Kontakt zu Schleppern und Erreichbarkeit ermöglichen Flucht

Handys sind für Flüchtlinge oft überlebenswichtig

Unterschätzte Bedeutung: Mit dem Handy halten Flüchtlinge den Kontakt zur Familie aufrecht, sie kommunizieren mit Schleppern und setzen es in der Not als Pfand ein. Foto: dpa

Die meisten Flüchtlinge besitzen Handys. Oft kursiert da die Annahme, dass es ihnen so schlecht ja nicht gehen könne.

Doch während das Smartphone in Deutschland fast als Luxusgut gilt, ist es für Flüchtlinge oft überlebenswichtig.

Juristisch begründe dies das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Kommunikation via Handy kann demnach zum soziokulturellen Existenzminimum gezählt werden. Juristisch begründe dies das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Kommunikation via Handy kann demnach zum soziokulturellen Existenzminimum gezählt werden.

Neben dem Telefonieren als wichtigster und kostengünstigster Form der Kommunikation, spielt auch der Zugang zum Internet eine Rolle. Zum Beispiel, wenn es darum geht, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden, zu recherchieren oder sprachliche Hindernisse mit Übersetzungs-Apps zu überwinden. Pelzer betont: „Es geht nicht darum, dass die Flüchtlinge Handy-Spiele spielen.“

Eugen Deterding, Referent für Flucht und Asyl der Diakonie Hessen, sagt: „Oft ist das Handy die einzige Möglichkeit, mit Familie und Freunden zu kommunizieren – mit denen, die in der Heimat bleiben mussten sowie mit Familienmitgliedern, deren Flucht andernorts endete.“

Unverzichtbar bei Überfahrt

Laut Vassilis Tsianos, Soziologe an der Uni Hamburg, ist das Handy unverzichtbar für die gefährliche Flucht. Das Handy sei die einzige Möglichkeit, auf den Etappen mit den Schleppern in Verbindung zu treten. Die Geräte könnten in Geld verwandelt oder als Hypothek für einen Teil der Reise hinterlegt werden, sagte er in einem Interview der Computerzeitschrift Wired.

Die meisten Migranten bringen ihre Geräte aus der Heimat mit, sagt Diakonie-Referent Deterding. Die Frage, wie sich die Flüchtlinge das leisten könnten, stelle sich nicht. „Ein Handy oder Smartphone kostet im Ausland nur einen Bruchteil von dem, was die Geräte hier kosten.“ Abgesehen davon sei nicht jeder Flüchtling arm: „Viele Flüchtlinge sind Akademiker und besonders Syrer, Iraner und Iraker stammen oft aus der Mittelschicht.“ Und in Afrika und Nahost boomt der Markt für Billig-Handys.

Und wie kommen die Asylanten ins Netz? Laut Recherchen des Blogs Netzpolitik.org von Juni bieten etwa 15 Prozent der Flüchtlingsunterkünfte freies W-Lan an. Auch private Initiativen wie Freifunk e.V. füllen Lücken, wie etwa in Kassel-Calden. Zudem verschaffen sich die Asylanten mit Prepaid-Karten Zugang zum Internet.

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