zahl ist abgeleitet von den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Wir können nur so viele Menschen aufnehmen, wie wir sie auch gut unterbringen und integrieren können", sagte die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag der "Passauer Neuen Presse" (Montag).

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach sagte der "Bild"-Zeitung: "Es ja richtig ist, dass unser Asylrecht weder eine zahlenmäßige Begrenzung noch Quoten kennt." Doch: "Das bedeutet allerdings keineswegs, dass wir völlig schrankenlose Aufnahmekapazitäten und eine unbegrenzte Integrationskraft in die Gesellschaft und auf den Arbeitsmarkt hätten."

CSU-Parteitagsbeschluss zu Flüchtlingen

CDU-Parteitagsbeschluss zu Flüchtlingen

SPD-Parteitagsbeschluss zu Flüchtlingen

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