Ex-Außenminister fädelte Chodorkowskis Freilassung ein

Hans-Dietrich Genscher: Meister der geheimen Diplomatie

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Sorgte für Chodorkowskis Freilassung: Ex-Außenminister Genscher (86).

Schon seit zwei Jahren soll Hans-Dietrich Genscher (86) an der Freilassung des inhaftierten Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski (50) gearbeitet haben. Mit Erfolg.

Damit zeigte Genscher, dass er als langjähriger Außenminister noch immer über funktionierende diplomatische Kontakte verfügt. Denn nichts von seinen Bemühungen drang an die Öffentlichkeit.

Den Erfolg genießt Genscher im Stile eines Diplomaten der alten Schule: zurückhaltend. Im Rampenlicht stehen andere. Lob gibt es trotzdem für Genscher, der von 1974 bis 1992 fast ununterbrochen Außenminister war: zum Beispiel vom Russland-Experte Alexander Rahr. Der unterstützte den FDP-Politiker. Dabei setzte „Genschman“, wie ihn die Satirezeitung Titanic einst taufte, auf ein beinahe altmodisches Mittel: den Brief. Davon habe er viele für Genscher bei der Kommunikation mit russischen Vertretern übersetzt, sagt Rahr gegenüber dem Spiegel. Zweimal sei es zu einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gekommen, bei dem sich der FDP-Politiker für eine Freilassung Chodorkowskis einsetzte.

Die Begnadigung des früheren Öl-Magnaten Chodorkowskis sei ein Zeichen, dass Deutschland über Kontakte nach Russland verfüge, die Politiker aus den USA nicht haben, sagte Rahr. Geholfen haben Genscher auch seine Wirtschaftsverbindungen: Eingeflogen wurde Chodorkowski mit einem Flugzeug der Unternehmensgruppe OBO Bettermann. Ulrich Bettermann war von Duzfreund Genscher angerufen worden, „Uli, du musst mir helfen“, habe der gesagt. Bettermann stellte einen Privatjet zur Verfügung.

Es ist der zweite diplomatische Erfolg für Genscher, den niemand für möglich hielt. 1989 erwirkte er die Ausreise tausender DDR-Bürger, die in die Prager Botschaft geflüchtet waren. Genscher lebt in Bonn, ist verheiratet und hat eine Tochter.

Von Max Holscher

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