Schwierige Ermittlungen zu Fahrraddiebstahl 

Hamburger Polizei gibt Razzia-Räder zurück

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Container voller Fahrräder: Polizisten bei der Razzia in Hamburg-Rothenburgsort im April 2017.

Hamburg. Im April 2017, und später im Dezember noch einmal, holten Ermittler Berge von Fahrrädern aus Gewerbehallen nahe dem Hamburger Hafen. Ermittlungen gegen drei Beschuldigte laufen noch, die meisten der 2000 abtransportierten Räder bekamen sie jetzt trotzdem zurück. 

Die Polizei rückte mit fast 200 Mann und einem guten Dutzend Lkw an: Im April 2017, und später im Dezember noch einmal, holten Ermittler Berge von Fahrrädern aus Gewerbehallen nahe dem Hamburger Hafen. Die Hallen an der Billstraße galten als Drehscheibe für gestohlene Drahtesel aus ganz Deutschland. Eine Sonderkommission hatte den Zugriff über Monate vorbereitet.

Jetzt, ein Jahr später, kamen die Polizei-Lkw wieder: 1950 von 2000 sichergestellten Rädern wurden zurückgegeben. An drei Beschuldigte, gegen die die Staatsanwaltschaft nach wie vor ermittelt.

Was Laien staunen lässt, ist für Ermittler Alltagsgeschäft. „Gegenstände, die beschlagnahmt worden sind, müssen, sofern sie nicht der Einziehung unterliegen, an den letzten Gewahrsamsinhaber herausgegeben werden“, sagte Nana Frombach, Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. „Einziehung kam hier nicht in Frage, weil nicht sicher festgestellt werden konnte, dass die Räder aus Straftaten stammen.“

Das ist die Crux der Strafverfolger: Fahrraddiebstahl ist ein Massendelikt mit ganz bescheidener Aufklärungsquote. Das Risiko, erwischt zu werden, ist gering. Die Chance, mit den oft teuer hochgerüsteten Rädern im Netz schnelles Geld zu machen, ist groß, die Beweisführung aufwendig und schwierig.

Die Soko Fahrradklau hat letztlich nur für 50 Räder aus der Billstraße Diebstahl oder Unterschlagung nachweisen können. Daran änderte die schier endlose Bildershow im Internet genauso wenig wie die Ausstellung der Räder unterm Dach zweier extra angemieteter Tennishallen. Hier konnten Diebstahlopfer ihre Drahtesel beim Gang durch langen Reihen suchen. Nicht zu übersehen: Viele der Räder waren alt bis uralt oder schrottreif – die Anreise von weither hätte kaum gelohnt.

Vom Schrottplatz geholt? Als Hehlerware angekauft? Alles Kulisse, Tarnung für illegale Geschäfte anderer Art? Hypothese der Polizei nach langer Observation der Billstraße: Die Drahtzieher ließen offenbar in ganz Norddeutschland Räder stehlen, um sie über das Großlager am Hamburger Hafen an Abnehmer in Osteuropa oder Flohmarkt-Anbieter weiterzuverkaufen.

Wirklich teure Ware dürfte mit Kleintransportern direkt und fix zu neuen Kunden gehen. Etwa nach Litauen: Dorthin verfolgten NDR-Reporter von Panorama, die die Billstraße schon 2016 im Auge hatten, ein weißes Fahrrad. Das hatten sie Dieben zum Klauen vor die Nase gestellt. Im Rad war ein GPS-Sender versteckt. Der lotste die Reporter nach Kiel, weiter mit einer Ostsee-Fähre nach Klaipeda. Und dort auf einen florierenden Markt, der neuwertige Räder aus Deutschland 500 Euro unter Ladenpreis feilbot. Litauens Polizei gab sich im Interview freimütig hilflos. Auch deshalb, weil sie keinerlei Zugriff auf Daten von in Deutschland gestohlenen Rädern habe.

Ob es im Fall Billstraße zur Anklage reicht, ist offen. Über Organisierte Kriminalität habe man keine Erkenntnisse, sagt die Anklagebehörde. Bei der Razzia im Dezember war laut NDR auch Hamburgs Umweltbehörde mit dabei, die einen Verstoß gegen das Abfallrecht feststellte. Das Bezirksamt Mitte leitete eine Gewerbeuntersagung gegen einen der Gebrauchtfahrrad-Händler ein. Das Verfahren laufe noch, hieß es am Donnerstag.

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