Urteilen die deutschen Richter zu lasch?

„Hart aber fair“: Bild-Chef Reichelt attackiert deutsche Gerichte

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Zoff bei Plasberg und Fehlurteile bei Kinderschändern

Kontoverse Diskussion bei „Hart aber fair“. Ein Kinderschänder bekommt mildernde Umstände wegen einer BILD-Schlagzeile. Digital-Chef Julian Reichelt (37) rechtfertigt die Berichterstattung und provoziert.

München - In der ARD Talkrunde „Hart aber fair“ ging es am Montagabend über die überforderte Justiz. Kriminelle bewegen sich frei und unschuldige sitzen im Gefängnis. Titel der Sendung: „Überlastet, überfordert zu lasch - was läuft schief bei den Gerichten?“

Zu besonderen Kontroversen kam am Montagabend bei „Hart aber fair“. Ein Hamburger „Erzieher“ (72) war seit Jahrzehnten hinter kleinen Jungs her und saß drei Haftstrafen in zehn Jahren ab. BILD zeigte sein Foto auf Seite 1 mit der Schlagzeile: „Sperrt ihn endlich für immer weg!“ Der Richterin passte das nicht. Sie sprach dem Sexualverbrecher sogar „mildernde Umstände“ zu, weil er durch den Zeitungsbericht „stark stigmatisiert“ sei. 

Reichelt: „Stigmatisiert hat er sich selbst“

Der Journalist sieht in erster Linie die Opfer als besonders schutzbedürftig und nicht die Täter. „Wir haben ihn das genannt, was er ist: ein Kinderschänder. Ein Kinderschänder ist er aber nicht, weil wir ihn so genannt haben, sondern weil er Kinder geschändet hat. Stigmatisiert hat er sich selbst!“ rechtfertigt Reichelt die Vorgehensweise der BILD.

Besonders erschütternd findet Reichelt: „D ie Richterin hat, als sie das Urteil gesprochen hat, gesagt: „Wir gehen davon aus, dass Sie das wieder tun werden. Sie wählte also eine legitime Berichterstattung aus dem Gerichtssaal, um dem Mann zu ermöglichen, früher wieder rauszukommen und dann das zu erfüllen, was sie selber prognostiziert hat!“ 

Öffentliche Warnung vor Kinderschändern in anderen Staaten

Plasberg redet von „Pranger“. Richterbund-Chef Gnisa weist darauf hin, dass einige Staaten bereits öffentliche Warnungen vor Kinderschändern einführen würden: „Ich nenne Polen und die USA.“ Plasbergs ist schlagfertig: „Das sind im Moment nicht die Leuchttürme an Rechtsstaatlichkeit“, sagt er prompt und kassiert den erwartbaren Beifall

Das letzte Thema der Diskussionsrunde beschäftigte sich mit der „Horror-Kita“. In einem Eifeldorf misshandelten Betreuer kleine Kinder. Die Beschuldigten leugnen die Tat und das Landgericht Koblenz hat noch immer kein Verfahren eröffnet. Einer der Mütter muss bis heute mit den Tätern in einer Gemeinde leben. Das Schlimmste sagt sie, ist die Tatsache, dass niemand mehr solche Übergriffe melden wird, da ja doch nichts dabei rauskommt. 

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