Mittel könnte rezeptfrei werden

Gynäkologe über Pille danach: „Beratung absolut notwendig“

Berlin. Ein Fachausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat empfohlen, dass die sogenannte Pille danach in Deutschland rezeptfrei verkauft werden kann. Der Schwalmstädter Gynäkologe Reinhard Trolp sagt im Interview, warum er das ablehnt.

Herr Trolp, was haben Sie für Erfahrungen in Ihrer Praxis mit der Pille danach gemacht?

Reinhard Trolp: Ich denke, wir können froh sein, dass es die Pille danach gibt. Ich habe keinerlei Bedenken, sie zu verschreiben und habe auch nur beste Erfahrungen gemacht.

Es wird aber immer wieder vor den Nebenwirkungen wie zum Beispiel Thrombose gewarnt.

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Pille danach bald rezeptfrei?

Trolp: Es kann tatsächlich sehr selten zu Venenentzündungen, Kopfschmerzen, Migräne und Blutdruckerhöhung nach der Einnahme kommen. Thrombose tritt vor allem in der Kombination mit Rauchen und Krampfadern auf. Die meisten meiner Patienten, die eine Pille danach brauchen, sind zwischen 18 und 28 Jahre alt und haben überhaupt keine Probleme mit dem Medikament.

Gibt es eine Alternative zur Pille danach?

Trolp: Man könnte eine Kupferspirale 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr einsetzen. Allerdings wird das vor allem bei jungen Frauen sehr selten gemacht. Der Muttermund muss ein bis zwei Millimeter weit sein, was oft erst nach einer Geburt erreicht wird. Ansonsten kann das Einsetzen für die Patientin sehr schmerzhaft sein. Zudem ist es nicht billig. Eine Spirale kostet 150 Euro, kann aber bis zu fünf Jahre im Körper bleiben.

Wie häufig kommen Patientinnen zu Ihnen in die Praxis und verlangen nach der Pille danach?

Reinhard Trolp

Trolp: Das sind vielleicht ein oder zwei Frauen im Monat. Nach meiner Erfahrung sind die meisten Patientinnen gut aufgeklärt und gehen in 80 bis 90 Prozent der Fälle verantwortungsvoll mit der Empfängnisverhütung um. Sie kommen häufig zu mir, wenn ein Kondom geplatzt oder abgerutscht ist. Natürlich wird in einer gewissen Laune auch mal vergessen zu verhüten.

Warum sind Sie dagegen, das Medikament frei zugänglich zu machen?

Trolp: Es ist meiner Meinung nach notwendig, dass es ein Beratungsgespräch gibt, in dem man die Patientin über das Medikament und die Empfängnisverhütung im Allgemeinen aufklärt. Außerdem müssen Untersuchungen und eventuell auch eine Nachuntersuchung gemacht werden, falls das Medikament nicht wirkt. Das würde bei freiem Zugang zu der Pille danach alles wegfallen.

Was befürchten Sie, wenn das Medikament rezeptfrei erhältlich ist?

Trolp: Es besteht die Gefahr, dass Junge Leute dann einfach in eine Drogerie oder Apotheke gehen und sich die Pille danach kaufen, ohne zu wissen, wie das Medikament überhaupt wirkt. Meiner Meinung nach braucht es Kontrolle und Beratung, um mit der Pille danach verantwortungsbewusst umzugehen.

Zur Person: Reinhard Trolp

Dr. Reinhard Trolp, 68, studierte von 1966 bis 1971 Medizin in Hannover. Von 1989 bis 2000 war er Chefarzt der Frauenklinik in Ziegenhain. Anschließend übernahm er den Chefarzt-Posten der Frauenklinik in Homberg. Seit 2009 betreibt Reinhard Trolp eine gynäkologische Praxis im Asklepios-Gesundheitszentrum in Ziegenhain. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und vier Enkel. Mit seiner Frau wohnt der Gynäkologe in Gilsa.

Von Nina Thöne

Rubriklistenbild: © gms

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