Erste Gerichtsurteile

Werbe-Blockade möglich - Handys bald werbefrei?

London/Hamburg. Es ist eine Idee, die Spannungen zwischen Telekom-Branche und Internet-Unternehmen auf die Spitze treiben könnte: Mehrere Mobilfunk-Anbieter arbeiten laut einem Bericht daran, Online-Werbung in ihren Netzen zu blockieren.

Ein europäischer Netzbetreiber habe bereits die dafür nötige Software in seinen Rechenzentren installiert und wolle sie bis Ende 2015 einschalten, schrieb die Financial Times gestern.

Ein solcher Schritt könnte Internet-Firmen wie Google oder Yahoo Umsätze kosten. Anzeigen in Form bezahlter Nachrichten – wie sie etwa Facebook oder Twitter nutzen - wären davon hingegen nicht betroffen, berichtete die Wirtschaftszeitung. Ein ranghoher Manager eines europäischen Netzbetreibers sagte der Financial Times, man wolle den Kunden zunächst die Möglichkeit bieten, einen werbefreien Service zu buchen. Erwogen werde aber auch ein radikalerer Schritt, genannt „die Bombe“, bei dem Anzeigen auf einen Schlag über das gesamte Netzwerk aus Millionen Kunden blockiert werden könnte. Die Idee dahinter sei, vor allem Google dazu zu drängen, Werbeerlöse zu teilen, schrieb das Blatt.

Die Telekom-Unternehmen beschweren sich schon lange, dass Internet-Firmen viel Geld in ihren Netzen verdienten, ohne sich an den hohen Infrastruktur-Kosten zu beteiligen. Eine Anzeigen-Blockade könnte allerdings auch die Frage nach einem Verstoß gegen das Prinzip der Netzneutralität aufwerfen, nach dem alle Daten gleich behandelt werden müssen.

Mittlerweile gibt es erste Urteile zu Werbeblockern. So hat der umstrittene Werbeblocker Adblock Plus sich vor dem Landgericht Hamburg gegen Zeit Online und Handelsblatt.com durchgesetzt. Die Richter wiesen Ende April die Klage zurück, mit denen die beiden Portale versucht hatten, die Entwicklung und den Vertrieb des Werbeblockers zu unterbinden.

Die abgewiesene Klage richtete sich vor allem gegen das Geschäftsmodell der Kölner Eyeo GmbH, die für die Aufnahme in eine Liste „akzeptabler Werbung“ von Internet-Angeboten Geld verlangt. Die Medienhäuser hatten Eyeo vorgeworfen, unzulässig in das Geschäft der werbefinanzierten Angebote einzugreifen.

Die Kläger wandten sich in dem Verfahren vor allem gegen das „Acceptable Ads-Programm, mit dem Adblock Plus bestimmte Seiten von der Werbe-Filterung ausnimmt. Die Kläger bezeichneten dieses Vorgehen als „Wegelagerei“ und verglichen es mit einer Schutzgelderpressung. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass es sich bei dem Angebot AdBlock Plus um einen unzulässigen und wettbewerbswidrigen Eingriff in die Pressefreiheit handelt", erklärte Ebba Schröder, Sprecherin von Zeit Online.

Eyeo begrüßte das Urteil: „Diese Entscheidung ist in erster Linie ein Sieg für alle Internet-Nutzer und damit für alle Verbraucher“, erklärte die Firma. Adblock Plus werde weiterhin störende Werbung standardmäßig blockieren. (dpa)

 

Das Urteil gegen das Geschäftsmodell der Eyeo GmbH vor dem Hamburger Landgericht hat das Aktenzeichen

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