Schmeichelgrößen bei Kleidung

Handel entdeckt die Senioren: Rollator aus dem Baumarkt

Den Gehstock und das Handy mit den großen Tasten vom Discounter: Händler entdecken die Senioren als Zielgruppe. Foto: dpa

Düsseldorf. Handel entdeckt die Senioren - den Rollator gibt es im Baumarkt, den Gehstock und das Handy mit großen Tasten beim Discounter.

Immer mehr Händler in Deutschland entdecken die Senioren als Zielgruppe. „Sie sind für den Handel extrem wichtig. Denn es wachsen nicht genug junge Leute als Kunden nach“, bringt es Gundolf Meyer-Hentschel Experte für Seniorenmarketing auf den Punkt.

Tatsache ist: Heute ist jeder fünfte Bundesbürger 65 Jahre oder älter. In zehn Jahren wird es laut Statistischen Bundesamt jeder Vierte sein. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, sieht in dieser Entwicklung „eine enorme Herausforderung“ für den Handel. Die Unternehmen müssten ihre Geschäftsmodelle anpassen. Das betreffe Sortimente, Dienstleistungen und den Umgang mit den Kunden.

Aldi Nord ist dabei. Bei dem Discounter gab es in diesem Monat Rollatoren, Badewannensitze samt Einstiegshilfen und Gehstöcke im Angebot. Allerdings musste der Discounter auch feststellen, dass das Geschäftsfeld seine Tücken hat. Denn kaum auf dem Markt, musste Aldi-Lieferant Aspiria tausende Rollatoren zurückrufen. Es bestehe die Gefahr, dass der Rückengurt bei starker Belastung seitlich einreiße und dadurch ein Sturz hervorgerufen werden könne, warnte die Firma.

Doch wird dies den Trend zu mehr Angeboten für Senioren nicht stoppen. Auch die Baumarktkette Globus macht den klassischen Sanitärgeschäften schon einige Zeit mit Rollatoren, erhöhten WC-Sitzen und Badewannen-Liften Konkurrenz. Selbst Elektro-Scooter sind im Angebot. Lidl hat Rollatoren im Online-Shop vorrätig. Meyer-Hentschel sieht die Entwicklung positiv. Zum einen haben Discounter und Baumärkte eine große Einkaufsmacht und können deshalb oft günstigere Preise anbieten. Doch noch wichtiger ist ihm ein anderer Aspekt: „Das Spannende ist, dass damit die Hemmschwelle für den Kauf der Produkte drastisch gesenkt wird. Die Stigmatisierung wird weitgehend aufgehoben. Das öffnet neue Kundenschichten.“

Einige Händler stellen sich bereits auf die reiferen Jahrgänge ein. Die Modekette Adler etwa konzentriert sich bewusst „auf die reife und loyale Kundenzielgruppe im Alter ab 45 Jahren“. Und sie hat damit Erfolg. Während der deutsche Textilhandel 2014 insgesamt unter der Kaufunlust der Bundesbürger litt, konnte Adler Umsatz und auch Gewinn steigern.

Um ältere Kunden zufriedenzustellen, tut das Unternehmen einiges. „Bei uns sind die Umkleidekabinen ein bisschen größer, die Ruheecken etwas ruhiger, die Zahlen auf den Preisschildern etwas größer“, sagte Adler-Chef Lothar Schäfer der Fachzeitschrift „Der Handel“. „Bei uns ist die Größe 40 eigentlich eine 42. Wir nennen das Schmeichelgrößen“, zitierte das Fachblatt den Adler-Chef.

Senioren sind keine einfache Zielgruppe. „Das Alter hat den Vorteil, dass man viele Dinge schon hat und nicht mehr kaufen muss“, meint Meyer-Henschel. Die Verkäufer müssten sich deshalb besonders anstrengen. Außerdem gelte es, eine Grundregel eisern zu befolgen: „Was man nicht tun darf, ist: Alte als Alte ansprechen.“ (dpa)

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