Trauer in Seedorf: In dem niedersächsischen Ort waren die drei in Afghanistan gefallenen Soldaten stationiert

Halbmast nicht nur in der Kaserne

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Der Dienst geht weiter: Soldaten patrouillieren vor dem Tor der Fallschirmjägerkaserne in Seedorf. Die auf Halbmast gesetzte Flagge erinnert an ihre in Afghanistan gefallenen Kameraden. Die Gesichter der Wachsoldaten wurden aus Sicherheitsgründen unkenntlich gemacht.

Seedorf. Als die Soldaten der Luftlandebrigade 31  vor knapp zwei Monaten in Seedorf mit einem feierlichen Appell nach Afghanistan verabschiedet wurden, gab ihnen Bürgermeister Jacob Hinck ein ganz besonderes Geschenk mit.

Ein gelbes Ortsschild des Dorfes im Kreis Rotenburg/Wümme sollte die Männer und Frauen aus der Fallschirmjägerkaserne in Kundus und Mazar-i-Sharif an ihre Heimat erinnern. Jetzt sind drei der Soldaten tot - gefallen am Karfreitag in Nordafghanistan.

Seedorf und die Soldaten - das ist ein nahezu symbiotisches Verhältnis. Die knapp 800 Einwohner des Dorfes zwischen Zeven und Bremervörde leben mit und von den Streitkräften. 43 Jahre lang waren in Seedorf niederländische Truppen stationiert, seit 2006 ist der Großteil der Luftlandebrigade 31 in der Kaserne am Rande des Dorfes untergebracht. Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) ist Ehrenbürger der Gemeinde.

Die Soldaten leben nicht abgeschottet, sondern sind Tag für Tag zu sehen: beim Joggen, im Supermarkt, im Restaurant. So mancher Seedorfer lebt Tür an Tür mit einer Soldatenfamilie. Die Nachricht von den drei gefallenen und acht verwundeten Soldaten hat die Menschen am Karfreitag aus der vorösterlichen Ruhe gerissen. „Ich habe am Samstag die ersten Anrufe bekommen“, sagt Bürgermeister Hinck, „die Menschen waren sehr bestürzt.“

In den Kirchen der Region haben sie an Ostern der Gefallenen und Verwundeten gedacht. Wilhelm Hevers, Superintendent des Kirchenkreises Bremervörde-Zeven, hatte seine Pastorenkollegen ausdrücklich dazu aufgefordert. „Ich bitte Sie, in den Ostergottesdiensten der getöteten und verletzten Soldaten und besonders auch deren Familien und Freunden zu gedenken“, schrieb der Kirchenmann in einer E-Mail. Doch Hevers findet in der Trauer auch kritische Worte. Die schon vor dem Einsatz geäußerten Bedenken würden nun „durch diese tragischen Umstände bestätigt“.

Als der Luftwaffen-Airbus mit den Leichen der drei 25, 28 und 35 Jahre alten Soldaten auf dem Flughafen Köln landet, sind die meisten Journalisten schon wieder aus dem Dorf abgezogen. Die schwarz-rot-goldene Flagge am Tor der Fallschirmjägerkaserne weht auf Halbmast. Davor patrouilliert eine Bundeswehr-Streife. Für die Soldaten der Luftlandebrigade 31, die in Seedorf die Stellung halten, geht der Dienst weiter. Doch in Gedanken sind sie bei den Ereignissen, die sich 5000 Kilometer weit entfernt abgespielt haben. Und sie bangen um ihre Kameraden im Norden Afghanistans. Hauptmann Björn Gornik, Pressesprecher der Brigade, spricht von „gedrückter Stimmung“ und „großer Trauer“. Bei der Bundeswehr bereiten sie derweil den offiziellen Abschied von den Gefallenen vor. Die Trauerfeier mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) findet am Freitag in der St.-Lamberti-Kirche in Seedorfs Nachbarort Selsingen statt.

Von Peter Ketteritzsch

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