Furcht vor einer breiten islamistischen Bedrohungsfront

Kommentar zu Massenentführung: Hasskrieger in Nigeria

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Jörg S. Carl über den Terror in Afrika

Für die Mütter und Väter der mehr als 200 in Nordnigeria verschleppten Schülerinnen wird eine düstere Vorahnung zur schrecklichen Gewissheit: Ihre Töchter sind Geiseln des brutalen Boko-Haram-Anführers Abubakar Shekau. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Jörg S. Carl.

Was geht uns die Gewalt in Nigeria an? Die Forderung, sich im doch so fernen Afrika nicht einzumischen, ist normalerweise schnell bei der Hand. Sie entspringt meist einer Mischung aus Mangel an Mitgefühl und ignoranter Bequemlichkeit. Rohstoffausbeutung auf dem schwarzen Kontinent gern, nur der Preis darf nicht allzu hoch sein. Nach Frankreich und Deutschland, so hat es jetzt den Anschein, beginnen auch die USA, diese Sichtweise zu ändern. US-Geheimdienste und Soldaten sollen helfen, die von der Boko Haram entführten Mädchen zu befreien. Man dürfe dem bestialischen Treiben der islamistischen Hasskrieger nicht länger zusehen.

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Ist das plötzliche Engagement in Nigeria vom Weißen Haus zufällig gewählt, um exemplarisch zu demonstrieren, die USA kehre zurück zu einer Außenpolitik der Verantwortung – wer es weniger pathetisch mag: zu seiner Rolle als Weltpolizist?

Nein, kein Zufall. Nigeria ist im Grunde ein zerfallender Staat und weckt im US-Sicherheitsapparat wie einst Afghanistan die Furcht vor einer breiten islamistischen Bedrohungsfront. Denn die Boko-Haram-Schlächter gelten als die Taliban Afrikas. Sie morden, vergewaltigen, zerstören auch in Nachbarländern. Und sie haben Verbindungen zur Al-Qaida-Gruppe, die Anschläge im gesamten nordafrikanischen Raum verübt.

Das Sendungsbewusstsein des Islamismus kennt keine Grenzen. Dass sich in Afrika eine terroristische Massenbewegung entwickeln könnte, die nicht nur den eigenen Kontinent in Angst versetzt, soll möglichst im Ansatz erstickt werden. Das ist die Lehre aus Afghanistan. Für die USA bleibt der Islamismus eine globale Herausforderung. jsc@hna.de

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