Wirt stellt Video ins Netz

Antisemitische Beschimpfung in Berlin - Maas: "Unfassbar"

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Restaurantbesitzer Feinberg (L) zusammen mit dem israelischen Botschafter in Berlin, Jeremy Issacharoff

Erneut sorgt ein krasser Fall von Antisemitismus für Sorge: Ein Video dokumentiert Beschimpfungen eines Mannes gegen einen Berliner Restaurantbesitzer. Die Politik ist beunruhigt.

Berlin - Ein Video mit wüsten antisemitischen Beschimpfungen gegen den Besitzer eines israelischen Restaurants in Berlin sorgt in den sozialen Netzwerken für Empörung.

Bis Donnerstagmorgen hatten fast 300.000 Facebook-Nutzer das Video gesehen, das dokumentiert, wie ein Mann gegen Juden hetzt und den Betreiber des Restaurants in der Nähe des Kurfürstendamms grob beleidigt. Wie die "Märkische Allgemeine Zeitung" berichtet, wurde der Vorfall von einer Freundin des Wirtes gefilmt und der Clip dann auf Facebook hochgeladen.

Der 60-Jährige, der den Besitzer des Restaurants beschimpft hat, ist bei der Polizei schon seit längerem bekannt. "Aber nicht wegen derartiger Delikte", so ein Polizeisprecher. Nähere Angaben zu etwaigen Straftaten wurden nicht gemacht.

Staatsschutz ermittelt

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die antisemitischen Ausfälle scharf. „Auch dieser völlig unfassbare und unentschuldbare Vorfall in Berlin zeigt: Wir alle müssen uns antisemitischer Hetze engagiert und mutig entgegenstellen“, schrieb der SPD-Politiker am Donnerstag auf Twitter. „Den Brandstiftern dürfen wir nie das Feld überlassen. Denn erst kommen die Worte, dann die Taten.“ Maas hatte bereits vergangene Woche klargestellt, Deutschland werde keinen Antisemitismus dulden.

Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt gegen den Mann wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Er war nach der Verbalattacke vorübergehend festgenommen worden, ist aber wieder auf freiem Fuß. Die Ermittler warten am Donnerstag noch auf das Ergebnis einer Bluttests. Es bestehe der Verdacht, dass der 60-Jährige alkoholisiert gewesen sei, hieß es bei der Polizei.

Nach Angaben der Polizei hatte der 36-jährige Yorai Feinberg am Dienstagnachmittag mit der Freundin vor seinem Restaurant in Berlin-Schöneberg gestanden, als der Passant an sie herantrat. Das Video zeigt, wie der Mann den Wirt minutenlang verbal attackiert, es fallen Worte wie "Wir wollen euch hier nicht" und "Gaskammer".

Der Wirt hielt schließlich einen Streifenwagen an, der zufällig vorbeikam. Die Polizisten legten dem Mann Handfesseln an und nahmen ihn mit. Der 60-Jährige sei aggressiv gewesen und habe auch die Polizisten beleidigt, erklärte die Polizei. Der Mann kam später wieder frei. Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt ermittelt nun unter anderem wegen Volksverhetzung gegen ihn.

Kein Einzelfall

"Deutschland nimmt keine gute Entwicklung", sagte der Restaurantchef dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nach dem Vorfall. "Es wird immer weniger gegen Antisemiten vorgegangen. Immer mehr gilt als legitime Israel-Kritik. Und dann passiert so etwas. Der Mann fühlte sich völlig sicher."

Feinbergs Freundin, die das Video hochgeladen hatte, erklärte auf Facebook, es handele sich nicht um Einzelfälle: "Solche Angriffe passieren nunmehr fast täglich und sie werden immer intensiver. Die Täter verlieren ihre Scham, weil sie denken, sie könnten ihr wahres Gesicht hinter dem schönen Begriff der "legitimen Israelkritik" verstecken. Doch am Ende bleibt es nur blanker Hass. Hass gegen Juden. Hass gegen Israel."

Video zwischenzeitlich gesperrt - Facebook räumt Fehler ein

Facebook hat unterdessen eingeräumt, mit dem zeitweisen Entfernen des betreffenden Videos einen Fehler begangen zu haben. „Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen und wir bedauern, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. „Wir wissen, dass es frustrierend sein kann, wenn solch ein Fehler passiert und entschuldigen uns hiermit dafür.“ Sie verwies darauf, dass jede Woche hunderttausende Meldungen bearbeitet würden.

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dpa/fn

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