Enthüllungsjournalist soll Mitarbeiter schwarz bezahlt und Steuern hinterzogen haben

Günter Wallraff in Bedrängnis: Mitarbeiter schwarz bezahlt?

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Unter Druck: Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff (69). Ein Ex-Mitarbeiter wirft ihm Steuerhinterziehung und Anhalten zur Schwarzarbeit vor.

Köln. Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff gerät unter Druck. Nachdem sein einstiger Mitarbeiter André Fahnemann ihn beschuldigte, ihm als Hartz-4-Empfänger jahrelang einen Niedriglohn schwarz gezahlt und Honorare nicht ordnungsgemäß versteuert zu haben, prüft nun die Staatsanwaltschaft Köln den Fall.

Dabei geht es um den Verdacht auf Beihilfe zum Sozialleistungsbetrug, Steuerhinterziehung und Vorenthalten von Arbeitsentgelt. Außerdem stellen einstige Weggefährten Wallraffs die journalistische Redlichkeit des bekannten Schriftstellers und Filmemachers in Frage. Fahnemann wirft ihm laut Nachrichtenmagazin Der Spiegel sogar vor, im Zusammenhang mit einem Gerichtsprozess eidesstattliche Versicherungen mehrerer Zeugen manipuliert und ihn angehalten zu haben, eine Unterschrift zu fälschen.

Wallraff, der unter anderem 1977 als Redakteur Hans Esser die umstrittenen Recherchemethoden der Bild-Zeitung und 1985 als Türke Ali menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bei deutschen Konzernen aufdeckte, lies die Vorwürfe umgehend zurückweisen. Fahnemann, der nur gelegentlich für ihn gearbeitet habe, habe auf Barbezahlung bestanden. Für eine Stellungnahme war der 69-jährige Autor nicht zu erreichen.

Zwischen Wallraff und seinem einstigen Sekretär und Mädchen für alles war es im Juli zum Bruch gekommen, als Fahnemann nach eigenen Aussagen eine feste Anstellung, bessere Bezahlung und humanere Arbeitsbedingungen gefordert hatte. Der 34-Jährige, in dessen Polizei-Akte Einträge wie Fahren ohne Führerschein stehen und der wegen einer fahrlässigen Brandstiftung sogar im Gefängnis saß, hatte den bekannten Journalisten während einer Recherchetätigkeit in einem Call-Center kennengelernt.

Die Anschuldigungen Fahnemanns bringen den linken Erfolgsautor in Erklärungsnot. Sollte ausgerechnet Wallraff, der sich stets als Verbündeter des Proletariats und der Armen gibt und seit je her gegen Konzerne, Kapitalismus, Lohndumping und Ungerechtigkeit zu Feld zieht, Hungerlöhne gezahlt und einen Hartz-4-Empfänger unter unwürdigen Arbeitsbedingungen beschäftigt haben? Wenn die Vorwürfe belegt werden können, hat Wallraff nicht nur ein juristisches, sondern vor allem auch ein Glaubwüdigkeitsproblem.

Fahnemann ist nicht der Erste, der den bekannten Buchautor schlechter Arbeitsbedingungen und Bezahlung bezichtigt. Vor Jahren schon hatte etwa der Publizist Hermann Gremliza gesagt, in Wirklichkeit habe er das Buch „Der Aufmacher“ über die Arbeitsmethoden der Bild-Zeitung geschrieben. Und der Journalist Uwe Herzog behauptete, Autor eines Teils der Dokumentation „Ganz unten“ zu sein, in der Wallraff seine Erlebnisse als Mitarbeiter von großen Konzernen schilderte.

Auch dies wies Wallraff wiederholt zurück. Zwar räumte er ein, bei seinen Recherchen häufig Zuarbeiter gehabt zu haben, die Bücher habe er aber selbst geschrieben.

Von José Pinto

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