Erster Behördengang

Mollath beantragt Personalausweis

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Der kürzlich aus der Psychiatrie entlassenen Gustl Mollath (li.) steht am Donnerstag mit Edward Braun, der Zeuge im Mollath-Prozess war, vor dem Einwohneramt in Nürnberg

Nürnberg - Der aus der Psychiatrie entlassene Gustl Mollath hat beim ersten Besuch seiner Heimatstadt Nürnberg seit rund sieben Jahren einen neuen Personalausweis beantragt.

Mitarbeiter des örtlichen Einwohnermeldeamtes hätten dem 56-Jährigen „in freundlicher und zuvorkommender Weise“ sofort einen vorläufigen Ausweis ausgestellt, berichtete eine Mollath-Unterstützerin auf ihrer Facebook-Seite von dem Behördenbesuch vom Donnerstag. Mollath selbst war am Freitag nicht erreichbar.

Weiter heißt es auf der Facebook-Seite, die Behördenmitarbeiter hätten Mollath versichert, dass er per Briefwahl an den kommenden Wahlen teilnehmen könne. Schwieriger gestalte sich hingegen die Wiederbeschaffung von Mollaths Führerschein; dazu sei eine feste Meldeadresse in der Stadt erforderlich. Mollath lebt seit seiner Entlassung aus der Psychiatrie Bayreuth bei einem Freund außerhalb der Stadt Nürnberg.

Gustl Mollath: Seine ersten Schritte in Freiheit

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Bilder der Mollath-Unterstützerin zeigen den 56-Jährigen vor dem Einwohnermeldeamt, vor dem Nürnberger Polizeipräsidium, wo er einst festgenommen worden war, und vor einer Nürnberger Filiale der HypoVereinsbank. Neben der Unterstützerin habe Mollath bei seinem Nürnberg-Besuch auch dessen langjähriger Freund, Edward Braun, begleitet. Den Nürnberg-Besuch hätten sie mit einem Besuch in einer traditionellen Nürnberger Bratwurststube ausklingen lassen, wie Bilder der Unterstützerin zeigen.

Unterdessen wurde am Freitag bekannt, dass viele der angeblich verschollenen Unterlagen Mollaths bei seiner früheren Ehefrau in Nürnberg lagern. Seine Habe sei „nur einen Anruf weit entfernt“, sagte die Ex-Ehefrau in einem Gespräch mit dem in Bayreuth erscheinenden „Nordbayerischen Kurier“ (Freitag). Die Unterlagen seien in mehreren Kisten, „sauber verpackt und akribisch gefaltet“.

Dazu gehörten neben Zeugnissen auch Fotos, Urkunden, Mollaths Führerschein und sein inzwischen abgelaufener Personalausweis. Auch ein Bild seiner Mutter sei dabei, berichtet die frühere Ehefrau dem Blatt. Lediglich die in Kisten verpackte Kleidung habe sie zwischenzeitlich wegwerfen müssen. Die Lagerung habe der Kleidung nicht gut getan, erklärte sie.

Fall Gustl Mollath - Eine Chronologie

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Der 56 Jahre alte Nürnberger hatte mehrfach erklärt, er habe mit der Versteigerung seines Hauses im Nürnberger Stadtteil Erlenstegen sein gesamtes Hab und Gut verloren. Nicht mal einen Ausweis habe er mehr.

Mollath war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen worden. Unter anderem soll er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben. Mollath sieht sich dagegen als Opfer eines Komplotts seiner früheren Ehefrau und der Justiz, weil er auf Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe hingewiesen habe. Mollath hatte 2003 seine Frau, eine Vermögensberaterin bei einer Bank, und andere wegen unsauberer Geschäfte angezeigt. Die Vorwürfe wurden nicht weiterverfolgt, erwiesen sich später aber teilweise als zutreffend.

dpa

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