Hacker-Attacke alarmiert Europa: Belgische Zeitung  angegriffen

Brüssel. Um kurz vor 19 Uhr am Sonntagabend wurden die Bildschirme schwarz. Die Webseiten der französischsprachigen belgischen Tageszeitung „Le Soir“ waren gehackt worden.

„Um zu verhindern, dass Piraten von außen dort Botschaften platzieren, haben wir alle Inhalte vom Netz genommen“, berichtete der IT-Chef der Brüsseler Mediengruppe Rossel, bei der „Le Soir“ erscheint, Pascal Van Der Biest. Nur wenige Tage nach dem Cyber-Anschlag auf den französischen Sender TV5 Monde sind die Netzsicherheitsexperten alarmiert.

Während in Paris von islamistischen IS-Milizen angeheuerte Söldner die Attacke verübten, blieb in Brüssel bis unklar, wer hinter der Aktion steckte.

Europa ist zum Ziel von Cyber-Angriffen geworden. Die bisherigen Gegenmaßnahmen reichen nicht aus. Dabei hatte die Kommission schon vor zwei Jahren ein Gesetzespaket vorgelegt, das alle 28 Mitgliedstaaten verpflichtete, HackerAngriffe auf Banken, Transport- und Energieunternehmen sowie Internetkonzerne und Behörden zu melden. Doch die Bereitschaft der Regierungen, rund 44.000 europäische Großbetriebe in einen solchen Verbund einzubringen, ist gering. „Schon seit zwölf Monaten liegt der Richtlinienentwurf zu Netzwerk- und IT-Sicherheit den zuständigen Ministern vor“, betonte gestern der binnenmarktpolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion, Andreas Schwab (CDU). „Die Mitgliedstaaten konnten sich nicht darauf verständigen, gemeinsame Sicherheitsstandards zu schaffen und diese auch gemeinsam zu kontrollieren.“. Dass das überfällig ist, hatte die Übung „Cyber Europe 2014“ gezeigt, bei der im Oktober 2014 rund 400 Fachleute von Netzsicherheitsbehörden, nationalen IT-Notfallteams, Ministerien, Telekommunikations- und Energieunternehmen Attacken simuliert hatten.

Die Bilanz der EU-Agentur für Netz- und Informationssicherheit (Enisa) listet die Defizite auf: Zwar gibt es nationale Krisenstäbe, deren Aufgabenstellung und Erfahrungslevel sind allerdings völlig unterschiedlich. Es herrscht ein eklatanter Abstimmungsmangel zwischen öffentlichen und privaten Stellen. Deutschland hat zwar eine „robuste Sicherheitsarchitektur“, die aber wenig nutzt, wenn es zu wenige Informationen gibt und die Koordination mit den EU-Partnern nicht klappt.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.