Oliver Kahn gewinnt vor Gericht

Gutachter: Lichtreflexe sorgen für ungenaue Blitzer

Messung fehlerhaft? Gutachter zweifeln an der Genauigkeit bestimmter Blitzgeräte. Ein Prozess gegen den Fußballtorwart Oliver Kahn war eingestellt worden, weil Lichtreflexe die Messgeräte beeinflusst haben könnten. Foto: dpa

München/Kassel. Mit 163 Stundenkilometern statt der erlaubten 80 ist der ehemalige Fußballtorwart Oliver Kahn 2009 geblitzt worden. Dieser Fall könnte nun Auswirkungen auf tausende Bußgeldbescheide für Temposünder haben. Denn Kahns Blitzerfoto lässt Zweifel an der Zuverlässigkeit der Messgeräte aufkommen.

Drei Jahre lang wurde der Fall am Amtsgericht Traunstein (Bayern) verhandelt. In erster Instanz wurde Oliver Kahn freigesprochen, in der Revision wurde das Verfahren nach einem Bericht des Münchner Merkur schließlich eingestellt. Lichtreflexe könnten die mobile Geschwindigkeitsmessanlage, von der Kahn im Oktober 2009 an der A3 bei Bergen (Kreis Rosenheim) erfasst worden war, beeinflusst haben.

Diese Einschätzung teilten die insgesamt drei Gutachter im Verlauf des Prozesses. Welche Auswirkungen der Fall auf die Geschwindigkeitsmessungen in Deutschland haben wird, wird derzeit heiß diskutiert. Der Hersteller des Messgerätes, die Eso-GmbH aus Tettnang (Baden Württemberg) bestreitet, dass es bei ihren Anlagen, welche die Geschwindigkeit anhand von Helligkeitsunterschieden ermitteln, zu Falschmessungen durch Sonnenstrahlen kommen könne.

Auf Anfrage verweist die Firma auf ein Urteil des Amtsgerichts Montabauer und eine Stellungnahme der Pysikalisch-Technischen Prüfanstalt. Demnach erlaube das Gerät bei Beachtung der Gebrauchsanweisung eine eindeutige Zuordnung der Messwerte – selbst, wenn die Fahrzeuge von der normalen Fotoposition abwichen. Dass etwa 40 Autos sich nicht an der richtigen Position des Bildes befanden, hatte ein Gutachter im Prozess als Beleg dafür gewertet, dass nicht das Auto, sondern eine Lichtreflexion anvisiert wurde. Zweifel an der eingesetzten Messtechnik äußerten mehrere Sachverständige für Geschwindigkeitsmessverfahren auch gegenüber unserer Zeitung – allerdings nur hinter vorgehaltener Hand: Der Fotopunkt der Anlagen werde aus Geschwindigkeit und Helligkeit ermittelt. Weiche er ab, könne einer dieser Parameter nicht stimmen. Namentlich wollen die Gutachter allerdings nicht zitiert werden – zu brisant sei der Fall. Denn wenn die Geräte nicht zuverlässig die Geschwindigkeit des Autos ermittelten, drohe nach Einschätzung eines Gutachters eine Welle von Einsprüchen gegen Bußgeldbescheide.

„In Deutschland muss jeder Fall anhand von Gutachten vor Gericht einzeln geprüft werden“, sagt Dr. Markus Schäpe, Jurist beim Automobilclub ADAC. Bei Zweifeln an der Messgenauigkeit empfiehlt Schäpe Betroffenen einen Fachanwalt. Bei einer Niederlage vor Gericht drohten ohne Rechtsschutzversicherung allerdings mehrere Tausend Euro Gerichtskosten, warnt der Verkehrsrechtler.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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