Am Sonntag entscheiden die SPD-Mitglieder über den Spitzenkandidaten für 2013

Die harmonischen Rivalen

„Ich bin ausgesprochen wertegebunden“: Stephan Weil, Oberbürgermeister von Hannover.

Hannover. Nach einem Casting auf sieben Regionalkonferenzen haben nun die 64 783 SPD-Mitglieder in Niedersachsen das letzte Wort. Am Sonntag entscheiden die Genossen per Urnenwahl, ob SPD-Landeschef Olaf Lies oder Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil bei der Landtagswahl am 20. Januar 2013 als Spitzenkandidat und damit als Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister (CDU) ins Rennen gehen soll. Beide Kandidaten geben sich zuversichtlich.

„Stil und Typ werden wohl entscheiden“, prophezeit Weil. „Bei den Inhalten sind wir nicht sehr weit voneinander entfernt.“ Sein Kontrahent sieht das genauso. „Es gibt keinen Richtungsstreit“, meint Lies. Ausbau der Krippenplätze, mehr Gesamtschulen, bessere Infrastruktur, Milde bei Abschiebungen, Tariftreue - jeder könnte die Aussagen des anderen ohne weiteres unterschreiben.

„Der Sieger heißt auf jeden Fall SPD.“

SPD-Landeschef Olaf Lies

Auf sieben Casting-Shows in den vergangenen drei Wochen vermochten die 4000 Zuschauer vor Ort und die rund 30 000 Beobachter im Internet keine gravierenden politischen Unterschiede festmachen. Allenfalls bei den Studiengebühren zeigen sich Nuancen. Während Lies sie sofort nach einem Wahlsieg abschaffen will, tritt Weil auf die Bremse. Erst müsse man sich die Finanzlage des Landes und der Universitäten anschauen.

Seriös kontra Leidenschaft

Der 52-jährige Oberbürgermeister bringt dann gern seine Erfahrung mit der kommunalen Kassenlage ins Spiel. Er setze auf Seriosität und Glaubwürdigkeit, mit ihm werde es keine Versprechen geben, die er nicht einhalten könne. Dass viele in dem Juristen und früheren Stadtkämmerer einen Technokraten sehen, scheint ihn nicht zu stören. „Ich bin ausgesprochen wertegebunden“, erwidert Weil, „zuverlässig, beständig, ein ziemlich bürgerlicher Typ.“ Aber genau das spreche auch Wähler jenseits der SPD an.

Natürlich kommen derlei Sätze wie kleine Spitzen gegen seinen 44-jährigen Mitbewerber an. Genauso wie das vermeintliche Lob, Elektroingenieur Lies sei „ein großes Talent“. Der versucht mit Leidenschaft und Herzblut zu kontern, dient sich als charismatischer Motivator an. „Das Begeistern hilft auch zum Wahlsieg.“ Von viel Zuspruch nach den Regionalkonferenzen berichtet er, von positiven Rückmeldungen auch aus der Wirtschaft.

Einigkeit zeigen Weil und Lies letztendlich auch in einem anderen Punkt und loben das faire, begeisternde Casting-Verfahren. Lies: „Der Sieger heißt auf jeden Fall SPD.“

Von Peter Mlodoch

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