Beim Stromnetzausbau

Grünen-Chefin wirft Seehofer "Kamikaze-Kurs" vor

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Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter. Foto: Soeren Stache

München - Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer einen "Kamikaze-Kurs" in der Energiepolitik vorgeworfen.

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer einen „Kamikaze-Kurs“ in der Energiepolitik vorgeworfen. Es bestehe die reale Gefahr, dass Windkraft aus Norddeutschland ungenutzt bleibe, weil Seehofer den Leitungsausbau „weiter sabotiert“, sagte die Grünen-Politikerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag).

Schon jetzt ginge wegen Netzengpässen sauberer Windstrom im Wert von 100 Millionen Euro pro Jahr verloren. Peter sagte, sie erwarte eine „klare Ansage“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die „störrischen Bayern“.

Der Stromnetzbetreiber Amprion warnte unterdessen vor den möglichen Folgen einer Stromtrassen-Blockade. „Wir müssen grünen Windstrom aus dem Norden und Osten in den Süden transportieren können“, sagte Amprion-Chef Hans-Jürgen Brick der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). „Klappt das nicht, habe ich ernste Zweifel, ob wir die Energiewende zum Erfolg führen - ökonomisch wie ökologisch.“

Weitere Verzögerungen beim Netzausbau könnten laut Amprion steigende Energiekosten in ganz Süddeutschland nach sich ziehen. „Es könnte sein, dass die Europäische Kommission Deutschland zu verschiedenen Preiszonen drängt, wenn es dauerhaft Engpässe südlich der Mainlinie gibt“ erklärte Brick. Mögliche Folge wären „höhere Strompreise in Bayern, Baden-Württemberg, Teilen von Hessen und Rheinland-Pfalz“.

CSU-Chef Seehofer hatte seine Vorbehalte gegen neue Stromtrassen zuletzt noch einmal bekräftigt. Die Stromversorgung in Bayern müsse künftig vorrangig mit Gaskraftwerken sichergestellt werden, hatte Seehofer der „Welt“ (Donnerstag) gesagt. „Das ist für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in Bayern der wichtigste Punkt. Und dann schauen wir, ob wir neue Stromtrassen überhaupt brauchen“, sagte er.

Darüber werde man in aller Ruhe entscheiden. „Ich lasse mich da nicht in Termine zwängen. Über die Notwendigkeiten der Energieversorgung der Jahre 2023 und folgende müssen wir nicht bis Ostern 2015 entscheiden. Eine Verständigung im Lauf dieses Jahres reicht völlig aus“, sagte Seehofer.

dpa

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