Spezielle Betreuung für Familien soll flächendeckend in ganz Niedersachsen eingeführt werden

Hebammen: Netz gegen Gewalt

Einsatz vor Ort: Hebamme Marit Richter (links) gibt in Harsum bei Hildesheim während einer Nachuntersuchung Tipps, wie eine Mutter ihr vier Tage altes Baby am besten stillen kann. Foto: dpa

Hannover. Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) will in Niedersachsen ein flächendeckendes Netz von Familienhebammen ausbauen. Dazu müsste ihre Zahl von aktuell 220 fast verdoppelt werden.

Familienhebammen begleiten junge Mütter in schwierigen Lebenslagen bis zum ersten Geburtstag ihrer Babys. Im Idealfall beginnt die Betreuung schon während der Schwangerschaft. Diese frühe Hilfe sei effektiver Kinderschutz, betonte die Ministerin am Mittwoch in Hannover.

Nach Schätzung der Stiftung „Eine Chance für Kinder“ benötigen mindestens zehn Prozent der Familien mit Säuglingen die intensive Unterstützung. Gewalttätige Partner, psychische Krankheiten, soziale Isolation, Geldnot oder Drogenprobleme belasten junge Mütter.

Bei der Begleitung gehe es zunächst um elementare Dinge, berichtete Mareike Teich, Familienhebamme aus Braunschweig: „Wie bereite ich eine Flasche vor? Wann hat mein Kind Hunger?“

Für das Jahr 2011 hat die Stiftung die Arbeit von 67 Helferinnen in 15 Städten und Landkreisen ausgewertet, darunter Hannover, Braunschweig und Osnabrück. Von 459 betreuten Schwangeren und Müttern waren 53 Prozent jünger als 22 Jahre, zehn Prozent sogar unter 17. 33 Prozent hatten keinen Schulabschluss, 70 Prozent keine Berufsausbildung. Knapp ein Drittel waren Alleinerziehende, 19 Prozent kamen aus Migrantenfamilien.

Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Prof. Adolf Windorfer, sagte: „Für viele Familien ist es ganz normal, dass der Fernseher der Babysitter ist.“ Erst die Hebamme sensibilisiere dafür, dass Eltern mit ihrem Baby regelmäßig nach draußen gehen sollten. Der Studie zufolge wurden in 74 Prozent der Familien Lösungen oder Verbesserungen der Problemsituationen erreicht. „Ich freue mich, dass der Bund diese wichtige Arbeit erkannt hat“, sagte Ministerin Özkan.

Für den Ausbau der frühen Hilfe sind im Bundesetat in diesem Jahr 2,4 Millionen Euro für Niedersachsen bereitgestellt. Danach sind es sogar jährlich 3,5 Millionen Euro. Derzeit gebe es Gespräche mit den kommunalen Spitzenverbänden, wie die Gelder verteilt werden, sagte Özkan. Das Land unterstützt den Einsatz der Familienhebammen 2012 über die Stiftung mit 260 000 Euro.

Der niedersächsische Hebammenverband forderte eine bessere Bezahlung von Familienhebammen. „Es gibt bundesweit massive Unterschiede. Viele Kolleginnen sind deutlich unterbezahlt“, sagte Landeschefin Uschi Fietz am Mittwoch. Nach Ministeriumsangaben liegt der Stundenlohn zwischen 36 und 40 Euro. Die meisten Familienhebammen sind Freiberuflerinnen. (lni)

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