Grundschullehrer wegen Missbrauchs zu Bewährungsstrafe verurteilt

Hannover. Wegen 72-fachen Kindesmissbrauchs im Klassenzimmer hat das Amtsgericht Hannover einen inzwischen pensionierten Grundschullehrer zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

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Der 57-Jährige gestand am Dienstag die bereits 20 Jahre zurückliegenden Übergriffe im Klassenzimmer. Er hatte zwischen 1990 und 1992 eine siebenjährige Schülerin regelmäßig auf seinem Schoß festgehalten und unter der Kleidung an der Brust gestreichelt und gekniffen.

Der wöchentliche Missbrauch, bei dem das Mädchen die Erektion des Lehrers spürte, geschah vor den Augen der Klassenkameraden. Die heute 28-Jährige zeigte ihren ehemaligen Klassenlehrer erst kurz vor Ende der Verjährungsfrist an. Die Anklage warf ihm auch den Missbrauch eines zweiten Mädchens aus der Klasse vor. Dieses Verfahren wurde als verjährt eingestellt.

Aktualisiert um 16.16 Uhr

Bei Kindesmissbrauch beginnt die zehnjährige Verjährungsfrist erst mit dem vollendeten 18. Lebensjahr des Opfers. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten gefordert, die Verteidigung hatte auf zwei Jahre auf Bewährung plädiert. Der Fall wird Thema der nächsten Sitzung des Kultusausschusses des Landtags sein, da der Pädagoge noch bis zu den Sommerferien dieses Jahres an einer Grundschule in Hannover unterrichtete.

Schon vor 18 Jahren hatten sich Eltern über sein distanzloses Verhalten beschwert. Der Mann hatte sich daraufhin freiwillig versetzen lassen, danach gab es nach Angaben der Landesschulbehörde keine weiteren Beschwerden. Pensioniert wurde der 57-Jährige aus gesundheitlichen Gründen.

Richter Olaf Wöltje hielt dem Angeklagten in der Urteilsbegründung zugute, dass er mit seinem Geständnis dem Opfer eine Aussage im Zeugenstand erspare und die Taten offenkundig bereue. Schwer wiege, dass er im geschützten Raum Schule das Vertrauen von Schülern und Eltern ausgenutzt habe.

Das Opfer war jahrelang in psychotherapeutischer Behandlung. „Für meine Mandantin ist das ein ständiger Begleiter ihres Lebens gewesen“, sagte die Rechtsanwältin der 28-Jährigen, Doris Kahle. Die junge Frau habe noch immer die Bilder aus der Schule, den Ekel und die Hilflosigkeit vor Augen. Kahle zufolge hatten die Ermittler vor Prozessauftakt sechs junge Frauen aus der Klasse befragt, alle berichteten von Übergriffen. Eine erinnerte sich daran, dass der Lehrer vorher sogar den Klassenraum abschloss. „Jede dachte, sie sei das einzige Opfer“, sagte Kahle der dpa. Der verurteilte Lehrer muss zwar nicht ins Gefängnis, er verliert aber seine Pensionsansprüche und muss mit etwa 10.000 Euro weniger im Jahr auskommen. Zu den materiellen Nachteilen komme die soziale Ächtung, betonte der Richter.

Der Angeklagte hatte bereits zum Prozessauftakt über seinen Verteidiger Matthias Waldraff erklärt, dass er dem Opfer freiwillig 5000 Euro zahlen wolle. Als Bewährungsauflage muss er nun weitere 2500 Euro an die 28-Jährige zahlen sowie 2500 Euro an einen Verein, der Opfern sexuellen Missbrauchs hilft.

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