Tarifstreit um Milliarden für öffentlichen Dienst: Überzogene Erwartung

Mit dem Flüchtlingszustrom argumentieren beide - Arbeitgeber und Gewerkschaften. Doch in völlig gegensätzlicher Weise. Für den öffentlichen Dienst steht ein komplizierter Tarifstreit bevor. Ein Kommentar von unserem Berliner Korrespondenten Stefan Vetter.

Klappern gehört zum Handwerk. In Tarifkämpfen heißt das: Fordere kräftig, sonst kommt am Ende kaum etwas raus. Diese Maxime haben Verdi und der Beamtenbund zweifellos beherzigt, wenn sie sechs Prozent mehr Geld für den öffentlichen Dienst in Bund und Kommunen verlangen. Schon angesichts der Flüchtlingsströme, so ihr Argument, bräuchten die Mitarbeiter in den Verwaltungen einen ordentlichen Schluck aus der Pulle.

Dabei ist es eher umgekehrt. Gerade wegen der massiven Zuwanderung werden die Verteilungsspielräume kleiner. Zahlreiche Kommunen stöhnen schon jetzt unter der Last der zusätzlichen Aufgaben und Kosten. Viele Kollegen sind am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Das wiederum kann nur heißen, endlich mehr Personal einzustellen. Doch wie soll das gehen, wenn es zu massiven Lohnerhöhungen käme? Natürlich muss auch der öffentliche Dienst an der insgesamt guten Wirtschaftsentwicklung teilhaben. Aber der Bogen darf nicht überspannt werden.

Verdi sollte das übrigens am besten wissen. Mit einer Forderung von stolzen zehn Prozent Plus war sie im vergangenen Jahr bei den Tarifverhandlungen für die Erzieherinnen und Sozialarbeiter wie ein Tiger gestartet und am Ende mit durchschnittlich 3.3 Prozent eher als Bettvorleger gelandet. So können kräftige Forderungen auch zu falschen Erwartungen führen.

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