Großprojekt für den Naturschutz könnte am Widerstand der Landwirte scheitern

Grünes Band vor dem Aus?

Das Grüne Band entlang der ehemaligen Grenze ist am Scheideweg: Unser Foto entstand bei Teistungen (Thüringen). Foto: Mühlhausen

Rosdorf. Das Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Eichsfeld – Werratal“, das die Heinz-Sielmann-Stiftung in Duderstadt im Auftrag des Bundesamt für Naturschutz plant, steht möglicherweise vor dem Aus. Es könnte am Widerstand der Landwirte und Grundeigentümer entlang der einstigen innerdeutschen Grenze scheitern.

Niedersachsens Umweltminister Dr. Stefan Birkner (FDP) stellte am Dienstag bei seinem Besuch beim Landvolk Göttingen in Rosdorf klar: „Ich sage deutlich: Wir wollen dieses Projekt. Aber: Dieses Projekt wird es nicht gegen den erklärten Willen der Landeigentümer und Landwirte vor Ort geben.“

Zuvor hatte sich der Minister um eine Kompromisslösung bemüht: „Unter welchen Bedingungen können Sie es sich denn vorstellen? Wo wären sie zu einer Zusammenarbeit bereit?“, fragte er in Richtung der Landwirte. Doch die machten deutlich: Ein Projekt in dieser Dimension mit vielen Tausend Hektar Fläche und der Ausweisung neuer Naturschutzgebiete werde es nicht gegen den Willen der Landwirte geben. Sie befürchten eine zunehmende Flächenkonkurrenz und Flächenverlust sowie Nutzungseinschränkungen auf Wiesen und Äckern – in der Summe sehen sie die Existenz ihrer Höfe bedroht. Das Landvolk hatte im Frühjahr 1500 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Zudem haben die vor Ort am Grenzstreifen betroffenen Landwirte und Landeigentümer auf 3500 Hektar der Fläche schriftlich bekundet, dass sie nicht mitmachen und keine Flächen bereit stellen werden.

Auch wenn die Heinz-Sielmann-Stiftung anschließend nachbesserte und das Gebiet verkleinerte, bleiben die Landwirte hart: Nachdem man zunächst am Projekt mitgearbeitet habe, sei nun das Vertrauen verloren gegangen, eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Minister Birkner will nun zunächst mit der Heinz-Sielmann-Stiftung reden, ob es nicht noch einen Weg gibt, die betroffenen Grundstückseigentümer mit ins Boot zu holen. Sollte das nicht gelingen, werde er dem Bundesamt für Naturschutz aber auch mitteilen, dass die Akzeptanz vor Ort nicht vorhanden sei. Dann könnte das Projekt gestorben sein.

Bei der Heinz-Sielmann-Stiftung sieht man die Entwicklung gelassen: Am Protest der Landwirte jedenfalls werde es nicht scheitern. „Ein Großteil der Fläche, für die die Landwirte Verweigerung angekündigt haben, brauchen wir gar nicht für eine erfolgreiche Projektumsetzung“, sagte Stiftungsvorstand Michael Spielmann. Zudem seien bereits große Teile des Kerngebietes unter Schutz, in öffentlicher Hand oder im Eigentum von Stiftungen, so Spielmann.

DREI FRAGEN

Von Christian Mühlhausen

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