Land will Windräder in Wäldern erlauben – Naturschützer fürchten um Idylle

Im Harz geht die Angst um

Albtraum für Naturschützer: Diese Montage zeigt Windräder an einem See bei Clausthal-Zellerfeld. Foto: dpa/Montage: Gehlen

Hannover. Ein neues Gesetz soll der Nutzung der Windkraft frischen Schwung verleihen: Weil geeignete Flächen für Windkraftanlagen fehlen, will das Land den Bau auch in Wäldern erlauben. Naturschützer und Anwohner befürchten mancherorts schon das Schlimmste.

Dabei ist Niedersachsen zwar immer noch Windenergieland Nummer eins, doch die Gesamtleistung der neu gebauten Anlagen sinkt seit 2002 stetig. Das Problem: „Es ist schwierig geworden, geeignete Flächen zu finden“, sagt Heinz Visel vom Bundesverband Windenergie (BWE). Mindestabstände zu bebauten Gebieten und eine Bauhöhenbeschränkung von 100 Metern erschwerten den Anlagenneubau. Dabei müssten rentable Windräder meist höher sein.

Für Naturschützer und Wanderfreunde sind das Horrorvorstellungen: Der Verein Harzklub mit 14 000 Mitgliedern sieht bis zu 200 Meter hohe Masten aus den Wäldern des Harzes emporschießen. „Windkraftanlagen würden das Landschaftsbild erheblich stören“, so Ehrenvorsitzender Albrecht von Kortzfleisch. Beim Harzklub gilt daher Alarmbereitschaft. Der Harz ist Landschaftsschutzgebiet und müsse geschützt werden. „Landschaftsschutz wird ad absurdum geführt, wenn er nicht dauerhaft bestehen bleibt“, so von Kortzfleisch.

Aus Sicht des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums gibt es keinen Grund für den Protest des Harzklubs. Der Harz als Windkraftpark habe nie zur Debatte gestanden: „Das wird definitiv nicht der Fall sein“, versichert Sprecherin Natascha Manski, „der Schutz des Waldes ist vorangestellt.“ Die Gesetzesänderung beziehe sich ohnehin nicht auf jede Art von Wäldern. Nur „vorbelastete“ Flächen, wie Truppenübungsplätze oder Deponieflächen, seien betroffen.

Der Harzklub sieht dennoch berechtigte Gründe für Bedenken. Die Samtgemeinde Oberharz habe schon Beschlüsse zur Einrichtung von Windrädern vorbereitet. Die habe man gemäß dem Motto „Wehret den Anfängen“ sofort verhindern wollen.

Bei den Windkraftbefürwortern ist man bemüht, den Ball flach zu halten: Um Naturschutz-, Umwelt- und Tourismusverbänden die Sorgen zu nehmen, müsse über geplante Projekte geredet werden, so der Bundesverband Windenergie.

Im Süden Deutschlands trage diese Taktik Früchte. In Baden-Württemberg zum Beispiel zeige man sich aufgeschlossen gegenüber Windkraftprojekten und auch im Weserbergland beschwere sich niemand über zu viele Windräder.

Von Verena Schulz

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