Guttenberg: Kein Comeback in Deutschland - Dokumentation

München. Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird vorerst nicht in die deutsche Politik zurückkehren. Guttenberg werde sich 2013 nicht um ein politisches Mandat bewerben, sagte CSU-Chef Horst Seehofer in München. Das habe ihm der jetzt in den USA lebende Politiker am Freitagabend gesagt.

In einem Brief an alle CSU-Mitglieder, den Seehofer vorlegte, schrieb Guttenberg: "Es wäre nicht der richtige Zeitpunkt. Und ich habe auch aus meinen Fehlern zu lernen." Guttenberg kündigte an, "auf lange Sicht" keine öffentlichen Auftritte in Deutschland wahrzunehmen. Bereits gemachte Zusagen nahm er wieder zurück. Guttenberg räumte in dem Schreiben ein, dass nicht jede seiner Äußerungen im vergangenen Jahr klug gewesen sei. "Rückblickend waren auch die letzten Wochen missglückt, die Vielen, obgleich es nicht meine Absicht war, wie eine Comeback-Inszenierung erschienen."

Im März vergangenen Jahres hatte Guttenberg seinen Rücktritt als Verteidigungsminister erklärt, weil herausgekommen war, dass er Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte. Anschließend ging er in die USA. (dpa)

Dokumentation: Guttenbergs Brief an die CSU

„Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren, liebe Parteifreunde Ich habe unserem Parteivorsitzenden Horst Seehofer und den CSU-Kreisvorsitzenden meines früheren Bundeswahlkreises Kulmbach in persönlichen Gesprächen mitgeteilt, dass ich mich im Jahre 2013 nicht für ein politisches Mandat bewerben werde. Es wäre nicht der richtige Zeitpunkt. Und ich habe auch aus meinen Fehlern zu lernen. Nicht jede meiner Reaktionen und Äußerungen im vergangenen Jahr, das ich als extrem empfunden habe, war klug.

Rückblickend waren auch die letzten Wochen missglückt, die Vielen, obgleich es nicht meine Absicht war, wie eine Comeback-Inszenierung erschienen. Auch hieraus habe ich meine Lehren und Konsequenzen zu ziehen. Dies erfordert jedoch Zeit und Abstand. Diese Phase der Aufarbeitung von Verfehlungen, eigenem Verschulden und meiner persönlichen Neuorientierung beinhaltet auch einen notwendigen Rückzug aus dem Licht der deutschen Öffentlichkeit. So werde ich auf lange Sicht keine Einladungen zu Auftritten bei öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland annehmen bzw. bereits gegebene Zusagen leider wieder zurücknehmen müssen. Letzteres tut mir besonders leid, aber ich bitte gleichwohl sehr um Verständnis und danke für zahlreiche Anfragen, die mich gerade in den vergangenen Monaten erreicht haben.

Die CSU bleibt meine politische Heimat, ich habe ihr viel zu verdanken und ich bin und bleibe ihr im Herzen verbunden. Besonders dankbar bin ich meinen politischen Freunden, die mir eine Rückkehr ermöglichen wollten und eine Bewerbung für meinen Wahlkreis „offengehalten“ haben. Dies ist eine im politischen Geschäft sehr unübliche und außergewöhnliche Geste, die mich angerührt hat und die ich nicht vergessen werde. Ebenso danke ich den vielen Freunden, die mich gebeten haben, erneut anzutreten. Die Jahre, in denen ich politische Verantwortung für meinen Wahlkreis, für die CSU und in der Bundesregierung tragen durfte, waren überaus erfüllend und ich empfinde diese Zeit als ein wunderbares, ehrenvolles Privileg. Die Arbeit für meine oberfränkische und bayerische Heimat war mir eine wirkliche Herzensfreude und ich werde - egal an welchem Ort dieser Welt - weiter nach Kräften für ihre Belange werben und mich entsprechend einsetzen. Gleiches gilt für die CSU.

 Ich will mich nun neuer Aufgaben annehmen. Zuweilen werde ich mich zu außenpolitischen Themen äußern. Allerdings nicht als Politiker, sondern als politisch denkender Mensch. Danke vielmals für alle erfahrene Unterstützung, für gebotene Kritik und Freundschaft. Ich freue mich trotz räumlicher Distanz auf viele weitere persönliche Begegnungen und bin mit herzlichen Grüßen Ihr/Euer Karl-Theodor zu Guttenberg“ (dpa)

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