Fünfter globaler Experten-Bericht des IPCC seit 1990: Meeresspiegel steigen schneller, Eis schmilzt rascher

„Haben weniger Zeit als gedacht“

Steigende Meeresspiegel bedrohen vor allem dichtbesiedelte Küstenregionen der Welt. Unser Bild zeigt das griechische Dorf Derveni im Golf von Korinth. Foto: dpa

stockholm. Der Klimawandel setzt sich unaufhaltsam fort – mit schmelzenden Eisdecken, mehr Hitzewellen, Unwettern, Dürren. Und mit Meeresspiegeln, die noch schneller steigen dürften, als bislang befürchtet. Das sind Kernaussagen des gestern in Stockholm vorgelegten neuen Berichtes des Weltklimarates (IPCC). Fragen und Antworten:

? Seinen ersten Sachstandsbericht gab der global arbeitende Weltklimarat 1990 heraus, jetzt kommt der fünfte. Was ist neu?

!Gut 250 Forscher, die weltweit aktuelle wissenschaftliche Erkenntnis zusammentragen, warnen vor schnellerem Anstieg der Meeresspiegel - im ungünstigsten Prognosefall um über 80 Zentimeter bis Ende des Jahrhunderts: Die Ozeane erwärmen sich, dehnen sich aus, Gletscher und Eisdecken schmelzen noch schneller als befürchtet - das alles hebt die Pegel.

? Und die steigenden Temperaturen?

! Sie könnten bis Ende dieses Jahrhunderts um 1,5 bis 4 Grad Celsius klettern, in unwahrscheinlicheren Modellen sogar bis 4,8 Grad. „Hitzewellen treten sehr wahrscheinlich öfter und länger auf“, sagt der Weltklimarat. Feuchtere Regionen auf der Welt bekommen mehr Niederschläge, trockenere noch weniger.

? Gab es in der Erdgeschichte nicht immer wieder Phasen des Klimawandels?

!Doch, sicher. In der jetzigen Phase aber ist der Mensch - anders als jemals zuvor - schon seit Jahrzehnten der wichtigste Einflussfaktor der Veränderungen. Darin ist sich die Forschung weitestgehend einig. „Alles, was wir bisher wussten, hat das Problem unterschätzt. Es geht schneller und die Effekte sind stärker als wir dachten“, sagte UN-Klimachefin Christiana Figueres zum neuen Report.

? Wie passt zu diesen Warnungen die Erkenntnis, dass die Erderwärmung eine jahrelange Pause eingelegt hat?

!Der Temperaturanstieg der zurückliegenden 15 Jahre verlief nur halb so schnell wie im Langfrist-Trend. Dafür, sagt Stefan Rahmstorf (Foto) vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, ging es in den 15 Jahren vor 2006 doppelt so schnell. Das seien normale Schwankungen, die den langfristigen Trend beide nicht ändern. Und in Deutschland lagen von den zehn wärmsten Jahren seit 1881 immerhin sechs nach dem Jahr 2000. Rahmstorf: „Wir haben noch weniger Zeit als gedacht.“

? Gibt es neue Empfehlungen, wie der Klimawandel wenigstens zu bremsen wäre?

!Gestern ging es um wissenschaftliche Erklärungen des Klimawandels und um Prognoseszenarien. Die Auswirkungen der Erderwärmung rund um den Globus und die politischen Möglichkeiten, den Klimawandel zu bremsen, werden im Frühjahr 2014 in Japan und Berlin vorgestellt. Die alten Empfehlungen gelten weiter: Drosselung des Ausstoßes von CO2 und anderen Klimagasen, die die Erwärmung treiben. Sprich: Ausstieg aus den fossilen Energieträgern Kohle, Gas und Erdöl, Ausstieg aus der weltumfassenden Entwaldung, Zurückfahren der Treibhausgasbelastungen aus Land- und Viehwirtschaft. Sie alle halten infrarote Wärmestrahlung in der Erdatmosphäre fest.

? Was sind Klimawandelfolgen, die wir schon spüren?

!Bei uns werden Hitzewellen und Extremwetterereignisse häufiger, heißt es vom Deutschen Wetterdienst. In anderen Weltregionen geht es längst ums Überleben. Das katholische Entwicklungshilfswerks Misereor sieht zum Beispiel im flachgelegenen Bangladesch am Indischen Ozean folgende Konsequenzen: Steigende Meerespegel versalzen in dem südostasiatischen Küstenstaat das Grundwasser. Die Wasserqualität sinkt. Folge seien Einbußen bei der Wasserqualität und damit zurückgehende Ernten sowie erhöhte Säuglings- und Kindersterblichkeit.  kommentar

Von Wolfgang Riek

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