Verwirrung um neue Maße

Handgepäck im Flieger: Ärger wegen neuer Regeln

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Vollgestopft: Die Ablagen in den Passagierkabinen sind in gut gebuchten Fliegern meist bis zum Anschlag gefüllt. Da kommt es vor, dass die Flugbegleiter eingreifen müssen. Einheitliche Regeln, die auch eingehalten werden, könnten Abhilfe schaffen.

Neue Maße der IATA verwirren Fluggäste. Nun sagt der Airline-verband: Die Koffergröße muss nicht schrumpfen.

Frankfurt. Die Nachricht verärgerte Flugreisende auf der ganzen Welt: Nach einer Empfehlung des Weltluftfahrtverbandes IATA dürften Handgepäck-Koffer nur noch 55 x 35 x 20 Zentimeter messen, statt wie bislang 55 x 45 x 25 Zentimeter, hieß es am Wochenende. Doch noch wäre es verfrüht, den lieb gewonnenen Trolley fürs Handgepäck gleich in die Ecke zu stellen. Denn angesichts der Aufregung beeilte sich die IATA klarzustellen, dass es sich bei den neuen Maßen keineswegs um die künftig maximal zulässige Größe handele.

Es sei vielmehr das Maß, das garantiere, dass alle Handgepäckstücke in Maschinen mit 120 und mehr Passagieren auch tatsächlich verstaut werden könnten.

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Das Interesse, das große Airlines wie die Lufthansa an der IATA-Empfehlung gezeigt hätten, bedeutekeineswegs, dass die heute üblichen Gepäckstücke in der Kabine tabu seien oder Fluggäste zwangsläufig neue Koffer kaufen müssten. Jeder Fluggesellschaft sei freigestellt, was sie akzeptiere. Mit der Initiative „IATA Cabin OK“ wolle man aber erreichen, dass das Boarding schneller gehe, was auch Kosten reduziere. Und wenn es eng werde in den Ablagen, hätten die „IATA Cabin ok“-Koffer Vorrang.

Für andere würde es teurer, denn die Fluggesellschaften sind längst dazu übergegangen, für bestimmte Dienste zusätzliches Geld zu kassieren - nicht nur Billigflieger: Auch Lufthansa wird ab Oktober Tickets anbieten, die nur die Mitnahme von Handgepäck erlauben. Wer einen Koffer aufgeben will, muss eben mehr bezahlen. Auch Air Berlin hat seit Mai Tickets ohne Freigepäck im Angebot. Das verleitet natürlich dazu, das Handgepäck auszureizen.

Laut IATA haben die neuen Maße den Vorteil, dass das Handgepäck überall akzeptiert wird, also auch beim Umsteigen keine Probleme entstehen mit den bislang sehr unterschiedlichen Beförderungsbedingungen.

Kritiker der neuen Empfehlung fordern dagegen, die Airlines sollten ihre bestehenden Regeln erst einmal durchsetzen, dann würde sich das Problem schon verringern.

Lufthansa-Sprecher Klaus Gorny sagte auf Anfrage unserer Zeitung, sein Unternehmen plane „derzeit keine Änderung der Handgepäcksregelungen“. Man versuche grundsätzlich darauf zu achten, dass die geltenden Regeln - bei Lufthansa maximal 55 x 40 x 23 - eingehalten würden. Ist der Flieger nicht voll, könne man kulanter sein.

Die Hände reiben über neue Maße könnten sich die Kofferhersteller. Bei der Kölner Nobelmarke Rimowa werden noch keine neue Größen geplant. Laut IATA gibt es aber Hersteller, die noch 2015 Gepäckstücke nach den neuen Maßen auf den Markt brächten. Für den Verbraucher bleibt nur, sich vor dem Flug über die Handgepäckregeln zu informieren.

Bei Extrakosten sind Airlines kreativ

Beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (Vzbv) werden zwei Gründe hinter der Kofferempfehlung der IATA vermutet:
• Flugbegleiter fänden es nervig, wenn ihre Gäste allzugroßes Gepäck in die Fächer über den Sitzen zu hieven versuchten, so Reiseexpertin gestern Marion Jungbluth.

• „Zudem ist bekanntermaßen die Kreativität der Fluggesellschaften sehr groß, wenn es darum geht, Extragebühren zu erfinden“, so Jungbluth: „Denken Sie an Sitzplatzreservierungen, schnelles Boarding oder Snacks. Im Extremfall sei mit „normalem“ Gepäck zu rechnen, das teils schon extra koste, mit Frei-Handgepäck und mit kostenpflichtigen Kabinenkoffern jenseits der IATA-Maße.

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