Gymnasien beklagen Streichung von 300 Lehrerstellen

Wiesbaden. Der Unmut über den Wegfall von Lehrerstellen an Gymnasien wächst: In Frankfurt gingen kürzlich 1000 Eltern auf die Straße und demonstrierten - gestern stand das Thema im Landtag auf der Tagesordnung.

Etwa 300 Lehrerstellen sollen bis 2018 an den Oberstufen wegfallen - so der Plan des Kultusministeriums, das indes von einer Umverteilung der Stellen spricht. Denn sie werden an anderer Stelle benötigt. 160 Stellen sind bereits im laufenden Schuljahr betroffen. In den kommenden beiden Schuljahren werden es erst 80 und dann 75 Stellen sein, wie das Kultusministerium auf Anfrage mitteilte. Zugrunde liege der Umverteilung eine politische Schwerpunktsetzung: Die Stellen sollen stattdessen etwa der Sprachförderung, dem Ganztagsunterricht, der Inklusion und der Förderung von Schulen an sozial problematischen Standorten zu Gute kommen.

SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel forderte jetzt, die Kürzungen zurückzunehmen. Die FDP fürchtet, dass die mühsam erarbeiteten Profile wieder in Frage gestellt werden. Doch die schwarz-grüne Landesregierung will von ihrem Vorhaben nicht abrücken, signalisierte aber in Härtefällen Gesprächsbereitschaft.

Weniger Angebote

Die Lehrergewerkschaft GEW sieht schon jetzt negative Auswirkungen an den Gymnasien. „300 Stellen, die wegfallen, klingt vielleicht nicht viel. Aber für das Lernklima ist das sehr schädlich“, sagt Geschäftsführer Ulrich Märtin.

Das bestätigt auch Simon Aulepp, Vorsitzender des GEW-Kreisverbands Kassel- Stadt. Er ist Lehrer an der Jacob-Grimm-Schule in Kassel. An dem Oberstufengymnasium mit rund 600 Schülern und 60 Lehrern werden bis 2018 ungefähr drei Lehrerstellen wegfallen. 1,5 Stellen sind bereits im laufenden Jahr gestrichen geworden. Ähnlich dürfte der Verlust etwa an der Herderschule in Kassel ausfallen, sagt Aulepp. Zahlen für alle Schulen in Nordhessen liegen der GEW allerdings nicht vor.

Die Auswirkungen dürften dabei meist ähnlich sein: Wenig nachgefragte Kurse - etwa Chemie - könnten wegfallen, damit die Klassengrößen bei den stark frequentieren Kursen nicht zu groß werden. Oder das Kurs-Angebot wird beibehalten, dafür aber die beliebten Kurse - etwa Englisch - zusammengelegt zu größeren Klassen, sagt Aulepp. „Je mehr kleine Kurse angeboten werden, desto eher akzeptiert man, dass es in den mehr nachgefragten Kursen voller wird“, sagt Aulepp.

Gemeinsamer Unterricht

Schon jetzt würden Grund- und Leistungskurse teils gemeinsam unterrichtet - die Leistungskurse allerdings mit zwei Stunden mehr. Dadurch müsse sich der Lehrer immer wieder auf die unterschiedlichen Lern- und Wissensniveaus einstellen, sagt Aulepp.

Hintergrund:

• Der Bereich der Lehrerstellen ist der einzige innerhalb der Landesverwaltung , der in dieser Legislaturperiode von Kürzungen ausgenommen ist, teilte das Kultusministerium mit. Bei den 300 Stellen handele es sich um eine Stellenverlagerung.

• Auf die Anzahl der Unterrichtsstunden an der gymnasialen Oberstufe habe die Umverteilung keine Auswirkungen. In der Regel ginge es um die Auswirkungen auf Kursgröße und Vielfalt des Kursangebots.

• Die durchschnittliche Schülerzahl pro Oberstufenkurs in der Jahrgangsstufe 11 erhöhe sich von 19,6 auf 21,2 und in den Jahrgangsstufen 12 und 13 von 18,9 auf 19,9 in Grundkursen sowie von 16,8 auf 17,8 in Leistungskursen.

• Im Haushaltsplan sind 800 neue Lehrerstellen vorgesehen, die vor allem für den Unterricht von Flüchtlingskindern gedacht sind. (mho)

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