Derweil wird um die Strahlenwerte gestritten

Nächsten Woche endet die Ära der Transporte nach Gorleben

Zweifel an Strahlenwerten: Aktivisten von Greenpeace brachten kürzlich an der Fassade des Umweltministeriums in Berlin ein Transparent an. Der Castor dürfe nicht rollen. Fotos: dpa

Gorleben. Die Castor-Ära neigt sich dem Ende zu. Mit der in einer Woche vorgesehenen Atommüll-Fuhre nach Gorleben kommen die letzten elf Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus Frankreich. „Das ist der Abschluss eines 15 Jahre dauernden Großprojekts“, sagt der Leiter des Transportbehälter-Zwischenlagers, Lutz Oelschläger.

„Damit kann ein wichtiges Kapitel der deutschen Energieversorgung erfolgreich abgeschlossen werden.“

Stolz schwingt in diesen Worten mit; Probleme mit Gamma- und Neutronenstrahlen um die Lagerhalle weist der Betreiber GNS weit von sich. „Die Welt war hier in Ordnung, die Welt ist hier in Ordnung“, erklärt GNS-Strahlenschutzexperte Hartmut Schulze in dem Brustton der Überzeugung. Der zulässige Jahresgrenzwert von 0,3 Millisievert werde im laufenden Jahr deutlich unterschritten – selbst wenn die elf neuen Castoren eingelagert seien. „Das Inventar wird zwar größer, aber die Strahlung kleiner.“

Seine simple Erklärung: Die Radioaktivität der bereits 102 in Gorleben aufgestellten Behälter klinge schließlich weiter ab; sie bildeten zudem eine Art Schutzschirm für die neue Elfer-Fuhre. Die Aufregung um erhöhte Dosiswerte vor dem Gelände können die Betreiber nicht nachvollziehen. Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Naturschutz (NLWKN) hatte im Sommer Alarm geschlagen und vor einem Überschreiten der zulässigen Grenzen gewarnt. Physikalisch-Technische Bundesanstalt und TÜV widersprachen; Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) erteilte gegen den massiven Protest von Greenpeace am 8. November die Einlagerungsgenehmigung.

Direkt beim Messhäuschen 2 am Zaun des Zwischenlagers erläutern die Betreiber die Unterschiede, weisen vor allem auf abweichende Bewertungen der natürlichen Umgebungsstrahlung hin. Im Dezember, kündigt Schulze an, würden sich noch mal alle Beteiligten an einen Tisch setzen, um ihre Rechenmethoden zu vereinheitlichen. Die im Sommer erfolgte Umstellung der Castoren in der Halle habe mit der Strahlung absolut nichts zu tun, versichert der GNS-Experte.

Terror-Abwehr

Das Wort Terror-Abwehr nehmen weder er noch sein Chef in den Mund. „Es geht um die Objektsicherheit des Lagers“, sagt Oelschläger. Von solchen Schutzmaßnahmen seien alle Atomanlagen auf Anweisung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) betroffen; Einzelheiten könne und dürfe er nicht nennen.

Drinnen in der Halle lassen sich die Neuerungen erahnen. Die 102 Behälter stehen nicht mehr so dicht an den Wänden wie noch vor einem Jahr, sind mehr in die Mitte der 250 Meter langen Halle gerückt. Angriffe etwa mit Panzerfäusten sollen so erschwert werden. Dabei gelten die 117 Tonnen schweren Atommüll-Behälter auch schon so als relativ sicher. „Das Schutzziel der Castoren ist vollständig gegeben“, versichert Schulze. Die Standplätze für die nächste Frankreich-Fuhre sind längst reserviert. Zehn der elf Castoren aus La Hague sind im französischen Valognes eingetroffen. Sie sollen kommenden Donnerstag auf die Reise nach Dannenberg gehen, wo sie in der Umladestation für die letzten 20 Straßenkilometer ins Zwischenlager auf Speziallastwagen gepackt werden.

Von Peter Mlodoch

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