Hospiz Bärenherz wird zehn Jahre alt – Trauerbegleitung für Eltern und Geschwister

Heim für kranke Kinder

Gern gesehen: Clowndoktoren, die kranke Kinder in Kliniken besuchen, sind auch in Hessens einzigem Kinderhospiz Bärenherz in Wiesbaden-Erbenheim gern gesehen. Foto: Bärenherz/nh

Wiesbaden. Claudia Langanki lächelt oft, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Sie ist die Leiterin des Kinderhospizes Bärenherz in Wiesbaden, einem Ort, dem sich Außenstehende zunächst mit Beklemmung nähern. Kinder, die hier leben, werden nicht wieder gesund. Sie sind, wie die Fachleute es nennen, lebensverkürzend erkrankt.

Doch ist das Hospiz im Stadtteil Erbenheim, das gerade seinen 10. Geburtstag feiert, kein trauriger oder gar düsterer Ort. Spielsachen und Spielgeräte, Gebasteltes, Musikinstrumente, ein Bällchenbad, ein Entspannungsraum und hübsch gestaltete Räume zeugen vom Grundverständnis der Einrichtung: „Bei uns wird gelebt, aber es darf auch gestorben werden“ sagt die 59-jährige Leiterin. „Wir wollen den Kindern alles geben, was ihnen gut tut.“

Im Bärenherz, das zum größten Teil von einer gleichnamigen Stiftung finanziert wird, ist Platz für zehn Kinder, es gibt zudem vier Familienappartements. Auch in den Kinderzimmern stehen Schlafsofas, so dass immer jemand in der Nähe des kranken Kindes sein kann. Insgesamt ist es ein wenig eng im Haus, doch gleich nebenan entsteht gerade ein Neubau für das Hospiz.

Die Kinder kommen aus ganz Hessen und auch Nachbarländern, denn Bärenherz ist das einzige Kinderhospiz in Hessen und eins von nur zehn stationären in Deutschland. Manche kommen, um dort zu sterben, andere gehen zeitweise auch wieder nach Hause zurück, weil sie sich stabilisiert haben. Oder Kinder leben in den Ferien im Hospiz, damit die Familien eine Zeitlang entlastet sind.

„Wir wollen den Familien so viel Normalität wie es nur geht ermöglichen“, sagt Langanki, „das heißt wir kümmern uns nicht nur um die Kinder, die sterben werden, sondern auch um die Eltern und Geschwister.“ Gerade Geschwisterkinder haben es oft schwer, weil die Sorge und Aufmerksamkeit der Eltern in erster Linie dem todkranken Kind gilt, sagt Langanki. Trauerbegleitung ist deshalb auch für die Geschwister wichtig.

Im Bärenherz, das aus einer privaten Spendeninitiative entstand und sich auch nach wie vor großer Spendenbereitschaft erfreut, arbeiten Kinderkrankenschwestern, Heilerzieherinnen, Sozialpädagogen, eine Musiktherapeutin und eine Seelsorgerin. Zudem kümmern sich zwei Ärztinnen um die Kinder, die hier weder Angst haben noch Schmerzen erleiden sollen.

Kontakte bleiben

Wichtig ist Langanki und ihrem Team eine schöne Abschiedszeremonie im Haus, wenn ein Kind gestorben ist. „Das gibt allen Zeit zu verstehen, was passiert ist.“

Anders als in Erwachsenenhospizen führt dieser ganzheitliche Ansatz dazu, dass viele der Familie der bisher 170 betreuten Kinder mit dem Bärenherz in Kontakt bleiben.

Deshalb lächelt Claudia Langanki auch, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt: „Sie ist schwer, aber auch erfüllend, weil man das gute Gefühl hat, den Menschen etwas zu geben.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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